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Ovationen für den „Fels in der Brandung“

Der Fußball-Kreisverband Vechta hat auf seinem Kreistag in Kroge-Ehrendorf den 28. Gerd-Tank-Preis verliehen. Der "Oscar für das Lebenswerk" ging an Hubert Tönjes.

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Geehrter und Ehrende: Von links Martina Spille, Gerd-Tank-Preisträger Hubert Tönjes, Dr. Henrike Voet und Martin Fischer. Fotos: Vollmer

Geehrter und Ehrende: Von links Martina Spille, Gerd-Tank-Preisträger Hubert Tönjes, Dr. Henrike Voet und Martin Fischer. Fotos: Vollmer

Auf den letzten Metern der XXL-Tagung im Festzelt des SV Kroge-Ehrendorf ging die Lautsprecheranlage kurz in die Knie. Kein Problem für Martin Fischer, der seine Schlussworte einfach ohne Mikrofon sprach. „Ich hab' ein lautes Organ, das kennen sie ja in Barsinghausen“, sagte der Vorsitzende des Fußball-Kreisverbandes Vechta in Anspielung auf den einen oder anderen Disput mit den NFV-Oberen in Barsinghausen.

In Kroge, wo der NFV-Kreisverband einen offiziellen Schlussstrich unter die Saison 2021/22 zog, gab's aber keinen Disput, keinen Stress. Ganz im Gegenteil. „Vielen Dank für einen harmonischen Kreistag“, erklärte Fischer und verabschiedete die Delegationen der Vereine in eine „sicherlich kurze, aber hoffentlich erholsame Urlaubszeit“. Und passend zum finalen Gruß funktionierte auch das Headset-Mikrofon wieder.

Zwei Stunden und 20 Minuten hatte der Kreistag gedauert, ehe Fischer seine Unterlagen zur Seite legen konnte. „Es ist gut gelaufen“, sagte er erleichtert. 25 von 28 Vereinen waren vor Ort vertreten, nur RW Visbek, Asyaspor Vechta und Teutonia Erlte fehlten. Dass es für Fischer und seine Kollegen aus dem Vorstand bzw. den Ausschüssen der erste NFV-Kreistag seit 2019 war, hatte nichts mit Corona zu tun. Denn: Vor drei Jahren hatte der NFV-Kreisverband in Einen beschlossen, den Ordentlichen Kreistag aus Kostengründen nur noch alle drei Jahre durchzuführen. Fischer hatte sich im Vorfeld der Kroger Tagung das ehrgeizige Ziel gesetzt, unter zwei Stunden bleiben zu wollen. Das klappte nicht. Irgendwie logisch, denn es gab einiges zu tun; besser gesagt: einige zu ehren.

Hubert Tönjes seit 1989 im Kreisverband tätig

Im Mittelpunkt des Ehrungsmarathons stand einer, der „eine kleine Vorahnung“ hatte, wie er später sagte, am Ende aber von den Dimensionen überrollt und von den Gefühlen übermannt wurde. Gemeint ist Hubert Tönjes, der am Samstag mit dem Gerd-Tank-Preis, der höchsten Auszeichnung des NFV-Kreisverbandes, geehrt wurde. Der 75-Jährige, der sich nach diversen Tätigkeiten in seinem Heimatverein TuS Lutten (u.a. Schriftführer, Fußballobmann und Vorsitzender) seit 1989 im NFV-Kreisverband engagiert und 2002 den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden übernahm, erhielt Standing Ovations und lang anhaltenden Applaus.

„Hubert, du warst unser Fels in der Brandung, unser ruhender Pol. Ärger gab's bei dir nie. Du wirst mir fehlen“, erklärte Fischer, der die Laudatio für den langjährigen Weggefährten hielt und danach mit Martina Spille (stellvertretende Landrätin) und Dr. Henrike Voet (Bürgermeisterin Lohne) die Ehrung vornahm.

Das Damen-Duo hatte zuvor in kurzen Grußworten den „hohen Stellenwert des Sports in der ländlichen Region“ (Voet) und die Freude über das „Comeback des Vereinslebens nach der langen und harten Corona-Durststrecke“ (Spille) zum Ausdruck gebracht. Noch kürzer sprachen Kroges Klubchef Christian Bünnemeyer („Der SV Kroge ist sehr stolz, den NFV-Kreistag bereits zum fünften Mal auszurichten“) und Kreissportbund-Kassenwart Ludger Sandmann, der als Kroger ebenfalls ein Heimspiel hatte. Zusammen holten Voet, Spille, Bünnemeyer und Sandmann jene Zeit raus, die NFV-Vize und Bezirkschef Dieter Ohls dann für sein knapp zehnminütiges (!) Grußwort nutzte.

Vorgänger und Nachfolger: Hubert Tönjes und David Lücker.Vorgänger und Nachfolger: Hubert Tönjes und David Lücker.

Aber zurück zu Tönjes: Der neue Gerd-Tank-Preisträger, der ein paar Minuten zuvor bereits die Goldene Ehrennadel des NFV, die höchste Auszeichnung des Verbandes, erhalten hatte und später auch noch zum Ehrenmitglied des Kreisverbandes ernannt wurde, war tief ergriffen. Der ehemalige Banker, dessen ruhige, besonnene Arbeitsweise als NFV- und KSB-Funktionär kreisweit geschätzt wurde, schämte sich seiner Tränen nicht. „Ich konnte nicht anders“, sagte er.

Tönjes ist die 28. Person in der „Hall of Fame“ der VEC-Fußballer, der Gerd-Tank-Preis hat sich längst als „Oscar für das Lebenswerk“ etabliert. Zu seinem Ausscheiden aus dem Vorstand sagte der frühere Vorsitzende des Sportgerichts (1992 bis 2002): „Ich bin jetzt 75, es reicht.“ Er freue sich auf mehr Zeit mit den vier Enkeln und drei Urenkeln. Ein wichtiges Amt hat der Natur- und Werder-Fan allerdings weiter inne. „Unsere Grünkohltour organisiert du ja weiter“, sagte Fischer.

Dem Ritterschlag für Tönjes waren diverse andere Ehrungen vorausgegangen. Wie etwa für Max Korbion von Falke Steinfeld, der im Rahmen der DFB-Aktion „Fußball-Held 2022“ ausgezeichnet wurde. Wie etwa für jene vier Teams, die in der Kreisliga und den drei Kreisklassen die Fairness-Wertungen gewannen. Wie etwa für 38 Klubvertreter, die mit der Silbernen (28) bzw. Goldenen Ehrennadel (10) des NFV-Kreisverbandes ausgezeichnet wurden. Wie etwa für Christoph Rießelmann (NFV- Kreis Vechta) und Martin Meyer (Frisia Goldenstedt), die die Verdienstnadel bzw. die Goldene Verdienstnadel des NFV erhielten.

Ein starkes Team: Die Fußballer der Heimstatt-Clemens-August Neuenkirchen wurden in Kroge ausgezeichnet.Ein starkes Team: Die Fußballer der Heimstatt-Clemens-August Neuenkirchen wurden in Kroge ausgezeichnet.

Riesigen Applaus gab's auch für die Fußballer der Heimstatt-Clemens-August Neuenkirchen, deren Erfolge bei den Special Olympics in Berlin und bei der Niedersachsenmeisterschaft gewürdigt wurden. Sie erhielten zwei Mini-Tore, Bälle und Trikots mit der Aufschrift „Ein starkes Team“.

Bei den Neuwahlen für die nächsten drei Jahre, die Fischer im Anschluss an seine eigene Wiederwahl dank guter Vorbereitung und der Zufriedenheit der Delegierten im Vollgas-Modus durchpeitschte, gab's einige Veränderungen im geschäftsführenden bzw. erweiterten Vorstand. Tönjes' Posten als einer von zwei Fischer-Vertretern übernahm Jugendchef David Lücker. Dessen weiteres Amt als Schriftführer hat nun Marcel Brune inne. Jan-Bernd Hohnhorst wurde als neuer Chef der Schiedsrichter bestätigt, während Uwe Lienesch der neue Vorsitzende des Sportgerichts ist. Der Lutter trat die Nachfolge von Helmut Rolfes an, der nach 20 Jahren im Amt ebenso wie Tönjes unter großem Applaus die Goldene Ehrennadel des NFV erhielt und als Beisitzer im Gericht bleibt.

Fischer, seit 2004 im Amt und nicht mehr weit von der Ferdinand-Dunker-Bestmarke (22 Jahre; 1982 bis 2004) entfernt, versprach den Klubvertretern, sich weiter „mit voller Kraft“ für die Eigenständigkeit des NFV-Kreises Vechta einzusetzen. Denn: „Wir sind ein leistungsstarker, zuverlässiger Kreis im Bezirk Weser-Ems und darüber hinaus.“ Grünes Licht per grüner Abstimmungskarte gab's auch für den Antrag des 1. FC Varenesch, dass es künftig auch auf Kreisebene fünf Wechselmöglichkeiten gibt. Es war der letzte formelle Akt in Kroge – der Rest ging dann auch ohne Mikrofon.

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