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"Nur, wo du zu Fuß warst, warst du wirklich

Der Cappelner Aloys Ovelgönne hat seit jeher ein Faible für Berge. Seine Trekkingtouren führten ihn über den gesamten Globus.

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Welch' eine Kulisse: Aloys Ovelgönne im Jahr 2017 vor einem überaus imposanten Panorama im US-amerikanischen Grand Canyon. Foto: Sammlung Ovelgönne

Welch' eine Kulisse: Aloys Ovelgönne im Jahr 2017 vor einem überaus imposanten Panorama im US-amerikanischen Grand Canyon. Foto: Sammlung Ovelgönne

Der Ruf der Berge findet bei Aloys Ovelgönne Gehör. „Die Berge haben mich immer schon fasziniert“, sagt der Cappelner. Schon in den 1950er Jahren unternahm die Familie Ausflüge in den Teutoburger Wald uns ins Sauerland. Damit war der Grundstein für die Leidenschaft des heute 76-Jährigen gelegt. Diese wuchs sich zu einer Bergsteigerkarriere aus. 1986 ging es während eines Urlaubs ins österreichische Oetz los. Ovelgönne und seine – inzwischen verstorbene – Frau lernten ein Paar aus dem Saarland kennen. Daraus entwickelte sich eine tiefe Freundschaft, die in regelmäßigen Bergtouren durch das Oetztal mündeten.

„Mit Steigeisen und einem 40 Meter langen Seil ging es über alle Gletscher. Wir sind beispielsweise über die Oetztaler Wildspitze vorbei an der Fundstelle der weltberühmten Gletschermumie ,Ötzi‘ bis hin zur Finailspitze gewandert“, erzählt Ovelgönne. Sämtliches Gepäck und Ausrüstung schleppten sie mit. „Morgens haben wir uns dann für 20 Groschen Teewasser gekauft und Station in den Alpenhütten gemacht. Heutzutage sind diese ja bestens mit Warmwasser und Duschen ausgerüstet, zu damaliger Zeit sah das anders aus. Die Toiletten hatten keine Spülung, es gab nur Plumpsklosetts“, erinnert sich Ovelgönne. Doch die spartanische Ausstattung schreckte die Wandergruppe, zu auch Freunde aus Cappeln gehörten, nicht ab.

Seit jeher fasziniert von den Bergen: Aloys Ovelgönne. Foto: LangoschSeit jeher fasziniert von den Bergen: Aloys Ovelgönne. Foto: Langosch

Die Touren durch die atemberaubende Natur der Alpen war mehr als Entschädigung. Der Natur ganz nahe – das war der Hauptantrieb. „Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich“ – das ist das Motto geworden. „Du musst die Berge im Wortsinn fühlen. Du musst sie berühren, das ist etwas anderes, als nur mit dem Auto daran vorbeizufahren“, sagt Aloys Ovelgönne.

Die Cappelner erklommen verschiedenste Gipfel in den Alpen, etwa Große Sella, Seceda und Langkofel in den Dolomiten, im Virgental, noch ohne Bergbahnen, hoch auf den Großvenediger oder Gletschertouren durchs Stubaital. Der erste 4000er, den Ovelgönne mit Steigeisen und Seil erklomm, war der Mönch in Grindelwald. „Oben ging es über 200 Meter einen maximal ein Meter breiten Steg entlang“, meint Ovelgönne. „Bei ,Gegenverkehr‘ mussten wir uns um die entgegenkommenden Personen herumdrehen. Ich war hinten am Seil und musste absichern. Für den Fall, dass der Seilschaft ein Abrutschen gedroht hätte, hätte ich mich zur anderen Seite werfen müssen, damit die anderen die Gelegenheit gehabt hätten, wieder in die Spur zu kommen. Sonst wäre die ganze Seilschaft verloren gewesen.“

Auf den spektakulären Touren erlebten Aloys Ovelgönne und Co. auch so manches Drama. „Am ersten Tag in Grindelwald machten sich gerade 23 Leute bereit für eine Canyoningtour. Nur ignorierten sie das heranziehende Gewitter und machten sich dennoch auf, eine Schlucht von oben nach unten zu durchqueren.“ Diesen Fehler sollten die Wanderer mit dem Leben bezahlen. „Die gewaltigen Regenmassen machten aus dem Bächlein eine reißende Flut, nur ein Bergführer konnte sich noch auf einen Vorsprung retten, die übrigen kamen zu Tode.“

Die letzte große Alpentour sollte eine imponierende Begegnung und eine weitere Tragödie beinhalten. Es begann damit, dass Aloys Ovelgönne und seine Mitstreiter in Sulden die Bergsteigerikone schlechthin, Reinhold Messner, trafen. Messner begleitete die Cappelner auf seinen „Hausberg“ in Südtirol, den Ortler. Auf der mehrtägigen Tour wurden sie Zeugen eine Unglücks, als eine Nasslawine abging und drei Bergführer in die Tiefe riss. Doch damit nicht genug: Nur eine Stunde später wiederholte sich das Drama, vier weitere Bergführer fanden in einer folgenden Nasslawine den Tod.

Faszination Alpen: Mit seiner Frau Maria (Mitte) unternahm Aloys Ovelgönne zahlreiche Bergtouren. Foto: Sammlung OvelgönneFaszination Alpen: Mit seiner Frau Maria (Mitte) unternahm Aloys Ovelgönne zahlreiche Bergtouren. Foto: Sammlung Ovelgönne

Trotz dieser Unglücke verloren die Berge ihre Faszination für Aloys Ovelgönne nicht. Aber nach seinen Abenteuern in den Alpen zog es ihn „richtig“ in die Welt hinaus. Seit 20 Jahren ist der Cappelner auf Treckingtouren rund um den Globus unterwegs.

2002 und 2007 unternahm der frühere Torjäger des SV Cappeln Touren durch den Grand Canyon in den USA, seien es 4000er-Berge gewesen, die er erklommen hat oder Märsche entlang des Colorado Rivers.

So sehr ihn die Natur auch fasziniert, erkennt Aloys Ovelgönne auch die Reize der Städte: „Jeder sollte mal die Golden Gate Bridge in San Francisco überquert haben. Aber nicht im Auto oder Bus, nein. Um die Brücke richtig zu spüren, musst du auf Schusters Rappen rüber. Es gilt das Gleiche wie in der Natur: Nur, wo du zu Fuß warst, da warst du wirklich. Dieser direkte Kontakt ist mit nichts zu vergleichen. Es ist etwas völlig anderes, wenn du ,nur‘ daran vorbeifährst. Es gibt einen Ausspruch von Reinhold Messner, der es für mich absolut auf den Punkt bringt. Er lautet: Je höher der Gipfel, je größer die Anstrengung und die Gefahr, umso intensiver ist das Erlebnis, aber da ist kein Platz für das Gipfelglück. Die Euphorie kommt nachher, wenn ich wieder unten bin, zurück aus der menschenfeindlichen Welt der Extreme. Das Zurückkommen ist wie eine Wiedergeburt und mit nichts sonst zu vergleichen.“

Zu den Trips durch den Grand Canyon haben sich im Laufe der Jahre viele spektakulären Touren hinzugesellt. 2005 etwa an die Westküste Kanadas von Vancouver aus über Vancouver Island durch die Inside Passage in Richtung der Jasper- und Banff-Nationalsparks bis hin zum berühmten Yellow-Stone-Nationalpark. Nicht minder beeindruckend waren weitere Touren: nach Namibia im südwestlichen Afrika zum Beispiel durch das Okavango-Delta, auf dem Einbaum über den Fluss zwischen Krokodilen hindurch, quasi flankiert von „The Big Five“ (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard). Kaum eine Landschaft auf dem Globus, die Aloys Ovelgönne noch nicht gesehen hat: Im Norden Island und Alaska, auf der Südhalbkugel Neuseeland. Angereichert hat Aloys Ovelgönne seine großen Reisen mit Wandertouren in Europa, etwa in Norwegen (Lofoten), auf Kreta, Masuren in Polen und der Kanareninsel Teneriffa.

Wo ist es denn am schönsten? „Wenn es ein Paradies gibt, würde mir für mein zweites Leben Neuseeland total genügen“, meint Ovelgönne schmunzelnd. „Die Touren in den Fjorden, den so genannten Sounds, sind ebenso ein Traum wie die über den Franz-Joseph-Gletscher, die an den heißen Stränden und die zu den heißen Quellen.“ Aber perfekt ist das Paradies dann doch nicht, hat der Steuerberater festgestellt: „Die Steuerklärung auf dem Bierdeckel hat in Neuseeland nicht lange gehalten, inzwischen ist sie wieder viel umfangreicher. Aber die deutschen Standards werden sie nie erreichen.“

Der OM online Podcast. Thema  der neuen Ausgabe sind Kunstrasenplätze im Oldenburger Münsterland. Welche Halme sind die besten, wie steht es um Ökologie und Nachhaltigkeit? Und was haben geschredderte Olivenkerne mit dem Thema zu tun?  Jetzt reinhören! 

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