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"Nicht nachzuvollziehen": Hörstmann kritisiert Verwaltung für Sportverbot

Der Vorsitzende des Kreissportbundes und des TV Dinklage fordert die Öffnung der Sportstätten für den Individualsport. Er spricht von "Einschränkungen, deren Sinn man nicht einsehen kann".

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Hinter diesen Toren herrscht Stillstand: Das Dinklager Jahnstadion. Foto: Lünsmann

Hinter diesen Toren herrscht Stillstand: Das Dinklager Jahnstadion. Foto: Lünsmann

Seit Monaten herrscht Stillstand, es gibt keine Perspektive und der Frust wächst von Tag zu Tag: Die Lage im Amateursport ist eine reine Tragödie, geprägt von Wut, Entfremdung und Angst. Immer mehr Vereine und Verbände äußern nun ihren Unmut gegenüber der Politik, die kategorisch alles außer Individual- und Spitzensport verbietet. 28 Großsportvereine richteten jetzt einen Appell an die Landespolitik, den Outdoor-Sport unter Einhaltung strenger Regeln wieder zuzulassen. Der Landessportbund und der Niedersächsische Fußballverband sprangen auf den Zug auf.

Auch im Landkreis Vechta herrscht mittlerweile großes Unverständnis, wie Dr. Jürgen Hörstmann bemerkt. Der Chef des Kreissportbundes (KSB) und Vorsitzende des TV Dinklage sagt: „Unsere Mitglieder regen sich zu Recht über das Versagen der Politik und Verwaltung bei der Impf-Strategie auf, während gleichzeitig Einschränkungen erfolgen, deren Sinn man nicht einsehen kann.“

Den „Frust in der Bevölkerung“ könne er gut nachvollziehen. Auch ihm merkt man den Ärger darüber an, dass sich nichts bewegt und keine Perspektiven für die Sportszene geschaffen werden. „Der Sport stößt überall auf politischen und bürokratischen Widerstand. Wir erreichen nichts für den Sport, weder auf Bundes-, Landes- oder Kreisebene“, schlussfolgert der Jurist.

TVD unterstützt Initiative für Outdoor-Sport

In seinen Funktionen als KSB- und TVD-Vorsitzender stellt er die Forderung, sämtliche Sportstätten für den Individualsport zu öffnen. Dazu hält er fest: „Es ist nicht nachzuvollziehen, dass der Landkreis in Absprache mit den Bürgermeistern den Outdoor-Sport auf den Sportplätzen faktisch verhindert, indem diese geschlossen bleiben, obwohl der Individualsport erlaubt ist. So wird Leichtathletik als Individualsport verboten, während Tennis erlaubt ist. Das kann man niemandem erklären.“ Ein Vorstoß über den Dinklager Bürgermeister Frank Bittner beim Landkreis sei ohne Erfolg geblieben. Es sei lediglich mitgeteilt worden, dass daran derzeit nicht zu denken sei.

Des Weiteren schließt sich Hörstmann den Forderungen der niedersächsischen Großsportvereine an – auch der TV Dinklage ist einer der 28 Unterzeichner des offenen Briefes an die Landesregierung. Die Klubs zielen darauf ab, dass „Outdoor-Sport für Kinder und Jugendliche in Gruppen bis zu 20 Teilnehmern“ möglich ist, „kontaktloser Outdoor-Sport für Erwachsene in Gruppen bis zu 20 Teilnehmern“ sowie „Outdoor-Sport im Stationstraining bzw. Turnlandschaften“ erlaubt werden. In dem Papier heißt es weiter: „Wir schreiben Ihnen in der Hoffnung, dass Sie auf den Grundlagen der neuesten Forschungsergebnisse unsere Überlegungen teilen und den gesicherten Outdoor-Sport wieder erlauben.“ Dr. Jürgen Hörstmann liegen die Forderungen in puncto Kinder- und Jugendsport ganz besonders am Herzen.

Die Forschung verlieh den Bestrebungen der Vereine und Verbände in den vergangenen Tagen reichlich Rückenwind. Am 11. April hatte die Gesellschaft für Aerosolforschung einen offenen Brief an die Bundes- und Landesregierungen gerichtet. Die Kernaussage: Die Gefahr einer Infektion mit Coronaviren lauert drinnen, nicht draußen. „Die Übertragung der SARS-CoV-2-Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt. Übertragungen im Freien sind äußerst selten“, heißt es. Man solle „nicht unsere begrenzten Ressourcen auf die wenigen Promille der Ansteckungen im Freien verschwenden“.

Einer der Unterzeichner des offenen Briefes ist der Biophysiker Dr. Gerhard Scheuch. Im Interview mit fussball.de sagt er: „99,9 Prozent der Covid-19-Ansteckungen erfolgen in geschlossenen Räumen. Ich würde Öffnungen für den Sport daher sehr befürworten. Sport ist gesund, Sport tut gut – und er motiviert die Menschen, Innenräume zu verlassen.“ Er hält auch Indoor-Sport in großen Hallen mit guter Belüftung bei begrenzter Teilnehmerzahl für möglich.

Klare Haltung: Sportfunktionär Dr. Jürgen Hörstmann. Foto: KSBKlare Haltung: Sportfunktionär Dr. Jürgen Hörstmann. Foto: KSB

Fußball sei sogar „völlig unbedenklich“. Dazu führt er aus: „Spielformen, Zweikämpfe, also ein ganz normales Mannschaftstraining sind problemlos möglich. Kleingruppen und Training streng auf Abstand ergeben keinen Sinn. Für das grundsätzliche Verständnis ist wichtig: Ansteckungen entstehen durch Aerosole, nicht durch Kontakte. An der frischen Luft verflüchtigen sich Aerosole sehr schnell, die nötige Konzentration für eine Ansteckung wird dadurch nicht erreicht.“ Das gilt natürlich nicht nur für den Fußball. Dr. Gerhard Scheuch rät: „Vergesst die Angst. Das Risiko an der frischen Luft wird leider an vielen Stellen heillos überschätzt.“ Dr. Jürgen Hörstmann hebt die positiven Effekte der körperlichen Aktivität hervor: „Ohne Sport wird das Immunsystem geschwächt – aber das interessiert keinen.“

Fast die Hälfte der Großsportvereine hat zuletzt eigene Testzentren auf die Beine gestellt oder ihre Kommunen bei den Corona-Testungen unterstützt. Letzteres plant auch der TV Dinklage, wobei hier laut Hörstmann vonseiten des Landkreises einige bürokratische Hürden bestehen. Man möchte dazu beitragen, dass mehr Terminzeiträume für Testungen zur Verfügung gestellt werden können.

Im nächsten Schritt könne man Öffnungen durch eine Teststrategie ermöglichen. Dem offenen Brief der Vereine sind auch zwei Modellkonzepte für den „Covid-0-Sportverein“ und „Testzentren in Sportvereinen“ beigefügt. Die Idee: Mit tagesaktuellen Tests könnten Sportler die Berechtigung erhalten, auf den Vereinsanlagen gemeinsam Sport zu treiben. Dasselbe Prinzip wurde in der Kulturbranche oder bei Zuschauerzulassungen im Fußball bereits genutzt. Mit der Luca-App könne man auch die Nachverfolgung sichern, betont der TVD-Vorsitzende. Statt Lockerungsperspektiven beschloss die Politik nun aber die Bundes-Notbremse. Der Frust in den Verbänden wächst weiter.

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Steffen Lünsmann.

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