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Neuer Trainer, altes Leid: Rasta Vechta verliert auch in Bayreuth

Bei der 79:95-Niederlage offenbarte der heimische Basketball-Bundesligist erneut große Probleme in der Defense. Ein Happy End im Abstiegskampf wird immer unwahrscheinlicher.

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Eng dran: Rastas Will Vorhees (rechts) gegen Bayreuths Oswalds Olisevicius. Foto: Peter Kolb

Eng dran: Rastas Will Vorhees (rechts) gegen Bayreuths Oswalds Olisevicius. Foto: Peter Kolb

Neuer Trainer, altes Leid: Rasta Vechta hat in der 1. Basketball-Bundesliga das nächste Spiel verloren. Das Kellerkind, das am Montag den bisherigen Coach Thomas Päch entlassen und Co-Trainer Derrick Allen zum neuen Chefcoach befördert hatte, unterlag am Samstagabend bei Medi Bayreuth mit 79:95 (35:58). Für Rasta, das auch unter neuer sportlicher Führung die gravierenden Probleme in der Defense nicht in den Griff bekam, war es die 22. Niederlage im 26. Spiel. Ein Happy End im Abstiegskampf wird damit immer unwahrscheinlicher, zumal Vechta durch den Gießener 95:94-Coup gegen Bayern München auf den letzten Platz zurückfiel. Rastas Topscorer in Bayreuth waren Edgar Sosa und Jesse Hunt mit jeweils 15 Punkten, gefolgt von Philipp Herkenhoff, der bei seinem Comeback nach über dreimonatiger Zwangspause auf elf Punkte kam. Das Spiel und seine Etappen:

Das Personal, Teil eins: Kann Dennis Clifford spielen oder nicht? Das war bei Rasta die große Frage vor der Partie. Der Center hatte unter der Woche erneut mit Folgen seiner Schädelprellung zu kämpfen. Und die Antwort auf die Eingangsfrage? Nein, Clifford konnte nicht spielen. Eine schlechte Nachricht für Rasta, da die Bayreuther eine starke Big-Men-Garde an den Start bringen, bestehend aus Dererk Pardon (11,1 Punkte pro Partie), Matt Tiby (10,4), Nationalspieler Andreas Seiferth (9,2) und Oswalds Olisevicius (14,7). Rasta musste zudem erneut auf Jean Salumu verzichten. 

Das Personal, Teil zwei: Die Bayreuther, die vor ihrer jüngsten Niederlage in Ludwigsburg (92:97) viermal in Serie gewonnen und damit alle Abstiegssorgen vertrieben hatten, traten in Bestbesetzung an. Und vom Coach gab's noch eine Warnung mit Blick auf Rasta Vechta.  "Sie haben nichts mehr zu verlieren und werden noch einmal alles auf eine Karte setzen. Das macht sie zu einem äußerst gefährlichen Gegner", sagte Raoul Korner vor der Partie über das Team von Derrick Allen, der 2014/15 Korners Spieler in Braunschweig war.

Sein erster Auftritt als Cheftrainer: Derrick Allen. Foto: Peter KolbSein erster Auftritt als Cheftrainer: Derrick Allen. Foto: Peter Kolb

Das 1. Viertel: Die Allen-Ära bei Rasta begann mit einem Fehlstart. 0:7 - nach nur 1:58 Minuten nahm Vechtas neuer Coach seine erste Auszeit. Danach wurde es etwas besser, vier Dreier von Robin Christen (zum 3:7), Jesse Hunt (zum 10:11 und 13:14) und Edgar Sosa (zum 16:17) hielten den Tabellenvorletzten im Spiel. Und: Philipp Herkenhoff feierte Mitte des ersten Viertels sein Comeback. Der 21-Jährige, der zuletzt am 27. Dezember gegen Crailsheim gespielt hatte, sorgte per Dreier zum 19:21 und Korbleger zum 21:21 dafür, dass auch Korner seine erste Auszeit nahm. Aus dieser kam Bayreuth stark raus und zog mit einer 8:0-Serie auf 29:21 weg. Für den Schlusspunkt im ersten Viertel sorgte Rastas Kapitän Josh Young per Dreier zum 24:29. Aber: Schon wieder 29 Gegenpunkte - eine schlechte Defense, das alte Leid. 

Das 2. Viertel: Zu den Problemen in der Defense gesellte sich bei Rasta jetzt auch noch eine Ladehemmung in der Offense. War die Dreier-Quote im ersten Viertel noch sehr stark (6/10), so war sie im zweiten Abschnitt schlecht (0/5). Folge: Bayreuth drückte aufs Tempo und setzte sich immer weiter ab. 26:37, 28:45, 30:47, 34:53 - Rasta fiel deutlich zurück und fand keine Mittel, die Gastgeber zu stoppen. Auch zwei weitere Auszeiten von Allen verpufften wirkungslos. Vechta war in der Defense offen wie ein Scheunentor. Zur Pause waren es wieder 58 Gegenpunkte - und der Rückstand betrug bereits 23 Punkte (35:58). 

Die Statistik zur Pause: Bayreuth, bei der Zweier-Quote ohnehin das zweitbeste Team der Liga, hatte in allen Bereichen Top-Werte. 12/16 Zweier, 8/12 Dreier, 10/10 Freiwürfe - überragende Bilanzen, mit freundlicher Unterstützung der fahrigen Rasta-Defense. Topscorer der ersten Halbzeit waren die Bayreuther Dererk Pardon und Bastian Doreth sowie Rastas Edgar Sosa mit jeweils neun Punkten.

Die Reaktion zur Pause: Dennis Clifford, zum sechsten Mal in dieser Saison nur Zuschauer, sagte: "Es ist nicht gut genug, vor allem in der Defense. Wir müssen es Bayreuth schwerer machen. 58 Punkte - das ist einfach zu viel. Unser Ziel war es, den Gegner unter 20 Punkte pro Viertel zu halten - davon sind wir weit entfernt."

Das 3. Viertel: Schafft Rasta Vechta noch eine Aufholjagd? Das Bemühen war da, aber es fehlten schlichtweg die Mittel. Beim 43:72 lag Rasta mit 29 Punkten zurück. Danach schaltete Medi Bayreuth in den Verwaltungsmodus, verbunden mit einigen Nachlässigkeiten. Folge: Rasta konnte durch Punkte von Jesse Hunt, Jordan Barnett, Jannes Hundt und Björn Rohwer auf 58:77 verkürzen - mit diesem Ergebnis ging es ins Schlussviertel. Ach ja: Der dritte Abschnitt ging mit 23:19 an Vechta.

Das 4. Viertel: Rasta erhöhte noch mal die Aggressivität in der Defense und kassierte dreieinhalb Minuten keinen Korb. Aber: Vechta machte daraus in der Offense viel zu wenig - es stand lange 61:77. Bayreuth legte dann irgendwann die Ladehemmung ab, ein Zwischenspurt zum 85:63 reichte dem Ex-Meister (1989), um wieder für klarere Verhältnisse zu sorgen. Bayreuth, seit 2010 zurück in der BBL, hatte wieder alles im Griff und steuerte einem lockeren Sieg entgegen, mit dem man die kleine Chance auf die Playoffs wahrte. 

Die Reaktionen nach dem Spiel: „Ich glaube, dass wir im ersten Viertel ganz okay gespielt haben. Leider haben wir 29 Punkte zugelassen, was einfach zu viel ist", sagte Allen. Und weiter: "Im zweiten Viertel war es dann ganz schlimm für uns, denn wir konnten Bayreuth einfach nicht stoppen. Genau daran hatten wir in dieser Woche gearbeitet und ich dachte, wir hätten uns hier auch verbessert." Das Aufbäumen nach dem Seitenwechsel kommentierte der 40 Jahre alte Päch-Nachfolger so: "Wir haben im letzten Viertel zwar noch einmal dagegengehalten, aber Basketball ist nun mal ein Spiel über 40 Minuten." 

Bayreuths  Coach Raoul Korner freute sich über den fünften Sieg in den letzten sechs Spielen. "Wir haben in der ersten Halbzeit und besonders im zweiten Viertel die Zügel angezogen und hier das Spiel auch auf Eis gelegt", sagte der Österreicher. Dass Rasta die Viertel drei und vier gewann, nahm er gelassen zur Kenntnis: "Ich hätte mir im dritten und auch im vierten Viertel ein wenig mehr Fokus gewünscht, aber letztendlich kann man dem Team auch nicht vorwerfen, dass - wenn jeder weiß, dass das Spiel vorbei ist - man den ein oder anderen Prozentpunkt an Fokus verliert. Ich bin froh, dass wir eine große Rotation spielen konnten und niemand mehr als 24 Minuten spielen musste, was uns bei dem harten Restprogramm noch helfen kann.“

Der Ausblick: Für Rasta geht's am kommenden Mittwoch (7. April, 19.00 Uhr) gegen die Hamburg Towers mit Ex-Coach Pedro Calles weiter. Der Mitteldeutsche BC, der große Konkurrent um Platz 16, spielt erst am Ostermontag gegen Chemnitz. 


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Medi Bayreuth - Rasta Vechta 95:79 (58:35)

  • Viertel: 29:24, 29:11, 19:23, 18:21
  • Punkte Bayreuth: Dererk Pardon (20), Oswalds Olisevicius (14), Andreas Seiferth (13), Lazeric Jones (12), Philip Jalapoor (10), Bastian Doreth (9), Frank Bartley (6), Matt Tiby (5), David Walker (4), Nico Wenzl (2). 
  • Punkte Vechta: Edgar Sosa, Jesse Hunt (je 15), Philipp Herkenhoff (11), Jordan Barnett (8), Jannes Hundt (7), Will Vorhees (6), Robin Christen, Björn Rohwer (je 5), Stefan Peno (4), Josh Young (3).

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