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Nach Grill-Abenden zurück im Turnierzirkus

Die Geschwister Laura und Enno Klaphake sprechen über die Reitsport-Zwangspause, das Training mit einer Legende und ihre Pläne für die Zukunft.

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Gemeinsam im Springsport unterwegs: Laura Klaphake und ihr jüngerer Bruder Enno. Foto: equitaris.de / Becker

Gemeinsam im Springsport unterwegs: Laura Klaphake und ihr jüngerer Bruder Enno. Foto: equitaris.de / Becker

„Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach' Limonade draus.“ Der Spruch steht in jedem Motivationskalender. Und wenn dir das Leben eine Pandemie gibt? Viele suchen immer noch nach einer Antwort auf diese Frage. Laura und Enno Klaphake haben ihre Lösung dagegen gefunden: Mach' das Beste draus. Das hieß im Falle der Mühlener Geschwister: Wenn es keine Reitturniere gibt, kann man die Zeit fürs Training nutzen. Und so verbrachten die Springreiter in der turnierfreien Phase zwischen März und Juni viel Zeit mit Doppelolympiasieger Franke Sloothaak. Und natürlich mit ihren Pferden.

Für Laura Klaphake rückte aber auch noch ein weiteres Projekt in den Fokus: Die 26-Jährige hat sich nach Abschluss ihres Masterstudiums im Bereich der Immobilienentwicklung selbstständig gemacht. „Das hat für mich Priorität“, sagt sie, „und Pferde sind meine Leidenschaft“. Sie spricht über ihre Vierbeiner so wie über gute Freunde. Top-Pferd Bantou Balou (11), mit dem sie im letzten Jahr einige Fünf-Sterne-Prüfungen geritten ist, sei bis März „mega gut drauf“ gewesen. Corona und eine Prellung im Huf bremsten ihn zuletzt aus, jetzt arbeitet er sich zurück.

Im März hatten sich Laura und Enno Klaphake, die in der Regel mit ihren Eltern Gaby und Josef trainieren, in Spanien auf die Saison vorbereitet. Dann mussten sie ihre Zelte abbrechen und nach Mühlen zurückkehren. Corona-Pause. „Wir hatten schöne Familien-Abende, haben viel gegrillt“, berichtet Laura. Da auch Bruder Felix aus Amsterdam zurückgekommen war, war Familie Klaphake vollzählig.

Starkes Duo: Laura Klaphake und Bantou Balou beim CHIO in Aachen im vergangenen Jahr. Foto: dpaVennenbernd Starkes Duo: Laura Klaphake und Bantou Balou beim CHIO in Aachen im vergangenen Jahr. Foto: dpa/Vennenbernd 

Nach knapp drei Monaten ging es im Juni mit Turnieren weiter. Hier trat die deutsche Meisterin von 2017, die 2018 mit dem deutschen Team den Nationenpreis in Aachen und Bronze bei den Weltreiterspielen in Tryon gewann, mit anderen Pferden an. Wie etwa dem neunjährigen Davenport. „Er wächst rein in den großen Sport“, erzählt sie, während sie auf Camalita (11) sitzt und sich auf ein Turnier in Mühlen vorbereitet.

Die Hoffnung ist, irgendwann wieder ähnliche Erfolge wie mit ihrem ehemaligen Erfolgspferd Catch me if you can feiern zu können. Aber das sei ein langer Weg, und „erzwingen kann man sowieso nichts“. Nachdem „Catch me“ Ende 2018 verkauft wurde, begann ein neues Kapitel.

Seit Frühjahr 2019 reitet Laura Klaphake Davenport. „Er macht das richtig toll, da habe ich Hoffnungen“, sagt sie. Mit ihm war sie unter anderem kürzlich beim CSI3* in Aachen am Start. Ohnehin ist sie aktuell fast durchgehend im Einsatz. Am letzten Wochenende gab es beim CSI2* in Herzlake einen starken dritten Platz auf Camalita. Und am Dienstag folgte in einer Nachwuchspferde-Prüfung in Mühlen noch ein Sieg auf Conita Blue (6).

Als größere Highlights stehen im November ein Nationenpreisturnier in Portugal mit dem deutschen Team und anschließend einige Prüfungen auf der Sunshine Tour in Spanien an. Immer im Einsatz, immer unterwegs. In dieser Hinsicht nähern sich die Klaphake-Geschwister wieder der Zeit vor Corona an. „Wir kennen das ja gar nicht anders“, meint Laura.

Und auch ihr Bruder Enno ist heilfroh, wieder Turnierpraxis sammeln zu können. Es gab 2020 aber auch einige Rückschläge. So wurde die Jugend-Europameisterschaft in diesem Jahr abgesagt. „Da hätte ich eine realistische Chance gehabt, dabei zu sein“, sagt der junge Reiter. Corona nahm ihm diese Chance – es war auch noch die letzte: Im nächsten Jahr darf der 1999er Jahrgang nicht mehr starten. Enno Klaphake wurde genau an Silvester vor der Jahrtausendwende geboren, er ist also ein paar Stunden zu alt für eine weitere Teilnahme an der Jugend-EM.

Nach dem Sturz richtet Enno Klaphake den Blick nach vorne

Die deutsche Jugendmeisterschaft fand dagegen statt (siehe unten). Hier hatte Enno Klaphake – im Vorjahr noch Vizemeister bei den Jungen Reitern – nach zwei guten Wertungsläufen Pech. „Es gab eine kleine Unstimmigkeit zwischen mir und meinem Pferd“, erzählt er. „Und dann bin ich runtergeflogen.“ Dass ein so seltenes Missgeschick ihm und seinem Top-Pferd Urus (15) ausgerechnet bei einer DM passiert ist, hat den 21-Jährigen schon gewurmt, „aber wir schauen nach vorne“. Aufstehen, weitermachen.

Seit Juni ist der Mühlener gefühlt im Dauereinsatz, er war unter anderem auf vier größeren internationalen und drei großen nationalen Turnieren. Die Bilanz nennt er „sehr zufriedenstellend“. Drei Siege waren auch dabei: zweimal in Mühlen und einmal in Wohlde. Enno Klaphakes Ziel ist es, das gute Niveau zu halten und weiter auf Events wie dem CSI-Turnier in Valkenswaard (NED) teilzunehmen. Da, wo auch die ganz großen Namen in der Teilnehmerliste auftauchen.

„Es macht einfach immer noch richtig Spaß“, sagt der Springreiter. Er ist glücklich, dass sein Arbeitgeber Big Dutchman, wo er seit August eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert, ihn unterstützt. „Die Zusammenarbeit klappt spitze.“ In der nahenden Hallensaison will er das Pensum aber ein wenig runterfahren und nicht jedes Turnier reiten. Die Zwangspause hat ihn gelehrt: Auch ohne Wettkämpfe kann man sich weiterentwickeln. Im Motivationskalender würde stehen: Wenn das Leben dir eine Corona-Pause gibt, mach' eine Trainingsphase mit einer Springreit-Legende draus.

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