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Nach drei Jahren beginnt für Madita Kohorst ein neues Kapitel

Die Dinklager Handball-Torfrau lässt Metzingen hinter sich und freut sich auf Borussia Dortmund. Die Bilanz ihrer Zeit in Baden-Württemberg fällt durchwachsen aus.

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Es zieht sie wieder nordwärts: Die Dinklager Handballtorfrau Madita Kohorst spielt künftig für den Deutschen Meister Borussia Dortmund. Fotos: Gunar Fritzsche

Es zieht sie wieder nordwärts: Die Dinklager Handballtorfrau Madita Kohorst spielt künftig für den Deutschen Meister Borussia Dortmund. Fotos: Gunar Fritzsche

Die Umzugskisten sind gepackt, an diesem Wochenende geht das Kapitel Metzingen zu Ende für Madita Kohorst. Drei Jahre lang war die Dinklager Handball-Torfrau für den Bundesligisten TuS Metzingen aktiv. Jetzt bricht sie ihre Zelte in der Kleinstadt am Fuße der Schwäbischen Alb ab. Zur neuen Saison wechselt sie zum Deutschen Meister Borussia Dortmund. Ein Abschied mit gemischten Gefühlen.

„Ich habe hier unglaublich viele coole Menschen kennengelernt und wirklich gute Freunde gefunden“, sagt sie: „Ich bereue nicht, hierher gekommen zu sein.“ Auch kulinarisch haben die drei Jahre Spuren hinterlassen. „Ich bin schon ein bisschen zur Schwäbin geworden. Ich esse vor dem Spiel immer Maultaschen“, erzählt sie lachend.

Sportlich fällt der Blick zurück kritischer aus. Schon ihr Wechsel vom VfL Oldenburg zu den „TusSies“ im Jahr 2018 stand unter keinem guten Stern. Noch vor ihrem Dienstantritt zog sie sich einen Kreuzbandriss zu. Erst Ende des Jahres 2018 konnte sie ihr erstes Spiel für die TuS bestreiten. Auf eine ganz starke Saison 2019/20, die im März 2020 coronabedingt abgebrochen wurde, folgte für die Dinklagerin schließlich eine sehr durchwachsene Spielzeit 2020/21.

„Nach der Corona-Pause war das Vertrauen irgendwie weg“, sagt sie. Metzingens Trainerin Edina Rott, die im Sommer 2019 André Fuhr abgelöst hatte, setzte im Tor verstärkt auf Nicole Roth. Die Gründe konnte Madita Kohorst nicht immer nachvollziehen. Im Spiel bei ihrem Ex-Klub Oldenburg saß sie gleich zum Saisonauftakt fast 60 Minuten auf der Bank. „Ein anderes Mal hatte ich in einem Spiel 42 Prozent gehaltene Bälle und war im nächsten Spiel trotzdem wieder draußen“, berichtet sie.

Nachdem sie dann Anfang des Jahres ihren Wechsel nach Dortmund angekündigt hatte, „war es ganz vorbei“, berichtet Madita Kohorst. Sprich: Nun war sie die klare Nummer zwei. „Es ist hier schon ein bisschen so, dass es einem persönlich genommen wird, wenn man weggeht“, sagt sie. Dennoch kehren nun gleich sechs Spielerinnen dem Klub den Rücken. Neben Madita Kohorst verlassen auch Bo van Wetering (Odense), Dorina Korsos (Debrecen), Laetitia Quist (Blomberg), Tamara Haggerty (Sävehof) und Anika Niederwieser (Thüringer HC) die Pink Ladies.

Unterm Strich fasst Madita Kohorst ihre Zeit in Metzingen so zusammen: „Wenn man das letzte halbe Jahr abzieht, war es nicht so schlecht.“ Und auch das Ende fiel versöhnlich aus. Durch einen 31:19-Sieg in Bensheim sicherte sich Metzingen Platz drei und damit einen Platz im Europapokal. Madita Kohorst bekam zum Abschluss 24 Minuten Spielzeit und wehrte unter anderem zwei Siebenmeter ab.

Sie freut sich auf Trainer André Fuhr - auch wenn sie weiß, dass das Training anstrengend wird

Madita Kohorst freut sich jetzt auf Dortmund. „Wenn der Deutsche Meister anfragt, ist das natürlich verlockend“, sagt die 24-Jährige. Und sie freut sich auch darauf, wieder mit Trainer André Fuhr zu arbeiten – obwohl sie weiß, dass das anstrengend wird. „Er legt sehr viel Wert auf Athletik“, sagt sie: „Ich weiß, dass ich in jedem Training an meine Grenzen stoßen werde. Aber ich habe richtig Bock, nach dem Training wieder das Gefühl zu haben, was geschafft zu haben.“ Der 50-Jährige helfe Spielerinnen zudem, individuelle Schwächen zu erkennen und daran zu arbeiten. Den traditionellen Triathlon, den Fuhr seine Teams in der Vorbereitung absolvieren lässt, nimmt sie dafür gerne in Kauf. Immerhin lässt sie die anstrengenden Berge mit ihrem Umzug hinter sich. „Das ist sehr schön, um da Urlaub zu machen, aber zum Laufen nicht unbedingt“, sagt sie. Dass es auch im Ruhrgebiet einige Erhebungen gibt, ist ihr allerdings bewusst: „Und ich bin mir sicher, dass André die auch finden wird.“

Zeit zu gehen: Madita Kohorst mit Tamara Haggerty, die Metzingen ebenfalls verlässt.Zeit zu gehen: Madita Kohorst mit Tamara Haggerty, die Metzingen ebenfalls verlässt.

Den Platz im Tor wird sich die Dinklagerin beim BVB voraussichtlich mit der jungen Niederländerin Yara Ten Holte (21) teilen. „Ich glaube, das könnte passen, denn wir sind sehr unterschiedliche Spielertypen. Sie ist eher klein und aktiv. Ich bin groß, mache mehr über das Stellungsspiel und langes Warten.“ Ergänzt werden soll das Duo noch durch eine Nachwuchstorfrau.

Dass es nicht leicht wird, den Meistertitel zu verteidigen, ist Madita Kohorst klar. „Natürlich will jeder den Meister schlagen“, sagt sie. Topfavorit auf den Titel ist für sie die SG Bietigheim, die sich unter anderem mit den bisherigen BVB-Stützen und niederländischen Nationalspielerinnen Kelly Dulfer und Inger Smits sowie Jenny Behrend vom VfL Oldenburg verstärkt hat.

Madita Kohorst freut sich darauf, mit dem BVB in der Champions League spielen zu können. Dass es auch die Dortmunder Fußballer in die Champions League geschafft haben, hat sie – obwohl Werder-Fan – ebenfalls erfreut registriert: „Es ist ja kein Geheimnis, dass dadurch mehr Geld da ist im Verein.“

Ihre neue Wohnung kennt sie bis jetzt nur von Fotos 

Auch privat ändert sich für Madita Kohorst durch den Wechsel einiges. In ihrem Lehramtsstudium wechselt sie für ihren Master von Tübingen nach Bochum oder Münster. Vor allem aber freut sie sich, wieder näher an ihrer Heimat Wulfenau zu sein. „Statt sechs, sieben Stunden sind es dann nur noch zwei Stunden bis nach Hause. Da kann man auch an freien Tagen mal richtig abschalten“, sagt sie. Und auch bei Heimspielen hofft sie auf mehr Unterstützung als im fernen Baden-Württemberg: „Es ist wirklich so: Meine besten Spiele habe ich gemacht, wenn jemand aus der Familie auf der Tribüne saß.“

Eine Wohnung in Dortmund haben Madita Kohorst und ihr Freund Marius Wendeln schon gefunden. Am Phoenix-See im Stadtteil Hörde, wo einst auch Marco Reus und Mario Götze wohnten. Die Wohnung kennt Madita Kohorst bislang nur von Fotos. Coronabedingt kam sie noch nicht dazu, sie zu besichtigen. „Aber meine Eltern und mein Freund waren schon da“, erzählt sie. Nach dem Umzug geht es erst mal nach Hause zur Familie. Am 12. Juli beginnt dann mit der Leistungsdiagnostik das Kapitel BVB. Eine Woche später startet die Vorbereitung.

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