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Nach dem Zitterspiel kehrt die Zuversicht zurück

EM-Umfrage bei heimischen Sportlern nach dem Ungarn-Spiel: Es gibt Kritik am Auftritt und Vorschläge für Korrekturen.

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Geschafft! Manuel Neuer und Leon Goretzka nach dem Abpfiff des Ungarn-Spiels. Foto: dpa / Balk

Geschafft! Manuel Neuer und Leon Goretzka nach dem Abpfiff des Ungarn-Spiels. Foto: dpa / Balk

Deutschland hat bei der Fußball-EM das Achtelfinale so gerade eben noch erreicht. Wo steht die Mannschaft von Bundestrainer Jogi Löw im Turnier nach dem Abschluss der Gruppenphase? Was sind die Problemzonen? Wie geht es weiter? Heimische Sportlerr haben sich bei unserer OM-Medien-Umfrage dazu geäußert.

David Riesner (Trainer SFN Vechta, Fußball-Bezirksliga): „Ich fand das 2:2 glücklich, weil es sehr spät war. Wir tun uns schwer damit, hinter die Ketten zu kommen, spielen uns keine klare Chancen heraus. Wir spielen auch mit einem starren System über 90 Minuten, vielleicht muss man das mal ändern. Es läuft viel über Ginter, der in der Spieleröffnung nicht so stark ist. Insgesamt war es mit Ausnahme der starken Phasen gegen Portugal bislang nicht so überragend. Wir brauchen zwei, drei Änderungen. Auf jeden Fall würde ich Goretzka bringen, weil Gündogan und Kroos im Zentrum von der Spielweise fast gleich sind. Ein Problem ist auch, das uns ein klassischer Mittelstürmer fehlt. Ich würde Volland spielen lassen und Gnabry auf der Position von Sane. Gegen England wird es ein anderes Spiel – das schaffen wir noch.“

Maik Koopmann (Cotrainer SV Altenoythe, Fußball-Bezirksliga): „Die Leistung war natürlich nicht gut, da hatte ich doch wesentlich mehr erwartet. Gegen eine defensive Mannschaft wie Ungarn hätte ich mir zudem eine andere taktische Ausrichtung gewünscht: Hinten eine Vierer- statt einer Fünferkette und einen zusätzlichen Stürmer. Die Gegentore waren natürlich reine Geschenke. Mit einer solchen Leistung wird es gegen England sicher schwer. Allerdings haben die Engländer auch noch nicht überzeugt. Hoffnung macht mir, dass uns solche Mannschaften eigentlich besser liegen. Ich bin also optimistisch, dass Deutschland eine Runde weiterkommt."

Andreas Hinrichs (Künftig Trainer GW Mühlen, Fußball-Landesliga): „Das Spiel mit einem Wort: wild! Am Ende war ich erleichtert, dass es zum Weiterkommen gereicht hat. Aber wegen der mangelnden Kreativität im Angriff und der Anfälligkeit in der Abwehr muss man sich Sorgen machen. Ich würde als Bundestrainer auf Viererkette umstellen. Ein Problem ist auch, dass wir kaum Spieler haben, die sich im „Eins gegen eins“ durchsetzen. Musiala kann das, deswegen würde ich ihn auf jeden Fall drinlassen. Ich glaube, dass es gegen England ein offenes Spiel wird, das wir gewinnen können. Auf jeden Fall würde es uns helfen, wenn Goretzka von Beginn an spielen könnte. Ich würde so aufstellen: Neuer - Kimmich, Hummels, Rüdiger Gosens - Goretzka, Kroos - Gnabry, Müller, Musiala - Havertz.“

Josef Laudenbach (Schiedsrichteransetzer im Fußball-Kreis Cloppenburg): „Ich wollte schon umschalten zu einem Tierfilm im dritten Programm. Aber Spaß beiseite: Deutschland ist letztlich glücklich weitergekommen, weil die Ungarn in den letzten zehn Minuten auch ziemlich platt waren. Bei uns fehlte im Angriff jegliche Durchschlagskraft und die Abwehr wackelte bedenklich. Dass Deutschland nach dem 1:1-Ausgleich nur wenige Sekunden später ein Gegentor kassiert, geht gar nicht. In einem K.o.-Spiel wie jetzt gegen England ist alles möglich. Allerdings wird es mit einer Leistung wie gegen Ungarn auf keinen Fall reichen.“

Yilmaz Karatas (Spielertrainer SC Bakum II, 1. Fußball-Kreisklasse): „Ich bin Fan der deutschen Mannschaft, aber was sie bisher im Turnier gezeigt hat, war das Schwächste in den letzten Europa- oder Weltmeisterschaften. Wir brauchen wirklich frischen Wind durch einen neuen Bundestrainer. Ungarn war doch früher ein schlagbarer Gegner, jetzt hätten sie es verdient gehabt, zu gewinnen und weiterzukommen. Wir haben ja schon in der Qualifikation nicht überragend gespielt. Trotzdem sehe ich für das England-Spiel nicht schwarz, das wird ausgeglichen sein. Und wenn wir da durchkommen, können wir auch das Viertelfinale überstehen. Bei Musiala konnte man sehen: Der will. Das 2:2 hat er super vorbereitet. Dafür ist Gosens nach dem guten Portugal-Spiel untergetaucht. Gerne habe ich mir bisher die Italiener angesehen, ich bin auch immer Italien-Fan gewesen. Auch die Dänen und die Spanier haben mir zuletzt gut gefallen.“

Daniel Rolfes (Oberliga-Tennisspieler beim TC Nikolausdorf-Garrel): „Das deutsche Team hat einen Marktwert von über einer Milliarde, Ungarn etwa 75 Millionen. Da muss man mehr erwarten. Viel Ballbesitz, aber es passierte fast gar nichts. Die hatten die Ruhe weg. Nach einem solchen Spiel, träge und langsam, hatte es Deutschland eigentlich nicht verdient weiterzukommen. Viele Auswechselungen und der erschreckend schwache Sané bleibt auf dem Platz: Für mich unverständlich. Was das Spiel in England betrifft: Das Potenzial ist sicher da, aber da muss eine andere Aufstellung und vor allem eine ganz andere Körpersprache her.“

Peter Siemer (Trainer BW Langförden, Fußball-Kreisliga): „Es war sicher kein gutes Spiel von uns. Aber so eins hast du in einem Turnier immer mal dabei. So wie beispielsweise 2014 gegen Algerien, auch wenn das kein Gruppenspiel war. Also ich war happy, dass wir es jetzt geschafft haben. Und ich bin froh, dass wir im Achtelfinale nicht die Schweiz, sondern die eher behäbigen Engländer kriegen. Ich bin auch insgesamt sehr positiv gestimmt. Hummels und Müller ziehen die ganze Mannschaft mit, Löw wirkt sehr fokussiert. Ich würde jetzt Goretzka von Anfang an bringen und Sane rauslassen; so wie er gespielt hat, kann man ihn nicht bringen. Ich halte das Erreichen des Finales für möglich, weil ich keine Übermannschaft sehe. Auch die Italiener nicht, die haben Geschwindigkeitsprobleme.“

Joachim Hochartz (Initiator des Förderkonzepts im NFV-Kreis Cloppenburg): „Ganz schnell abhaken. Deutschland war nicht gut, aber wir sind eine Runde weiter. Es sind immer wieder dieselben Probleme, aber die werden wir in der Ära Löw wohl nicht mehr in den Griff bekommen. Es fehlt an Doppelpässen, Hinterlaufen und Schüssen aus der zweiten Reihe. Die schienen gegen Ungarn ja verboten gewesen zu sein. Die Gegentore nur auf die Abwehr zu schieben, ist mir zu einfach. Sie sind gefallen, weil wir im Mittelfeld keinen Zugriff hatten. Gegen England wird es ein ganz anderes Spiel, denn die haben bisher auch nicht gerade geglänzt. Da haben wir sicher gute Karten und deshalb bin ich optimistisch. Wir werden gewinnen..."

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