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Nach dem Stotterstart läuft's wieder rund

Fußball-Torjäger Simon Engelmann aus Visbek ist mit dem Regionalliga-Spitzenreiter RW Essen in die Rückrunden-Vorbereitung gestartet. Sein Traum von der 3. Liga lebt.

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Volles Haus an der Hafenstraße: Im Herbst konnte Simon Engelmann (links), hier gegen Oberhausens Jerome Propheter, endlich die Atmosphäre im RWE-Stadion genießen. Foto: Eibner / Kohring

Volles Haus an der Hafenstraße: Im Herbst konnte Simon Engelmann (links), hier gegen Oberhausens Jerome Propheter, endlich die Atmosphäre im RWE-Stadion genießen. Foto: Eibner / Kohring

Die Verschnaufpause rund um die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel war kurz, verdammt kurz sogar. Zwischen dem letzten Regionalliga-Auftritt 2021 in Straelen und dem Trainingsauftakt am Montag lagen gerade einmal gut zwei Wochen. Klar, ein paar freie Tage mehr wären schön gewesen, aber Simon Engelmann ist weit davon entfernt, ein Klagelied anzustimmen. Im Gegenteil. „Mir geht's gut. Alle in der Familie sind gesund, das ist ja das Wichtigste. Und sportlich läuft's auch“, sagt der 32 Jahre alte Fußballer aus Visbek.

In der Tat, sportlich läuft's sehr gut. Mit RW Essen liegt der Torjäger auf Platz eins der Regionalliga West. Dass es an der Hafenstraße frohe Weihnachten gab, lag auch am Jahresabschluss. 1:0 in Straelen, Platz eins verteidigt. Der Torschütze am Niederrhein nahe der niederländischen Grenze? Natürlich Engelmann. Mit seinem 13. Saisontor, erzielt unmittelbar vor dem Pausenpfiff, bescherte er RWE den 14. Sieg. Und für den Goalgetter, der zum fünften Mal in dieser Serie das 1:0 für sein Team erzielte, war es das letzte Hochgefühl in einer zweigeteilten Hinserie.

Der erste Teil seiner zwölften Saison in der Regionalliga West war so lala. „Ich hatte ein paar Anlaufschwierigkeiten“, gibt er offen zu: „Ich hab' ein bisschen gebraucht.“ In den ersten neun Partien traf Engelmann lediglich zweimal. „Ich hab' ein paar dicke Dinger vergeben. Ein-, zweimal hab' ich zwar getroffen, aber es war dann Abseits. Und dann kommt irgendwann der Kopf dazu“, sagt Engelmann. Aber: Das Team feierte diverse Siege, „also alles halb so wild“.

Ungewohnte Situation: Simon Engelmann muss auf der Bank Platz nehmen - viermal stand er nicht in der Startformation von RW Essen. Foto: Eibner  KohringUngewohnte Situation: Simon Engelmann muss auf der Bank Platz nehmen - viermal stand er nicht in der Startformation von RW Essen. Foto: Eibner / Kohring

Im zehnten Spiel, beim 11:0-Schützenfest beim KFC Uerdingen, kehrte die Leichtigkeit zurück. „Da ist der Knoten geplatzt“, so Engelmann über den Dreierpack, dem er acht weitere Treffer bis Weihnachten folgen ließ. Inzwischen ist der Visbeker auch wieder die Nummer eins der Torschützenliste, zusammen mit Florian Dietz vom 1. FC Köln II. Engelmann winkt die dritte Torjägerkrone in der West-Staffel in Serie – nach 2019/20 für den SV Rödinghausen (26 Tore) und 2020/21 für Essen (29).

Aber es gab halt auch ein paar Momente, die nicht so schön waren, die ungewohnt waren. Relativ frühe Auswechslungen zum Beispiel. Oder ein Platz auf der Bank statt in der Startelf, viermal kam das vor. In der Vorsaison hatte Engelmann in allen 40 Spielen in der Anfangsformation von Trainer Christian Neidhart gestanden. „Klar ist das nicht schön, wenn man erst zugucken muss. Und ich weiß auch, dass ich in solchen Momenten nicht gerade die angenehmste Person bin. Aber alles in Ordnung. Wir waren erfolgreich, nur das zählt“, erklärt Engelmann.

In Zlatko Janjic hatte Essen im Sommer einen weiteren Angreifer verpflichtet. Der 35 Jahre alte Bosnier, früher für Bielefeld, Aue und Duisburg in der 2. Bundesliga aktiv, kam vom Liga-Gefährten SC Verl, für den Janjic in der Vorsaison 14 Treffer und neun Torvorlagen verbucht hatte. „Ein super Stürmer“, sagt Engelmann über seinen neuen Kollegen, der bislang fünfmal getroffen hat. Zusammen sollen sie den Kultklub zum ersehnten Aufstieg in die 3. Liga ballern, nachdem es in der Vorsaison trotz der überragenden Ausbeute von 90 Punkten nur zur Vizemeisterschaft hinter Borussia Dortmund II (93) gereicht hatte.

„Diesmal gibt es keine Übermannschaft wie den BVB“, sagt Engelmann. An der Tabellenspitze sei alles „noch ausgeglichener und enger“. Der Wuppertaler SV, Preußen Münster und Fortuna Köln hängen dem Liga-Primus im Nacken. Wuppertal (H/23.1.) und Köln (A/29.1.) sind übrigens die ersten RWE-Gegner nach der kurzen Winterpause. „Wenn wir unser Ding durchziehen, haben wir gute Karten“, erklärt Engelmann, der inzwischen 340 Spiele in der 4. Liga absolviert hat (162 Tore) und „endlich in die 3. Liga“ will. Die Ablenkung DFB-Pokal, die im Februar 2021 zwar viel Aufmerksamkeit und Geld gebracht, aber auch viel Kraft gekostet hat, gibt's diesmal nicht. Voller Fokus auf die Liga.

Vertrag läuft aus, verlängert sich aber beim Aufstieg

Für Montag ist der Abflug ins einwöchige Trainingslager nach Belek in der Türkei geplant, vorher steht der erste Test gegen Drittligist SV Meppen (Samstag, 16.00 Uhr) an. Essen sucht noch einen neuen Sechser, nachdem Kapitän Dennis Grote im Dezember freigestellt wurde – eine Maßnahme, die nach wie vor gilt. Dem 35 Jahre alten Fixpunkt im RWE-Spiel liegt ein Angebot von Preußen Münster vor, Essen lehnt einen Wechsel in der Winterpause aber kategorisch ab und hat den Mittelfeldspieler erst mal ins Abseits befördert.

Und wie sieht die Zukunftsplanung von Engelmann aus? Der Zweijahresvertrag des Ex-Oythers in Essen endet im Sommer, verlängert sich im Fall des Aufstiegs aber automatisch. Engelmann, der im März 33 Jahre alt wird, sagt dazu: „Ich beschäftige mich nicht mit anderen Dingen. Ich will in die 3. Liga.“

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