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Möglicher Neustart sorgt für geteiltes Echo

Fußball: Die MT hat eine Umfrage zur Fortsetzung der Bundesliga-Saison gestartet. Eine Entscheidung dürfte an diesem Mittwoch fallen.

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<strong>Vor leeren Rängen:</strong> Sollte die Bundesliga-Saison fortgesetzt werden, dürften keine Zuschauer in die Stadien. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde Mitte März bereits die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach (weiße Trikots) und dem 1. FC Köln als Geisterspiel ausgetragen.Foto: Picture Alliance/Roland Weihrauch

Vor leeren Rängen: Sollte die Bundesliga-Saison fortgesetzt werden, dürften keine Zuschauer in die Stadien. Wegen der Coronavirus-Pandemie wurde Mitte März bereits die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach (weiße Trikots) und dem 1. FC Köln als Geisterspiel ausgetragen.Foto: Picture Alliance/Roland Weihrauch

Vermutlich werden Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer und diverse Gesundheitsexperten am morgigen Mittwoch entscheiden, ob, und wenn ja, wann die Saison in den beiden Fußball-Bundesligen fortgesetzt wird. Seit Mitte März ist die Spielzeit 2019/20 wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochen. Die Meinungen zu dem Thema gehen zum Teil weit auseinander. Die Mehrheit ist offenbar gegen eine Fortsetzung mit Geisterspielen. Die MT hat sich heimischen Fußball-Szene umgehört.

Wolfgang Steinbach (Trainer des Landesligisten
BV Cloppenburg): „Ich bin absolut dafür, dass es weitergeht. Die Deutsche Fußball-Liga wird die nötigen Vorkehrungen treffen. Wenn es bei den jeweiligen Gegnern keine Corona-Fälle gibt, kann doch gespielt werden. Es ist wichtig, dass die Leute von der ganzen Coronasache abgelenkt werden. Generell halte ich die aktuell getroffenen Maßnahmen und Vorschriften für überzogen. Ich denke, dass Frau Merkel schlecht beraten wird“, so Steinbach.

Eugen Gehlenborg (ehemaliger DFB-Vizepräsident): „Wenn die vorgelegte Konzeption der DFL eingehalten werden kann, sollte meiner Meinung nach der Spielbetrieb aufgenommen werden. Allerdings ist die Gesamtsituation in Deutschland zu betrachten und da hat die Gesundheit absoluten Vorrang. Der Fußball spricht aber große Teile der Bevölkerung an und kann für eine Ablenkung von den Problemen des Alltags sorgen. Ganz wichtig ist für mich, dass die Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werden.“

„Grundsätzlich wünsche ich mir natürlich, dass sportliche Aktivitäten wieder erlaubt werden."Dr. Franz Stuke, Vorsitzender des KSB Cloppenburg

Dr. Franz Stuke (Vorsitzender des KSB Cloppenburg): „Grundsätzlich wünsche ich mir natürlich, dass sportliche Aktivitäten wieder erlaubt werden. Aber bei mir gibt es ein lachendes und ein weinendes Auge. Es darf zu keiner Profilierung nur des Fußballs kommen, auch andere Sportarten sollten berücksichtigt werden. Als sozialer Aspekt wären Fußballspiele im Fernsehen, gerade auch für ältere Leute, schon wünschenswert.“

Professor Dr. Joachim Schrader (ehemaliger Klubchef beim BV Cloppenburg): „Ob die Bundesliga starten kann oder nicht, ist weniger ein medizinisches als ein gesellschaftliches Problem. Es liegt ein gut ausgearbeitetes Konzept vor. Klar ist doch, wenn eine Gruppe negativ getestet ist, kann sich keiner anstecken. Problematisch könnte es werden, wenn sich die Fans vor den Stadien treffen. Aus medizinischer Sicht wäre ein Start vertretbar, alles andere muss die Politik entscheiden.“

Timo Lübbe (Spieler des SV Bethen/1. Kreisklasse): „Zwar sehnt man sich danach, dass es endlich weitergeht und man Bundesliga-Spiele mit Freunden gucken kann, doch der Verstand sagt etwas anderes. Da ist zum einen das Ansteckungsrisiko bei den Fußballmannschaften. Zum anderen würden sich bestimmt größere Gruppen bilden, die die Spiele gemeinsamt im Fernsehen ansehen würden. Ich glaube aber, dass sich der Kommerz durchsetzen, die Politik klein beigeben und es bald wieder losgehen wird.“

Martin Sommer. Foto: WulfersMartin Sommer. Foto: Wulfers

Martin Sommer (Trainer des Bezirksligisten FC Lastrup): „Für die Fans wäre es schön, wenn es weiterginge. Daher hätte ich Verständnis, wenn die Saison in der Bundesliga fortgeführt würde. Aber es bliebe ein Beigeschmack. Wenn ich Möbel kaufen will, bin ich sehr eingeschränkt, aber die Bundesliga soll spielen können. Das ist schwierig. Ich sehe zudem das Problem, dass sich bei den Spielen Leute zusammenrotten, um die Begegnungen gemeinsam im Fernsehen zu verfolgen.“

Manfred Südbeck (stellvertretender Vorsitzender des Fußballkreises Cloppenburg): „Ich bin dafür, dass die 1. und 2. Bundesliga möglichst bald wieder starten. Ansonsten sind einige Vereine vom wirtschaftlichen Ruin betroffen und es hängen viele Arbeitsplätze am Profifußball. Die Klubs der ersten und zweiten Liga sind keine Vereine, sondern Wirtschaftsunternehmen.“

Rainer Hülskamp (aus dem Fußball-Vorstand des SV Emstek): „Auch wenn ich wie so viele fußballbegeistert bin, fände ich es unpassend, wenn die Bundesliga eine Sonderrolle einnehmen würde. Erst einmal sollte der normale Alltag wieder anlaufen. Dass zum Beispiel die Kindertagesstätten noch geschlossen sind, die Profifußballer aber wieder loslegen dürfen, fände ich nicht gerecht.“

Jacob Thien. Foto: WulfersJacob Thien. Foto: Wulfers

Jacob Thien (Kapitän des Bezirksligisten TuS Emstekerfeld): „Ich bin kein Fan davon, dass die Bundesliga bald wieder loslegt, auch wenn ich natürlich gerne wieder Spiele sehen würde. Meiner Meinung nach ist Bundesliga-Fußball nicht systemrelevant, wie von einigen behauptet wird. Auch das Argument, dass bei einem Saisonabbruch viele Arbeitsplätze bedroht wären, zieht für mich nicht. Das ist doch in vielen Branchen der Fall. Alles in allem finde ich, dass der Profifußball keine Sonderrolle einnehmen darf.“

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