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Mithalten reicht für Rasta nicht, Zählbares muss her

Philipp Herkenhoff ist nach der Verletzungspause zurück auf dem Parkett und sagt: „Wir brauchen ein Erfolgserlebnis.“

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Zurück nach Verletzungspause: Rastas Philipp Herkenhoff, hier in Ulm. Foto: nph / Hafner

Zurück nach Verletzungspause: Rastas Philipp Herkenhoff, hier in Ulm. Foto: nph / Hafner

Der leichte Muskelkater am Morgen danach hatte sich bereits Stunden zuvor angekündigt. „Ich bin schon kaputter als sonst“, sagte Philipp Herkenhoff am Sonntagabend nach seinem Saisondebüt in der Basketball-Bundesliga. 21:33 Minuten hatte der 21-Jährige bei der 73:74-Niederlage von Rasta Vechta beim bisherigen Spitzenreiter Ulm auf dem Feld gestanden. Eigentlich eine normale Spielzeit, eigentlich kein Grund für schwere Beine. Aber eine fast sechswöchige Wettkampfpause geht auch an einem jungen Basketball-Profi nicht spurlos vorbei. „Konditionell bin ich noch ein bisschen hinterher“, gibt Herkenhoff zu: „Aber mit jedem Spiel wird's mit Sicherheit besser.“ Da trifft es sich gut, dass Herkenhoff in dieser Woche zweimal ran muss. Rasta absolviert zwei Heimspiele binnen drei Tagen – am Mittwoch (19.00 Uhr) gegen Medi Bayreuth, am Freitag (18.30 Uhr) gegen die Telekom Baskets Bonn.

Herkenhoffs Blick nach vorne ist geprägt vom Ist-Zustand, von Rastas Aufenthalt im Tabellenkeller. „Wir brauchen ein Erfolgserlebnis“, sagt Herkenhoff, der in Ulm zeigte, wie wertvoll er sein kann – und wie sehr er in Rastas Rotation vermisst wurde. 13 Punkte steuerte er bei seinem Comeback nach Verletzungspause bei, seine Dreier-Quote lag bei starken 50 Prozent (3/6), ein Block und drei Rebounds rundeten das Startpaket ab. „Er hat's sensationell gemacht“, sagte Rasta-Coach Thomas Päch. Herkenhoff selbst bezeichnete seinen Einstand als „solide“. Der verworfene Freiwurf beim Stand von 70:71 wurmte ihn und verhinderte eine bessere Eigennote.

Zurück zum Ist-Zustand. 0:8 Punkte hat Rasta auf dem Konto. Nimmt man den Pokal hinzu, sind's sogar sechs Niederlagen in Serie. „Wir müssen als Team dafür sorgen, dass wir ruhig bleiben“, sagt Herkenhoff. Klar ist: Rasta braucht Zählbares, nur darum geht's im Abstiegskampf.

Zum vierten Mal erlebt Herkenhoff mit Rasta einen Fehlstart in eine BBL-Saison. 2016/17 hatte Rasta 0:10 Punkte, als es den ersten Sieg gab, an den sich 17 Niederlagen in Serie anschlossen. Herkenhoff war damals ein 17-jähriger Big-Man-Perspektivspieler im Schatten von Devin Searcy, Derrick Allen und Christian Standhardinger. Aber Herkenhoff, der damals die ersten sechs seiner nunmehr 72 Spiele in der BBL absolvierte, bekam sehr wohl mit, wie sich die Negativspirale irgendwann immer schneller drehte und das Team kollabierte. 2018/19 und 2019/20 bekamen Herkenhoff und Co. nach jeweils 0:6 Punkten zum Start die Kurve. Und jetzt? „Wichtig ist, dass wir keine Unruhe und keine Panik haben“, so Herkenhoff. Die Fortschritte im Ulm-Spiel würden Mut machen. Nun gelte es, daran entschlossen anzuknüpfen. „Wir brauchen die Energie von allen“, sagt er.

Beim Heim-Doppelpack ist mindestens ein Sieg Pflicht

Zur nackten Wahrheit gehört aber auch, dass das gute Mithalten gegen Topteams wie München oder Ulm, die beim Spagat zwischen BBL und Europa auch mal mit angezogener Handbremse agieren, keine Punkte gebracht hat. In dieser Woche, beim Doppelpack im Rasta-Dome, ist ein Sieg Pflicht – am besten schon gegen starke Bayreuther, die im Pokal die Bayern besiegten und am Sonntag Meister Alba Berlin ärgerten (69:71), auf jeden Fall aber am Freitag gegen Schlusslicht Bonn.

Herkenhoff ist gewillt, alles zu geben. Zu lange hatte er tatenlos zusehen müssen. Im Pokalspiel gegen Göttingen am 24. Oktober hatte er letztmals gespielt, danach blieb ihm viermal nur ein Platz hinter der Bande. Eine Sehne in der Fußsohle bereitete Sorgen – und Schmerzen. Die Plantarfaszie war eingerissen. Eine fiese Sache, es half nur Ruhe. „Bei dieser Verletzung ist es wichtig, schmerzfrei zu sein. Wir waren sehr vorsichtig“, berichtet Herkenhoff. Gerne hätte er Ende November im Palais des Sports de Pau, wo Rasta ein Jahr zuvor in der Champions League siegte, seine Länderspiele vier und fünf absolviert, aber die Absage der EM-Quali-Reise nach Frankreich war alternativlos. Die letzte Trainingswoche vor dem Ulm-Spiel war für Herkenhoff enorm wertvoll. „Ich hab' mich in den letzten Tagen sehr gut gefühlt“, so Herkenhoff. In Ulm traf er nach 15 Sekunden seinen ersten Dreier – das gab Rückenwind.

Päch setzte Herkenhoff dosiert ein, um zu schauen, wie der Fuß im Wettkampf reagiert. „Er sollte nicht zu lange am Stück auf dem Feld sein“, so der Coach. Herkenhoff hatte sechs Einsatzblöcke von 1:19 bis 5:34 Minuten. Das Comeback freute auch Dennis Clifford. „Philipp gehört zu den Spielern, um die Thomas das Team herum gebaut hat. Es ist gut für uns, dass er wieder da ist“, sagte der Center. Er hält sehr viel von Herkenhoff („Philipp ist enorm, er hat so viel Talent“) und sieht es als seine Aufgabe an, den sieben Jahre jüngeren Kollegen permanent zu pushen – auch wenn er mal Muskelkater hat.

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