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Mit reichlich Rückenwind in die alte Heimat

Ex-Rasta-Coach Pedro Calles ist mit den Hamburg Towers auf Playoff-Kurs. Am Mittwoch gastiert der Spanier mit seinem Team in Vechta. Rasta hat unterdessen noch einen neuen Big Man verpflichtet.

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Erfolgscoach: Pedro Calles, einst bei Rasta Vechta, jetzt bei den Hamburg Towers. Foto: dpa

Erfolgscoach: Pedro Calles, einst bei Rasta Vechta, jetzt bei den Hamburg Towers. Foto: dpa

Berlin, Bayern, Bamberg – die drei großen „B“ in der Basketball-Bundesliga. Seit 2010 kam der Deutsche Meister stets aus diesem Trio. Siebenmal ging der Titel an Bamberg, dreimal an den FC Bayern und zuletzt war Berlin die Nummer eins. Die drei BBL-Schwergewichte sind seit wenigen Tagen um eine weitere Gemeinsamkeit reicher, denn die großen „B“ wurden binnen zwei Wochen von den aufstrebenden Hamburg Towers düpiert. Einen nach dem anderen knöpften sich die Überflieger aus HH-Wilhelmsburg vor; erst Berlin, dann die Bayern und am Ostersonntag auch noch Bamberg. „Heiß, heißer – Towers“, jubelte Hamburgs Boulevard (Bild) nach dem jüngsten 76:64 in Franken, dem insgesamt sechsten Sieg in Serie.

Hamburg, in der vergangenen Saison Tabellenletzter beim Corona-Abbruch, ist neben Spitzenreiter Ludwigsburg das Team der Stunde in der BBL und steuert klar auf Playoff-Kurs. Schwer vorstellbar, dass ausgerechnet das Schlusslicht Rasta Vechta diese Erfolgsstory am Mittwoch (19.00 Uhr) unterbricht. Maik Kotsar, Center des Tabellensechsten und seit Wochen überragend, mahnt aber vor dem Gastspiel in Vechta: „Die Liga ist so ausgeglichen. Du kannst gegen jeden gewinnen, aber auch gegen jedes Team verlieren.“ Gießens 95:94-Ostercoup gegen München kommt als willkommene Warnung daher.

Vater des Hamburger Erfolgs ist Pedro Calles. Ende Juni 2020 war der Spanier nach fünf Jahren in Vechta – drei als Co-Trainer, zwei als Chefcoach – per Ausstiegsklausel an die Elbe gewechselt. Ihn reizte die Aufgabe bei den ambitionierten Towers, die Ende 2022 ihr knapp 18 Millionen Euro teures „Quartierssporthaus“ mit Geschäftsstelle, Dreifeldhalle und Fitnessstudio in Betrieb nehmen wollen und außerdem von einer neuen 9000-Zuschauer-Arena namens „Elbdome“ träumen. Die Macher der Basketball Champions League (BCL) haben bereits in der Hansestadt angeklopft. Die Towers sind nicht abgeneigt, es rechnet sich aber nur mit Zuschauern.

DiLeo spielt erstmals gegen einen Ex-Klub

Zurück zu Calles: Der 37-Jährige kehrt am Mittwoch erstmals seit dem letzten Sommer in die alte Heimat zurück. „Wir wollten schon früher mal kommen, aber wegen Corona war's schwierig“, sagt Calles. Wir – das sind der Coach, seine Frau Ana sowie die Kinder Juan Lorenzo und Carlotta Maria. Deren neue Heimat ist Neugraben-Fischbek im Südwesten Hamburgs, an der Grenze zu Niedersachsen.

Calles ist am Mittwoch nicht der einzige Rückkehrer. Auch Co-Trainer Miguel Zapata und Defense-Experte Max DiLeo waren von 2018 bis 2020 bei Rasta. „Es ist ein spezieller Moment. Ich spiele erstmals gegen einen Ex-Klub von mir“, sagte DiLeo am Dienstagmittag beim digitalen Pressetalk der Towers.

Zapata war übrigens am Sonntag als Cheftrainer gefragt. Calles lag daheim mit einem Magen-Darm-Virus flach. „Jetzt siegen die Towers schon ohne Trainer!“, titelte die Bild. Calles hielt nach der Partie in Bamberg via Twitter fest: „Ich bin stolz zu sehen, wie mein Trainerstab und die Spieler zusammen kämpfen.“ Es war übrigens sein erster Tweet auf dieser Plattform seit Juli 2020. „Ich bin nicht so oft in den sozialen Netzwerken“, sagte Calles am Dienstag. Und wenn, dann nutze er diese Medien nur für „klare Botschaften“.

Calles hat abermals ein funktionierendes Kollektiv geformt. „Nicht mit den besten Spielern, sondern mit den Spielern, die am besten in unser System passen“, so Calles. Sein Credo – bekannt aus erfolgreichen Rasta-Tagen. „Alles geschieht im Dienst der Mannschaft, es gibt kein Ich. Jeder opfert sich für das Team und alle agieren als Einheit“, erklärte Towers Geschäftsführer Marvin Willoughby im Magazin BIG.

In Bamberg spielte Hamburg erneut eine famose Defense, die den Gegner regelrecht zermürbte. Die Rotationen waren präzise, die Eins-gegen-eins-Verteidigung war bissig und Bambergs Schwachstellen wurden ebenso gnadenlos wie konsequent gedoppelt. „Lehrbuch-Basketball“, schwärmte das Abendblatt. Mit 9,1 Steals pro Spiel ist Hamburg die Nummer eins der Liga – wie Rasta in der Saison 18/19 unter Calles (damals 9,7 Steals pro Partie).

Maik Kotsar führt Topscorer-Quintett der Towers an

Offensiv bilden Kotsar (14,4 Punkte pro Spiel), Kameron Taylor (14,1), Wirbelwind T.J. Shorts (13,3), Terry Allen (11,4) und der Dreier-Experte Jordan Swing (11,3) eine unheilvolle Allianz für jeden Gegner. Kotsar, ein Este im ersten Profi-Jahr, hat sich bereits in die Notizbücher von europäischen Topteams gespielt.

Rastas neuer Coach Derrick Allen, 2019/20 Calles' Co-Trainer, weiß um die Schwere der Aufgabe. Man brauche eine „sehr gute Leistung“ und müsse Hamburgs Physis mit gleicher Entschlossenheit begegnen. Klarer Fall: Leichter gesagt als getan.

Rasta hat unterdessen eine Woche nach dem Trainerwechsel noch einen weiteren Spieler geholt. Der Tabellenletzte gab am Dienstagnachmittag die Verpflichtung von Sha'Markus Dewayne Kennedy bekannt. Der 22 Jahre alte Power Forward aus Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama wechselt vom italienischen Erstligisten Pallacanestro Cantu zum BBL-Schlusslicht. Er ist nach Ikenna Iroegbu, Jesse Hunt und Edgar Sosa die vierte und letzte Nachverpflichtung während der laufenden Saison.

Der Transfer wurde bereits vor dem Ende der Wechselfrist am 31. März eingetütet. Am 1. April hatte Rasta eine weitere Nachverpflichtung noch dementiert, nun wurde die Option gezogen. Mit dem Kennedy-Deal reagiert Vechta auf den erneuten Ausfall von Dennis Clifford. Der Center, ein Anker in der Defense und ein Fixpunkt in der Offense, fällt auf unbestimmte Zeit aus. Clifford hat weiter mit den Nachwirkungen einer Schädelprellung zu kämpfen, die Untersuchungen dauern an.

Neu bei Rasta: ShaMarkus Kennedy. Foto: RastaNeu bei Rasta: Sha'Markus Kennedy. Foto: Rasta

„Die Gesundheit von Dennis hat oberste Priorität“, sagte Klubchef Stefan Niemeyer. Clifford würde „am liebsten jede Minute auf dem Court stehen“, so Niemeyer: „Aber in so einer Situation muss man einen Profi auch vor dem eigenen Ehrgeiz schützen. Wir hoffen alle, dass er bald wieder ganz fit ist. Aber genauso bekommt er alle Zeit der Welt zur Gesundung.“

Kennedy absolvierte für den früheren Europacupsieger Cantu insgesamt 27 Spiele, 21 in der Liga (9,3 Punkte und 4,5 Rebounds im Schnitt) sowie sechs im Pokal (9,7/7,3). Er gilt als Defensiv-Spezialist. Der 2,03 m große und 100 kg schwere Power Forward hat bereits alle Quarantäne-Maßnahmen, PCR-Tests und Medizinchecks absolviert.

Am Dienstag nahm er erstmals am Rasta-Training teil. Nach Angaben von Coach Allen ist Kennedy „definitiv eine Option“ für das Spiel am Mittwoch gegen die Hamburg Towers. „Er soll sein Basis-Können einbringen – Defense, Rebounds. Alles Weitere wird mit der Zeit kommen“, so Allen. Nach 24 Stunden mit dem Team dürfe man allerdings „keine Wunderdinge von ihm erwarten“.

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