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Michael Leon Williams genießt den Blick von der Tabellenspitze

Der Spielmacher der TVC-Handballer ist aktuell zwar verletzt, fühlt sich aber in Cloppenburg pudelwohl. Der 29-Jährige wurde in den USA geboren.

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Dynamischer Spielmacher: Michael Leon Williams (rotes Trikot, hier im Spiel beim ATSV Habenhausen) kam im Sommer vom SV Beckdorf und hat dazu beigetragen, dass der TV Cloppenburg derzeit die Oberligatabelle mit zwei Punkten Vorsprung anführt. Foto: Langosch

Dynamischer Spielmacher: Michael Leon Williams (rotes Trikot, hier im Spiel beim ATSV Habenhausen) kam im Sommer vom SV Beckdorf und hat dazu beigetragen, dass der TV Cloppenburg derzeit die Oberligatabelle mit zwei Punkten Vorsprung anführt. Foto: Langosch

Der vergangene Samstag war hart für Michael Leon Williams. Der Spielmacher der Cloppenburger Handballmänner war ausgerechnet im Gipfeltreffen der Oberliga Nordsee gegen den VfL Fredenbeck zum Zuschauen gezwungen. Eine Schulterverletzung – zugezogen eine Woche zuvor in der ersten Partie des neuen Jahres gegen den TvdH Oldenburg – hatte ihn ausgebremst. „Nicht mitspielen zu können, das war schon brutal“, sagt Williams, der die Fredenbeck-Partie (34:32 für den VfL) nur von der Bank aus mit dem linken Arm in einer Schlinge verfolgte.

Ein Kapselanriss, eine Einblutung am Schlüsselbein und eine schwere Prellung , so lautet die genaue Diagnose. „Glück im Unglück“, meint Williams, „denn immerhin sind die Bänder nicht in Mitleidenschaft gezogen. Aber der Kapselanriss macht mir zu schaffen.“ Gleichwohl hatte er überlegt, vielleicht doch mitzuwirken. „Das sind doch genau die Spiele, für die man seinen Sport betreibt. Ich war drauf und dran, mir ein paar Schmerztabletten einzuwerfen und mitzuspielen, wenn auch nur im Angriff.“ Letztlich aber siegte die Vernunft und Williams setzte aus. „Womöglich hätte sich die Verletzung verschlimmert und ich wäre länger ausgefallen“, sagt der 29-Jährige. Nun hofft er, vielleicht in gut zwei Wochen für die Auswärtspartie in Haren am 11. Februar, spätestens aber zum nächsten Heimspiel am 25. Februar gegen den HC Bremen wieder auf dem Platz zu stehen.

Trotz der Verletzung hat er den Wechsel nach Cloppenburg nicht bereut: „Es macht riesigen Spaß. Wir haben nach der tollen Hinserie eine Euphorie und lassen uns auch durch die Niederlage gegen Fredenbeck nicht von unserem Weg abbringen, dafür ist unser Hunger und die Qualität im Kader viel zu groß.“

Zum Zuschauen verdammt: Gegen Fredenbeck fiel Williams (rechts) verletzt aus. Foto: LangoschZum Zuschauen verdammt: Gegen Fredenbeck fiel Williams (rechts) verletzt aus. Foto: Langosch

Den Höhenflug des TVC genießt der Spielmacher: „In Beckdorf habe ich vier Jahre lang nur gegen den Abstieg gespielt und in der Tabelle von unten nach oben geschaut. Nun sind wir diejenigen, die oben stehen und auf die Verfolger blicken. Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn ich noch mal in der 3. Liga spielen könnte. Als Mannschaft machen wir uns aber keinen Druck. Das Meisterschaftsrennen in der Oberliga ist ein Dreikampf zwischen Fredenbeck, Habenhausen und uns. Das sind drei starke Absteiger. Wenn wir am Ende vorn sind, dann nehmen wir den Titel und den Aufstieg sehr gerne mit. Aber wir müssen in diesem Jahr nicht hoch. Daher haben wir keinen großen Druck. Aber eine ambitionierte Mannschaft wie der TVC sollte sich langfristig in der 3. Liga etablieren.“

In der dritthöchsten deutschen Spielklasse hat der Sohn eines US-amerikanischen Vaters und einer türkischen Mutter erst eine Saison gespielt. Aufgewachsen in Flensburg hat er bei der dortigen SG Handewitt das Handballspielen von der Pike auf gelernt und dort alle Jugendstationen durchlaufen. „Als ich aus der A-Jugend raus bin, habe ich mit der SG-Zweiten ein Jahr in der 3. Liga gespielt. Wobei: Viel gespielt habe ich nicht. Der Trainer hat meistens auf die Erfahrenen gesetzt, so habe ich nicht viele Einsatzzeiten bekommen.“

Vielleicht wäre für Michael Leon Williams, der inzwischen in Emstek eine Wohnung bezogen und sich somit des anfänglichen Stresses entledigt hat, zu jeder Trainingseinheit von Beckdorf anzureisen, sportlich noch mehr drin gewesen. Mit Flensburg-Handewitts B-Jugend wurde er Deutscher Meister. „Aber in der A-Jugend habe ich die Prioritäten falsch gesetzt. Ich habe gar nicht erkannt, welche Chance sich mir eröffnet hat, in den Bundesligakader zu kommen. So bin ich nicht durch diese Tür hindurchgegangen. Ich würde es zwar in der Rückschau nicht anders machen, aber es wäre auch spannend zu sehen, wie weit sich die sportliche Laufbahn hätte ausreizen lassen.“

Allerdings ist Williams keiner, der nachkartet. Sein Fokus liegt nun auf dem TV Cloppenburg. Mit Teammanager Maik Niehaus wurde er sich in den Verhandlungen schnell einig und spätestens, als er das vorletzte Heimspiel der vorigen Saison am 9. April (33:42 gegen Eider Harde) in der TVC-Halle verfolgte, war der Fan von Tätowierungen („Mir gefallen sie einfach, ich habe derzeit 14 Stück. Die meisten haben auch eine bestimmte Bedeutung für mich“) überzeugt: „Ich fand den schnellen, dynamischen Handball, der hier gespielt wird, klasse, auch wenn das Spiel klar verloren ging. Aber das passt zu meinem Stil und da musste ich dann nicht mehr lange überlegen, ob ich wechsele.“


Zur Person:

  • Michael Leon Williams junior kam am 7. April 1993 in Fort Knox im Bundesstaat Kentucky als Sohn eines US-amerikanischen Soldaten und einer türkischen Mutter zur Welt.
  • Schon in der F-Jugend begann er bei der SG Flensburg-Handewitt mit Handball, als B-Jugendlicher wurde er mit der SG Deutscher Meister.
  • Nach dem Wechsel in den Erwachsenenbereich stand er im erweiterten Kader des Flensburger Bundesligateams, spielte aber für die zweite Mannschaft. Nach einer Saison beim FC St. Pauli und zwei Jahren beim HAT Norderstedt, zog Williams zurück nach Flensburg und legte eine Handballpause ein.
  • 2018 schloss er sich dem SV Beckdorf an, bevor er zur Saison 2022/23 zum TVC wechselte. Für Cloppenburg erzielte er bislang 35 Treffer.
  • Für die USA hat Williams 21 Länderspiele bestritten.
  • Die gelernte Fachkraft für Lagerlogistik lebt inzwischen in Emstek und arbeitet für den Energieverband Nordwest im Außendienst.

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