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Mario Neumann: "Die Nacht war kurz, mein Appetit klein"

Der frühere Spieler und Coach des BV Cloppenburg führte Fußball-Drittligist SV Meppen als Interims-Coach zu einem Punktgewinn in Ingolstadt. Im Interview spricht er nicht nur über diese Partie.

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Jubelpose: Mario Neumann hofft, dass er sich am Ende der Saison mit dem SV Meppen über den Klassenerhalt freuen kann. Archivfoto: Hermes

Jubelpose: Mario Neumann hofft, dass er sich am Ende der Saison mit dem SV Meppen über den Klassenerhalt freuen kann. Archivfoto: Hermes

Mario Neumann – viele Jahre lang Torwart, Coach und Sportlicher Leiter bei den Fußballern des BV Cloppenburg – wechselte 2015 zum damaligen Regionalligisten SV Meppen. Als Assistent von Christian Neidhart feierte er mit den Emsländern 2 Jahre später den Aufstieg in die 3. Liga. Nach der Entlassung des Chef-Trainers und Ex-Nationalspielers Torsten Frings vor genau einer Woche betreute Neumann den SVM am vergangenen Sonntag als Interims-Coach in der Partie beim FC Ingolstadt (0:0). Vor dem heutigen Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg spricht der 54 Jahre alte A-Lizenzinhaber im Interview mit OM online über die aktuelle Situation beim Kultklub aus Meppen.

Die bittere 0:3-Heimpleite gegen Wiesbaden, der folgende Rausschmiss von Frings und schließlich der Punktgewinn in Ingolstadt mit Ihnen als "Chef" – hinter dem SV Meppen liegen turbulente zehn Tage. Wie haben Sie diese erlebt? 
Nach der Niederlage gegen den SV Wehen mit einer ordentlichen ersten, aber desolaten zweiten Halbzeit haben sich die Ereignisse überschlagen. Torsten und Björn (Co-Trainer Björn Müller, Anmerkung der Redaktion) wurde mitgeteilt, dass sie gehen müssen. Auf die Spieler ist dadurch einiges eingestürzt. Überhaupt sorgt so etwas natürlich immer für reichlich Wirbel innerhalb eines Vereins.

Wie ging es weiter?
Sportvorstand Heiner Beckmann hat mich, Athletiktrainer Daniel Vehring, Torwarttrainer Andre Poggenborg und die Physiotherapeutin Melanie Hubert damit beauftragt, die Mannschaft bis auf Weiteres zu übernehmen. Ich persönlich bin davon ausgegangen, dass es sich um ein, zwei Übungseinheiten handelt und dann ein neuer Chef-Coach kommt.

Torwart-Experte: Mario Neumann (links) kümmerte sich beim BVC stets intensiv um die Keeper (rechts Siegfried John). Foto: ArchivTorwart-Experte: Mario Neumann (links) kümmerte sich beim BVC stets intensiv um die Keeper (rechts Siegfried John). Foto: Archiv

Doch es kam anders.
Ja. Dass nicht so schnell ein Nachfolger gefunden wurde, lag vor allem daran, dass der SVM keinen Plan B hatte, weil die Trennung von Frings nicht wirklich abzusehen war. So stellte sich schnell heraus, dass wir für das Team in Ingolstadt verantwortlich sein würden.

Was ging in Ihnen vor? Sie trugen im höherklassigen Fußball bislang nur einmal die Hauptverantwortung, als Sie Jörg-Uwe Klütz einst zu Ihrer BVC-Zeit in der Regionalliga-Partie beim VfL Wolfsburg II vertraten.
Die Begleitumstände waren alles andere als optimal, aber es war für mich auch eine schöne Erfahrung. Ich war deutlich nervöser als sonst. Die Nacht vor der Begegnung war kurz, mein Appetit am Spieltag klein. Jetzt bin ich wieder entspannt.

Wir waren Sie mit der Partie in Ingolstadt zufrieden?
Sehr. Wir haben einem Gegner, der über viel Qualität verfügt und äußerst motiviert war, eine tolle Abwehrschlacht geboten. Hätten wir unsere Konter besser ausgespielt, wäre sogar ein Sieg möglich gewesen. Ich bin aber letztendlich froh, dass wir einen Punkt mitgenommen haben – die Jungs haben das richtig gut gemacht.

Erfolgsduo: Mario Neumann (Zweiter von links) und Jörg-Uwe Klütz (Zweiter von rechts) bildeten in Cloppenburg lange ein Trainergespann. Foto: ArchivErfolgsduo: Mario Neumann (Zweiter von links) und Jörg-Uwe Klütz (Zweiter von rechts) bildeten in Cloppenburg lange ein Trainergespann. Foto: Archiv

Haben Sie rund um das Duell beim ehemaligen Bundesligisten viel Feedback bekommen?
Oh ja, ich habe vor und nach dem Spiel etliche Nachrichten bekommen, unter anderem von meinem früheren Trainerkollegen Jörg-Uwe Klütz. Einige Nachrichten konnte ich noch gar nicht beantworten.

Der SV Meppen hat am gestrigen Dienstagnachmittag Rico Schmitt als neuen Coach präsentiert? Ärgert es Sie etwas, dass Sie nicht im Besitz der Fußballlehrer-Lizenz sind und so gar keine echte Chance auf den Posten des „ersten Manns“ hatten?
Nicht wirklich, nein. Ich habe mich nie in der Rolle des Chef-Trainers gesehen, bin immer loyal gewesen und habe lieber aus der zweiten Reihe heraus gearbeitet. In dieser Position kann man den Jungs auch viel mitgeben.

Ihr Vertrag läuft nach dieser Spielzeit aus. Bleiben Sie im Emsland?
Der Verein und ich hatten bereits einige Gespräche geführt, als es dann in der vergangenen Woche turbulent wurde. Im Prinzip sind wir uns aber schon einig, sodass davon auszugehen ist, dass es weitergeht und ich beim SV Meppen bleibe. Das ist schön, weil ich mich hier sehr wohl fühle. Jetzt bin ich – wie allen anderen – gespannt, wer neuer Trainer wird.

Schafft der SVM den Klassenerhalt?
Wir sind sehr zuversichtlich, weil wir es in der eigenen Hand haben. Für den Verein, die Fans und die gesamte Region wäre es sehr wichtig, die 3. Liga mit all den attraktiven Mannschaften zu halten.


Fakten:

  • 6 Spieltage vor dem Saisonende belegt der SV Meppen den 15. Tabellenplatz und hat drei Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang.
  • Restprogramm: Meppen - Magdeburg (heute), Meppen - Rostock (24. April), Zwickau - Meppen (5. Mai), Meppen - Lübeck (9. Mai), Saarbrücken - Meppen (14. Mai), Meppen - Duisburg (22. Mai).

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