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"Man fordert das Risiko förmlich heraus"

Bayreuths Trainer Raoul Korner sorgt sich um die Gesundheit der Spieler, falls es in der Basketball-Bundesliga zu einem Abschlussturnier kommt.

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Klare Worte: Bayreuths Coach Raoul Korner, hier beim Spiel in Vechta. Foto: Schikora

Klare Worte: Bayreuths Coach Raoul Korner, hier beim Spiel in Vechta. Foto: Schikora

Mitmachen oder nicht? In Bayreuth musste man nicht lange überlegen. Eine Teilnahme am geplanten Saisonabschlussturnier der Basketball-Bundesliga war in der Stadt der Wagner-Festspiele kein Thema. „Für uns war's ein ganz klares Nein“, berichtet Coach Raoul Korner. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt der 46-jährige Österreicher, warum man bei Medi Bayreuth die Finger vom Rumpfturnier gelassen und sich wie sechs andere Teams für ein Ende der seit Mitte März wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochenen Saison entschieden hat.

„In erster Linie ist es eine finanzielle Entscheidung“, betont Korner: „Wir haben uns gefragt: Was kostet uns die Fortsetzung der Saison und was bringt sie uns? Die Antwort war ein dicker Minusbetrag. Und er war so dick, dass wir intern gar nicht so weit gekommen sind, auch die sportliche Seite zu betrachten. Die wäre aber auch negativ ausgefallen, weil wir kaum noch Spieler hier haben.“ Als einer der ersten BBL-Klubs hatte der Meister von 1989 versucht, „die Kosten gen null zu fahren“, so Korner mit Blick auf die zügig aufgelösten Verträge der US-Profis, die in ihre Heimat reisen wollten. Auch deshalb hatten sich die Oberfranken bereits in den Tagen und Wochen vor der Videokonferenz am vergangenen Montag, auf der der Notfall-Plan aus dem Hut gezaubert wurde, für einen Abbruch der Serie ausgesprochen. „Deutlicher als jeder andere Klub“, wie Korner anmerkt.

"Ich bin sehr froh, dass der Spuk vorbei ist, dass wir aus der Nummer raus sind, dass dieses Damoklesschwert nicht mehr über uns schwebt."Raoul Korner über das Ende der Saison.

Während die Liga nun am Ablauf für das geplante Turnier mit zehn Teams sowie am Hygiene- und Sicherheitskonzept für die Politik bastelt und am Montag den Austragungsort für das dreiwöchige Event im Juni bekanntgeben will, richtet Korner den Blick nach vorne. Auf die Frage, ob er froh sei, dass der Spuk erstmal vorbei ist, antwortet Korner: „Die Corona-Problematik wird ja auch großen Einfluss auf die neue Saison haben. Aber für diese Saison? Ja, da ich bin sehr froh, dass der Spuk vorbei ist, dass wir aus der Nummer raus sind, dass dieses Damoklesschwert nicht mehr über uns schwebt.“ Bayreuth gehörte zum Zeitpunkt der Unterbrechung als Tabellenzwölfter noch zum Kreis der Playoff-Anwärter und hatte zudem im März in einem „Geisterspiel“ gegen Cluj Napoca aus Rumänien das Fiba-Europe-Cup-Halbfinale erreicht.

Seit sieben Jahren in der BBL tätig: Raoul Korner. Foto: dpaSeit sieben Jahren in der BBL tätig: Raoul Korner. Foto: dpa

Korner, seit 2016 in Bayreuth tätig und davor drei Jahre BBL-Coach in Braunschweig, brennt noch ein anderer Aspekt auf der Seele. „Was für mich bislang unter den Teppich gekehrt wurde, ist die Gesundheit der Spieler – unabhängig von Corona, das wäre bei dem Turnier das geringste Problem. Ich sehe den Faktor Verletzungsgefahr als massiv an“, sagt Korner. Die Vorbereitungszeit, geplant sind zwei bis drei Wochen, sei „zu gering“. Dazu Korner: „Klar, die Jungs liegen nicht auf der Coach und essen nur Kartoffelchips. Aber sie hätten, wenn es dann irgendwann losgeht, acht Wochen lang nicht sportarten-spezifisch trainiert.“ Korner erwartet kleinere Kader, kürzere Rotationen und höhere Belastungen mit nur wenig Pause zwischen den Spielen. Für ihn ist das ein „Ritt auf der Rasierklinge“. Und weiter: „Man fordert das Risiko förmlich heraus.“

Korner hofft auf ein gutes Produkt der zehn Teams

Korner ist gespannt, ob es den zehn Klubs, die spielen wollen, gelingt, alle Profis zu aktivieren: „Sich kasernieren lassen, drei Wochen weg von den Familien. Ich bin mir nicht sicher, ob das Begeisterung bei den Spielern auslöst.“ Er hoffe sehr, „dass es allen Klubs gelingt, BBL-taugliche Teams zusammenzustellen“. Das Turnier, bei dem in 20 Gruppen- und sieben K.o.-Spielen der „Geister-Meister 2020“ gekürt werden soll, müsse schon ein gewisses Niveau haben: „Nicht, dass es am Ende ein Produkt zu sehen gibt, dass man eigentlich nicht zeigen möchte“, sagt Korner. Und er gibt ganz offen zu: „Für uns in Bayreuth wäre das nicht möglich gewesen.“

Dass das Turnier, an dem die beiden Weser-Ems-Klubs EWE Baskets Oldenburg und Rasta Vechta teilnehmen wollen, auch eine Chance für die Sportart sein kann, will Österreichs Nationaltrainer gar nicht abstreiten. „Aber für uns ging es nicht um TV-Quoten oder um das Scheinwerferlicht, von dem ja oft die Rede war. Wir mussten uns darum kümmern, dass wir den BBL-Standort Bayreuth erhalten.“

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