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Lukas Fienhage greift nach der WM-Krone

Langbahn-Weltmeisterschaft: Der 20 Jahre alte Brockdorfer hat in Morizes/Frankreich den ersten von zwei Grand-Prix-Läufen gewonnen.

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Auf Titelkurs: Lukas Fienhage aus Brockdorf triumphierte in Morizes. Foto: Bandy

Auf Titelkurs: Lukas Fienhage aus Brockdorf triumphierte in Morizes. Foto: Bandy

Am späten Sonntagnachmittag, als seine „Tour de France“ mit der Rückkehr auf die heimische Hauseinfahrt endete, strahlte Lukas Fienhage trotz der Erschöpfung über das ganze Gesicht. Und den Klang der Nationalhymne hatte er noch in den Ohren. „Das fühlte sich echt gut an“, erklärte der 20 Jahre alte Motorradsportler aus Brockdorf, als er auf die Siegerehrung im südfranzösischen Morizes angesprochen wurde.

In der kleinen Gemeinde im Departement Gironde, 45 Kilometer südöstlich von Bordeaux gelegen, hatte Lukas Fienhage am Samstagabend für Furore gesorgt. Er gewann den ersten Grand Prix zur Langbahn-Weltmeisterschaft 2020 und fährt mit einem Drei-Punkte-Vorsprung zum zweiten und entscheidenden Lauf, der am 26. September im polnischen Rzeszow stattfindet. Mit anderen Worten: Fienhage greift nach der WM-Krone. „Mal gucken, was da noch geht“, sagte er mit Blick auf den Showdown in Polen. Sollte es mit dem Titel klappen, wäre Fienhage der neunte deutsche Langbahn-Weltmeister nach Egon Müller, Alois Wiesböck, Karl Maier, Gerd Riss, Tom Dunker, Robert Barth, Erik Riss und Martin Smolinski.

Historische Dimensionen, mit denen sich Fienhage noch nicht beschäftigt. Die Analyse des Morizes-Abenteuers fiel kurz und knapp aus: „Es lief richtig gut.“ Fienhage, der auf der Langbahn für den AC Vechta und im Speedway für den MSC Cloppenburg fährt, hatte sich das Podium zum Ziel gesetzt. 1400 Kilometer hin, 1400 Kilometer zurück – bei diesem Aufwand wollte Fienhage, der in wenigen Tagen 21 Jahre alt wird und die Langbahn-WM 2019 auf Platz vier beendet hatte, nicht nur einfach mitfahren, sondern „vorne mitmischen“.

"Darauf haben wir in den letzten Wochen hingearbeitet.“Lukas Fienhage über den Erfolg in Morizes.

Dass er am Ende ganz oben auf dem Treppchen stand, kam aber doch „etwas überraschend“, wie er einräumte. Coronabedingt hatte er in dieser Saison lediglich fünf Speedway-Rennen in Polen absolviert. Langbahnevents? Fehlanzeige. Es gab nur zwei intensive Trainingseinheiten in Wittstock und Parchim. „Wir konnten immerhin die Motoren akribisch abstimmen, das hat gut geklappt“, so Fienhage. Und zum Erfolg in Morizes meinte er: „Darauf haben wir in den letzten Wochen hingearbeitet.“

In den fünf Vorläufen in Morizes feierte Fienhage vier Siege, hinzu kam ein zweiter Platz hinter dem niederländischen Altmeister Theo Pijper. Wichtig für Fienhage war der Sieg im vierten Lauf gegen den französischen Lokalmatador und Europameister Mathieu Tresarrieu. Nach den Vorläufen hatten beide 19 Punkte auf ihrem Konto, aber der direkte Vergleich sprach für Fienhage, der damit für das entscheidende Finale gesetzt war. Dort setzte sich der Brockdorfer dann erneut gegen Tresarrieu, Romano Hummel, Pijper und Zach Wajknecht durch. Für ihn war's nach dem Sieg in Roden/Niederlande im Herbst 2019 der zweite Triumph bei einem Grand Prix zur Langbahn-WM.

Die WM 2020 sollte eigentlich fünf Rennen umfassen. Die Events in Herxheim (21.5.), La Reole (20.6.), Mühldorf (5.7.) und Forssa (8.8.) fielen der Corona-Pandemie zum Opfer. Der Motorrad-Weltverband FIM holte Morizes ins Boot und hielt am Finale in Rzeszow fest. „Ich hätte vor ein paar Wochen nicht gedacht, dass es noch eine Langbahn-WM gibt. Toll, dass es geklappt hat“, sagte Fienhage. In Morizes waren sogar Zuschauer zugelassen. Das Hygienekonzept erlaubte 5000 Fans. 2000 kamen und mussten sich ebenso an strenge Regeln halten wie die rund 500 Beteiligten am Rennen. „Es hat alles super geklappt, das war wirklich lobenswert“, sagte Fienhage.

Auch er musste in diesem Jahr seine ambitionierten Pläne ändern. Eigentlich hätte es seine Debütsaison als Bahnsport-Vollprofi sein sollen, aber dann kam Corona. „Zum Glück konnte ich in meine alte Firma zurück. Da wurde gerade eine Stelle frei, das passte gut“, sagte der gelernte Werkzeugmechaniker und ergänzte: „Ich warte jetzt erst mal ab, wie's weitergeht.“ Rein sportlich folgen jetzt zwei Speedway-Rennen in Polen, ehe das WM-Finale steigt – vielleicht wieder mit der deutschen Hymne.

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