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Lizenzierte Trainer im Jugendhandballbereich sind schwer zu finden

Der niedersächsische Verband führt eine Verpflichtung zu Lizenz-Coaches in der Saison 2023/2024 ein. Kritik von den Vereinen: "Das ist der Tod des Handballs".

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Ausnahme: Garrels Coach Jonas Kettmann ist B-Lizenzinhaber. Damit können die meisten seiner Trainerkollegen im hiesigen Handballbereich nicht dienen. Die HVN-Vorgabe macht den Vereinen zu schaffen. Foto: Langosch

Ausnahme: Garrels Coach Jonas Kettmann ist B-Lizenzinhaber. Damit können die meisten seiner Trainerkollegen im hiesigen Handballbereich nicht dienen. Die HVN-Vorgabe macht den Vereinen zu schaffen. Foto: Langosch

Von der Saison 2023/24 an sind Handballvereine der Oberligen der männlichen und weiblichen Jugend A und B verpflichtet, für die Betreuung ihrer Teams während der Meisterschaftsspiele, einen Trainer oder eine Trainerin mit einer gültigen DOSB-Lizenz als Trainer*in C Leistungssport Handball oder höher einzusetzen.

Das Erweiterte Präsidium des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) hat diesen Vorschlag des Ressorts Bildung einstimmig angenommen. Die beschlossenen Änderungen gelten von der Saison 2023/24, beziehungsweise 2024/25 an und ändern die Bestimmungen für die Durchführung der Hallenhandball-Meisterschaftsspiele der Oberligen und Landesligen für die männliche und weibliche Jugend A, B und C des HVN.

In der darauffolgenden Saison 2024/25 gilt für Vereine der Oberligen der männlichen und weiblichen Jugend A und B die verpflichtete Betreuung ihrer Mannschaften während der Meisterschaftsspiele durch einen Trainer oder eine Trainerin mit einer gültigen DOSB-Lizenz als Trainer*in B Leistungssport Handball oder höher. In der männlichen und weiblichen Jugend C bedarf es einen Trainer oder eine Trainerin mit einer gültigen DOSB-Lizenz als Trainer*in C Leistungssport Handball oder höher.

„Wir möchten sicherstellen, dass Nachwuchsleistungssportler*innen im Sinne der DHB-Rahmentrainingskonzeption ausgebildet werden“, kommentiert Jan Friedrich, Bildungsreferent Lehre des HVN, die Änderung. Von 2018 bis 2020 habe man die Ausbildungslehrgänge an die neuen Vorgaben des DHB bereits angepasst. „Das Erweiterte Präsidium hat unserem Antrag einstimmig zugestimmt, das zeigt uns, dass unsere Ideen auch bei den Handballregionen auf fruchtbaren Boden stoßen.“

Personen, die jetzt schon eine Mannschaft in der Oberliga trainieren, sollen die Möglichkeit bekommen, die notwendige Lizenz bis zur Saison 23/24, beziehungsweise 24/25 zu erwerben. Friedrich: „Wir bieten in diesem Jahr sechs C-Ausbildungen an – fünf davon sind schon ausgeschrieben –, es sind noch Plätze bei der diesjährigen B-Ausbildung frei. Falls uns danach noch Anfragen erreichen, mehr Ausbildungen anzubieten, dann werden wir alles daran setzen, eine Lehrgangsteilnahme zu ermöglichen.“

Vereine, die neu in die Oberliga aufsteigen, müssen die Lizenz gemäß Beschluss erst zwei Jahre später nachweisen, sofern sie dann noch in der Oberliga spielen. Für die Landesligen sind keine Lizenzvorgaben geplant. Bei den hiesigen Vereinen stößt die Entscheidung auf wenig Gegenliebe.

„Wir haben zwar aktuell keine Oberligamannschaft im Jugendbereich, aber es würde schwierig“, sagt etwa Christian Bien vom TV Cloppenburg. „Diese Entscheidung stellt gerade die kleineren Vereine vor große Probleme. Trainer mit C-Lizenz zu finden, könnte unter Umständen noch gehen, aber bei B-Lizenzlern wird es eng. Wir haben im TVC keinen. Mit uns hat auch niemand gesprochen und wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Ich sehe da noch eine Menge Gesprächsbedarf.“

Jonas Kettmann, Trainer der Garreler Drittligafrauen, sieht Vor- und Nachteile: „Die Grundidee ist für mich in Ordnung, weil man dadurch das Niveau in Spitze anheben will. Ich glaube aber nicht, dass das mit dieser Maßnahme zu schaffen ist. Lizenzierte Trainer können sich gerade die kleinen Vereine nicht leisten, die Konzentration auf die Leistungszentren wird noch verstärkt. Dann wird es keine Derbys zwischen Garrel und Höltinghausen in der Oberliga mehr geben, dann spielt nur noch der VfL Oldenburg gegen den Buxtehuder SV.“

Darüber hinaus erwartet Kettmann den Verlust einer Reihe von Übungsleitern. „Wir haben so viele gute und erfahrene Trainer, die seit Jahren – manchmal nur mit C-Lizenz, manchmal auch ganz ohne – wertvolle Arbeit leisten. Die werden sich sicherlich nicht mehr den Lehrgang zur B-Lizenz antun und einig von ihnen würden sicherlich aufhören.“

Kerstin Wichmann, Trainerin der Höltinghauser Landesligafrauen, gehört dazu: „Dann wäre ich raus. Ich habe keine Lizenz und mir fehlt die Zeit, eine zu erwerben. Gut ausgebildete Übungsleiter und Übungsleiterinnen sind sicherlich wünschenswert, aber höherklassige Mannschaften mit Lizenzinhabern zu bestücken, wird gerade für die kleinen Klubs schwer. Es ist so schon schwer genug, für alle Mannschaften Trainer zu finden. Wenn das so umgesetzt wird, ist das für viele kleine Vereine der Tod.“

Für Thomas Grotjan, dem stellvertretenden Abteilungsleiter Handball im BV Garrel, „ist es für die Ausbildung der Talente im höherklassigen Bereich natürlich super, wenn es lizenzierte Trainer gibt. Aber: Für die Vereine ist die Vorgabe schwer umsetzbar, sie sind meiner Meinung nach auch nicht genug ins Bild gesetzt worden. Auf jeden Fall wird ein schwieriges Unterfangen. Wir werden es in Garrel schon irgendwie darstellen können, weil wir auch einige Interessenten haben, die eine Lizenz erwerben möchten. Wir haben beim BVG in der kommenden Woche eine Vorstandssitzung, in der diese HVN-Vorgabe sicherlich ein Thema sein wird.“

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