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Landesligisten in der Corona-Warteschleife

Henning Rießelmann setzt Zeichen und verlängert in Lohne. Oythes Coach Raphael Dornieden erwartet Abbruch.

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Zweite Saison bei BW Lohne: Trainer Henning Rießelmann gab dafür am Dienstag seine Zusage. Foto: Schikora

Zweite Saison bei BW Lohne: Trainer Henning Rießelmann gab dafür am Dienstag seine Zusage. Foto: Schikora

Die heimischen Fußballer hängen in der Luft. Der Niedersächsische Fußballverband hat am Dienstag den kompletten Spielbetrieb bis einschließlich 19. April abgesagt. Seit vergangenen Freitag hatte zuvor eine Frist bis zum 23. März gegolten. Die fünf VEC-Landesligisten haben das Team-Training eingestellt und warten die weitere Entwicklung ab. Bei BW Lohne hat unterdessen Trainer Henning Rießelmann seinen Vertrag um ein Jahr verlängert.

Mit GW Mühlen und Falke Steinfeld haben zwei Landesliga-Teams in diesem Jahr noch gar nicht in die Punktspiele eingegriffen. Tabellenführer Lohne hat dagegen schon drei Partien absolviert, der VfL Oythe und TV Dinklage waren jeweils zweimal im Einsatz. Was machen die Teams zurzeit?

BW Lohne:

Der Spitzenreiter hofft natürlich, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Aber Trainer Henning Rießelmann kann sich vorstellen, dass die Serie abgebrochen und die nächste Saison mit altem Stand neu beginnt: „Davon gehe ich Stand heute aus. Fair wäre das nicht. Aber wir würden jede Entscheidung akzeptieren. Man sollte sich in so einer Situation nicht so wichtig nehmen.“ Dennoch fände es der Lohner Coach nicht schlecht, wenn es für den bisher starken Saisonauftritt auch eine Belohnung in Form des Aufstiegs geben würde. Der Trainer hat für die Spieler ein mit Videos angereichertes Trainingsprogramm verschickt und baut darauf, dass seine Mannschaft den zuletzt guten Fitnessstand auch halten kann – wenn es denn wieder losgeht.

Rießelmann hat außerdem am Dienstag seinen Vertrag bei BWL um ein Jahr verlängert, um ein „gutes Zeichen in ungewissen Zeiten zu setzen“, wie er sagt: „Es macht mir sehr viel Spaß im Verein. Egal ob jetzt Landesliga oder Oberliga – ich bleibe.“ Wobei das Ziel Oberliga weiter Gültigkeit behalte. Rießelmann, seit Juli 2019 im Amt, betont die „überragende Zusammenarbeit“ mit BWL-Fußball-Chef Manuel Arlinghaus. Und Arlinghaus betont: „Henning ist ein Glücksgriff für uns, er lebt Fußball und ist positiv fußballverrückt. Wir hatten schon länger Gespräche, die in Richtung Verlängerung gingen. Jetzt bin ich heilfroh über seine Zusage.“

VfL Oythe:

Raphael Dornieden macht sich keine Illusionen. „Ich habe keine Hoffnung, dass wir in dieser Saison noch mal Landesliga-Fußball spielen werden. Ich gehe davon aus, dass die Saison abgebrochen wird“, sagt der Trainer des VfL Oythe. Wie in diesem Fall Auf- und Abstieg geregelt werden sollen – „das spielt für uns keine große Rolle“, sagt Dornieden mit Blick auf die Tabellensituation. „Aber man wird es nicht schaffen, es allen Vereinen recht zu machen. Ich möchte nicht in der Haut derer stecken, die das entscheiden müssen.“ Die verlegte Europameisterschaft eröffnet laut Dornieden die Möglichkeit, die Saison zu verlängern. „Warum soll die Landesliga dann nicht auch bis August spielen?“

Auch wirtschaftlich hat die Krise Auswirkungen. „An Karsamstag hätten wir ein Heimspiel gegen Dinklage gehabt. Bei 600 bis 700 Zuschauern kann sich jeder ausrechnen, was uns da an Einnahmen entgeht“, sagt Dornieden. Andererseits sparen die Vereine auch Kosten, etwa fürs Flutlicht oder für Auswärtsfahrten. Grundsätzlich stellt Dornieden klar: „Man merkt einfach im Moment: Es gibt Wichtigeres als Landesliga-Fußball und auch als Profisport.“ Die Corona-Pause nutzt er dennoch, um mit Spielern und potenziellen Neuzugängen schon Gespräche für die nächste Saison zu führen. Denn der Oyther ist überzeugt: „Es wird eine Fußball-Saison 2020/21 geben. Die Frage ist nur, wann sie beginnen wird.“

TV Dinklage:

Trainer Steffen Bury hatte den letzten physischen Kontakt zum Team am Mittwoch vergangener Woche beim Training. Am Freitag kam dann die NFV-Absage. Seitdem hat Bury einen Mannschafts-Trainingsplan per WhatsApp verschickt. „Die Jungs sind alt genug“, sagt Steffen Bury zur Umsetzung der Vorgaben. Der Ex-Profi räumt ein, dass er angesichts der intensiven Saison auch nach dem Abbruch „noch voll im Wettkampfmodus“ gewesen sei. Deshalb habe er zum Beispiel auch keinerlei Gedanken an seine sportliche Zukunft verschwendet; Bury wird sein Engagement beim TVD zum Saisonschluss beenden, sein Nachfolger ist Stefan Arlinghaus (aktuell GW Brockdorf). Und: Andere Vereine, so er denn überhaupt einen suche, haben zurzeit auch andere Sorgen. Für Steffen Bury bleibt vorerst nur die Hoffnung, dass er auch seine zweite Spielzeit beim TVD zu einem positiven Ende bringen kann. Derzeit ist man Tabellenfünfter, das ist gegenüber Rang zehn am Ende der vergangenen Serie schon eine Verbesserung.

GW Mühlen:

Vor knapp drei Wochen sprach Mühlens Coach Ingo Soremba noch von „der besten Vorbereitung, die ich als Trainer der Ersten je hatte“. Seitdem verzeichnete GW Mühlen allerdings keinen einzigen Punktspieleinsatz mehr. Die Mühlener befinden sich durch die Spielpause und die Ungewissheit, wie es weitergeht, in einer unangenehmen Situation. Das Team steht auf einem Abstiegsplatz. Die Saison zu beenden und „die Tabelle jetzt so zu nehmen, wäre super ärgerlich“, sagt Soremba. Falls es so sein sollte, rechnet er damit, dass vor allem „die unterschiedliche Spielanzahl für Unruhe sorgen wird“. Zum Teil haben einige Teams sechs Spiele mehr absolviert als andere. Im Zuge dessen kritisiert er auch die Organisation der Liga: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass die Saison schon im Februar losgeht. Die Spiele fallen sowieso aus.“ Trotzdem betont auch der Coach, dass Fußball nur „eine Nebensache“ sei und es derzeit „wichtigere Themen gibt“. Sein Team hält sich mit individuellem Training auf Trab, das Pensum wird per WhatsApp-Gruppe überprüft, es gebe interne Rankings, erklärt Soremba.

Falke Steinfeld:

Der Aufsteiger teilt sein Schicksal mit dem Gemeindenachbarn GW Mühlen – das Team steht aktuell ebenfalls auf einem Abstiegsplatz. Bei Steinfeld-Trainer Artur Zimmermann klingt es dann auch fast so wie bei seinem Mühlener Pendant: „Wenn man die letzten sechs Teams jetzt einfach absteigen lässt, wäre das unfair.“ Er glaubt allerdings auch nicht, dass so entschieden wird und geht von einer Verlängerung der Saison aus. Die Ungewissheit plagt aber natürlich auch ihn: „Es ist schwierig, wir wissen nicht, was kommen wird.“ Auch Zimmermann äußert sich zu der Organisation des Spielbetriebs: „Wir könnten den Juni durchspielen. Die kürzere Pause bis zum nächsten Saisonanfang wäre nicht so schlimm. Das ist ein Ausnahmezustand.“

Falke hält sich mit individuellen Einheiten in Kraft und Ausdauer fit – mit drei Intervallen pro Woche. Die Planungen für die nächste Saison sind größtenteils abgeschlossen, „ein bis zwei Nachverpflichtungen sind noch geplant“, so Artur Zimmermann.

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