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Kreuzbandriss und Corona kosten Karriere

Gwendolin Lake beendet ihre aktive Volleyballlaufbahn. Die langjährige Leistungsträgerin des TV Cloppenburg ist inzwischen längst in Hamburg heimisch geworden.

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Immer mit vollem Einsatz: 2005 begann Gwendolin Lake ihre Volleyballkarriere beim TV Cloppenburg und spielte 9 Jahre lang für ihren Heimatverein. Mit Bayer Leverkusen sollte später noch die Meisterschaft in der 2. Bundesliga feiern. Foto: Langosch

Immer mit vollem Einsatz: 2005 begann Gwendolin Lake ihre Volleyballkarriere beim TV Cloppenburg und spielte 9 Jahre lang für ihren Heimatverein. Mit Bayer Leverkusen sollte später noch die Meisterschaft in der 2. Bundesliga feiern. Foto: Langosch

Ihre Volleyballkarriere wird sie beenden müssen, aber die gute Laune lässt sich Gwendolin Lake dennoch nicht vermiesen. Die langjährige Außenangreiferin des TV Cloppenburg, bei dem sie als Fünftklässlerin mit "ihrem" Sport begann und mit dem sie bis in die Dritte Liga aufstieg, wird auf ärztliches Anraten hin die Volleyballschuhe an den Nagel hängen.

Im November 2019 zog sich Lake in einem Punktspiel ihres aktuellen Vereins, dem 1. VC Norderstedt, einen Kreuzbandriss zu, der sie lange außer Gefecht setzte, inzwischen macht ihr die Coronapandemie einen Strich durch die Rechnung und bestärkt sie in ihrem Entschluss, Volleyball Volleyball sein zu lassen. "Die Verletzung habe ich mir ohne gegnerische Einwirkung zugezogen, ds Kreuzband, das Innenband und der Meniskus rissen", erzählt die 26-Jährige. "Es waren krasse Schmerzen, ich fühlte mich gleich an 2014 erinnert, als ich mir dasselbe Kreuzband schon einmal gerissen hatte."

Glück im Unglück: Die zweite der beiden Operationen, die nach der Verletzung in Norderstedt fällig wurde, ging kurz vor Ausbruch der Pandemie über die Bühne. "Ein paar Wochen später hätte es wohl nicht mehr geklappt, weil nicht-lebensnotwendige Operationen erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben wurden", sagt Lake. Für sie persönlich hatte Corona dann sogar etwas Gutes: "Nach der OP war ich ja an zu Hause gebunden, aber weil nichts mehr an Veranstaltungen war und das normale Treffen von Freunden und Bekannten unter Coronabedingen nicht möglich war und ist, habe ich nicht viel verpasst. Im Gegenteil, die Zeit zu Hause habe ich als sehr wertvoll wahrgenommen."

Abschied mit Blumen: Gwendolin Lake (links) verließ den TVC nach Ende der Saison 20132014, gemeinsam mit Simone Elsner. Foto: LangoschAbschied mit Blumen: Gwendolin Lake (links) verließ den TVC nach Ende der Saison 2013/2014, gemeinsam mit Simone Elsner. Foto: Langosch

Zu Hause, das ist für Gwendolin Lake inzwischen Hamburg. Gemeinsam mit ihrem Freund Dirk Hömmen, ehemaliger Fußballer des TuS Emstekerfeld, lebt sie im Stadtteil Eimsbüttel und fühlt sich in der Hansestadt pudelwohl: "Ich bin hier angekommen, Dirk und ich haben uns einen tollen Freundes- und Bekanntenkreis aufgebaut. Außerdem haben wir unfassbares Glück mit der Wohnung gehabt - ich kann mir nicht vorstellen, in den nächsten Jahren von hier wegzuziehen."

"Meine Eltern meinten, ich sei nicht teamfähig und deshalb sollte ich einen Mannschaftssport betreiben."Gwendolin Lake

Daran ändert auch die beendete Volleyballlaufbahn nichts. Dank eines Tipps vom damaligen Abteilungsleiter, Gisbert Witte, kam Gwendolin Lake unter die Fittiche von Trainer Panos Tsironis. "Meine Eltern meinten, ich sei nicht teamfähig und deshalb sollte ich einen Mannschaftssport betreiben", erzählt die Kauffrau für Marketing und Kommunikation lachend. „Ich habe fast alles ausprobiert und bin dann beim Volleyball gelandet.“

Lakes Talent blieb nicht lange unentdeckt und die Cloppenburgerin wurde in die Landesauswahl berufen. "Aber, auch das gehört zur Wahrheit, ich durfte eigentlich nie spielen. Wir waren ein enorm starker Jahrgang. Ich gehörte zwar fest zum Kader, aber zum Zug bin ich nie gekommen. Irgendwann hat mir der Trainer mal gesagt, dass es leistungsmäßig nicht reicht, ich aber gut für die Stimmung im Team sei. Das war sehr frustrierend", erzählt Lake und kann heute darüber herzhaft lachen.

Studium in Köln: Volleyball bei Bayer Leverkusen

Wegen ihres Studiums in Köln wechselte Gwendolin Lake zu Bayer Leverkusen und schaffte mit dem Werksteam die Meisterschaft in der 2. Bundesliga. Der Aufstieg ins Oberhaus blieb aber verwehrt. "Es war von vornherein klar, dass die 1. Liga nicht infrage kam. Dafür war bei Bayer das Geld nicht da."

Nach ihrem Studium begann Lake ihre Ausbildung zur Kauffrau für Marketing und Kommunikation, und zwar beim Unternehmen Husare in Emsdetten. Dafür zog sie nach Münster um. Nach der zweijährigen Lehre ging es dann nach Hamburg. "Da kam es mir natürlich sehr gelegen, dass Husare mir anbot, von dort aus weiter für die Firma zu arbeiten", erzählt Lake.

"Nebenbei" kümmerte sie sich um einen neuen Volleyballverein. "Über Anisa Zarac, die ich noch aus Leverkusener Zeiten kenne, bin ich dann zum 1. VC Norderstedt gekommen", sagt Lake. Beim VCN versammelte sich eine Reihe früherer Topspielerinnen. "Wir haben uns bis in die Regionalliga vorgearbeitet und waren dennoch eine überqualifizierte Mannschaft." Und so verzichtete der VCN auf den Aufstieg in die Dritte Liga, auch wenn er zum Zeitpunkt des coronabedingten Saisonabbruchs die Tabelle anführte. "Den Aufwand mit den vielen extrem langen Auswärtsfahrten wollten wir nicht mehr betreiben", erzählt Lake, der die persönliche Entscheidung mit ihrer schweren Verletzung abgenommen wurde.

Da das Karriereende inzwischen so gut wie feststeht, schaut sich Gwendolin Lake nach sportlichen Alternativen um. "Vom Joggen haben mir die Ärzte abgeraten, gerade wenn im Winter die Strecken rutschig sind. Fitnesstraining macht mir nur bedingt Spaß", meint Gwendolin Lake, die aber im Sommer Stand-up-Paddling für sich entdeckt hat. "Dirk und ich haben uns Boards besorgt und fahren dann auf dem Isebekkanal. Das macht riesigen Spaß, vor allem, weil es zu Fuß gerade einmal 10 Minuten sind, bis wir auf dem Wasser sind."

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