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Komplizierte Saison – nicht nur sportlich

„Wir freuen uns riesig auf die Herausforderung“, sagt Trainer Barna-Zsolt Akacsos. Für den Neuling in der dritthöchsten deutschen Spielklasse zählt in der Saison2020/2021 nur der Klassenerhalt.

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TV Cloppenburg 2020/2021: Hintere Reihe von links: Aljoscha Mick, Bence Lugosi, Niels-Uwe Hansen, Ole Harms, Jannik Koellner und Mikkel Beck. Mittlere Reihe von links: Cotrainer Kevin Rake, Adam Pal, Matthias Andreßen, Paulus Götting, Hendrik Legler, Nils Goepel, Trainer Barna-Zsolt Akacsos sowie Physiotherapeutin Marlen Osterburg. Vordere Reihe von links: Edwin de Raad, Max Tapken, Erik Gülzow, Jeppe Villumsen, Mark Schulat und Vincent Saalmann. Foto: Wulfers

TV Cloppenburg 2020/2021: Hintere Reihe von links: Aljoscha Mick, Bence Lugosi, Niels-Uwe Hansen, Ole Harms, Jannik Koellner und Mikkel Beck. Mittlere Reihe von links: Cotrainer Kevin Rake, Adam Pal, Matthias Andreßen, Paulus Götting, Hendrik Legler, Nils Goepel, Trainer Barna-Zsolt Akacsos sowie Physiotherapeutin Marlen Osterburg. Vordere Reihe von links: Edwin de Raad, Max Tapken, Erik Gülzow, Jeppe Villumsen, Mark Schulat und Vincent Saalmann. Foto: Wulfers

Sprung geschafft. Die Handballer des TV Cloppenburg haben ihr Ziel erreicht und sind nach vielen Jahren in der Oberliga Nordsee in die 3. Liga aufgestiegen. In der dritthöchsten deutschen Spielklasse waren die Cloppenburger zuletzt vor 20 Jahren unterwegs gewesen.

In der Saison 2000/2001 spielte der TVC in der damaligen Regionalliga – und stieg nach nur einem Jahr wieder ab. Seitdem gehörte Cloppenburg zum „Stammpersonal“ der Oberliga Nordsee. 2017 schickten sich die Verantwortlichen an, diesen Zustand zu verändern. Mit neuem Coach entwickelten sie einen Mehrjahresplan, an dessen Ende der Aufstieg stehen sollte. Der positiv handballverrückte Coach Barna-Zsolt Akacsos entwickelte eine Mannschaft, die sich stetig verbesserte und sich in der vergangenen Saison ein intensives Duell um die Meisterschaft mit dem ATSV Habenhausen lieferte. „Insgeheim hatte ich gehofft, dass wir nach drei Jahren so weit sind. Nun hat es geklappt. Das ist eine sehr schöne Geschichte“, freut sich der Trainer.

Hatte der TVC nach bärenstarker Hinrunde noch klar die Nase vorn, zogen die Bremer in der zweiten Saisonhälfte groß auf und übernahmen die Tabellenführung – bevor Corona den sportlichen Wettstreit beendete. Die Runde wurde abgebrochen, punktgleich lagen Habenhausen und Cloppenburg vorn, wobei der ATSV wegen des besseren Torverhältnisses Platz eins einnahm.

Foto: Langosch Foto: Langosch 

Das Verfahren, wie die Saison zu werten sei, zog sich hin. Am Ende reichte es für beide Teams. Der Deutsche Handballbund (DHB) stockte die Anzahl der Drittligateams von 64 auf 72 auf, der TVC profitierte davon und durfte einen dieser zusätzlichen Plätze einnehmen.

So langwierig das Procedere war, bot es einen Vorgeschmack darauf, wie ruckelig und kompliziert die Saison 2020/2021 werden kann. Corona bleibt das beherrschende Thema. Der DHB richtete vier 18er-Staffeln ein. Das bedeutet eine lange Saison, die zu Pandemiezeiten ein riskantes Unterfangen darstellt. Der TVC erlebte es in den jüngsten Wochen am eigenen Leib. Der Landkreis Cloppenburg verhängte coronabedingt ein generelles Trainings- und Spielverbot. Das warf die Mannen um Coach Akacsos nicht nur in der Vorbereitung erheblich zurück, sie mussten darüber hinaus auch noch ihren Saisonstart verschieben. Anstatt am 3. Oktober beim ASV Hamm-Westfalen II zu starten, soll es nun erst am kommenden Sonntag (18. Oktober, 17 Uhr) beim VfL Eintracht Hagen los – mit nur gut einer Trainingswoche nach der etwa einen Monat währenden Zwangspause.

Darüber hinaus ist noch fraglich, ob überhaupt gespielt werden kann. Hagens Partie am vorigen Wochenende bei der ESG Gensungen/Felsberg fiel kurzfristig aus, da es in Kreisen der Eintracht einen Coronafall gab. Die Hagener waren bereits in Gensungen angekommen und traten unverrichteter Dinge wieder die Heimreise an. Der gesamte Kader unterzieht sich aktuell Coronatests. Und nur, wenn alle negativ ausfallen, findet die Begegnung am Sonntag auch tatsächlich statt.

TVC international: Der Ungar Adam Pal (links) und Mikkel Beck aus Dänemark haben sich zur neuen Saison dem Drittligaaufsteiger Cloppenburg angeschlossen.Foto: LangoschTVC international: Der Ungar Adam Pal (links) und Mikkel Beck aus Dänemark haben sich zur neuen Saison dem Drittligaaufsteiger Cloppenburg angeschlossen.Foto: Langosch

Kein Wunder, dass der Trainer dem Auftakt angesichts dieser Umstände mit gemischten Gefühlen entgegenblickt: „Eine solche Situation habe ich noch nicht erlebt. Immerhin dürfen wir seit vergangenem Donnerstag wieder trainieren und haben auch am Wochenende Einheiten eingeschoben. Aber wir müssen mit der Belastung aufpassen. Verletzungen sind meine größte Sorge. Nach der vierwöchigen Pause sind nun die ersten Beschwerden aufgetaucht.“ Die Verfügung des Landkreises hat für den TVC einiges über den Haufen geworfen. „Bis zum 12. September waren wir voll im Plan, dann kam das Sportverbot. So sind wir zum ersten Spiel auf keinen Fall vorbereitet“, meint Akacsos. „Wann wir es sein werden, kann ich nicht sagen. Kraft und Ausdauer haben meine Spieler individuell trainiert, Dynamik und Schnelligkeit sowie die Feinabstimmung in der Mannschaft haben wir jedoch verloren. Aber wir jammern nicht, sondern nehmen die Situation so, wie sie ist.“

Seinen Kader hat der Aufsteiger kräftig aufgemöbelt, um für das „Abenteuer 3. Liga“ gewappnet zu sein. Mit den beiden Dänen Jeppe Villumsen und Mikkel Bock sowie dem Ungarn Adam Pal holten sich die Cloppenburger drei internationale Verstärkungen. Dazu kommt Nils Goepel vom letztjährigen Staffelgefährten HSG Schwanewede-Neuenkirchen. „Die Zugänge haben sich sehr gut integriert, damit bin ich sehr zufrieden“, sagt Akacsos. Sportliche Defizite muss Nils Goepel aufholen, den eine Bandscheibenverletzung ausgebremst hatte. „Die ist aber auskuriert, gut möglich, dass Nils schon am Sonntag in Hagen dabei ist“, meint Akacsos. Ganz so positiv sieht es bei Adam Pal nicht aus, den stete Schulterbeschwerden zu schaffen machen. Eine MRT-Untersuchung soll eine genaue Diagnose und damit gezielte Behandlungsmöglichkeiten bringen. Auf Kapitän Erik Gülzow (Schulteroperation) wird der TVC darüber noch geraume Zeit verzichten müssen.

Nachwuchsarbeit trägt Früchte

Neben den externen Zugängen trägt die in den vergangenen Jahren intensivierte Nachwuchsarbeit erste Früchte. Mit Aljoscha Mick, Peter Gronotte und Torhüter Paulus Götting ergänzen drei Youngster das Aufgebot. Wobei die beiden Feldspieler auch noch in der A-Jugend zum Einsatz kommen dürfen.

Das Saisonziel für den Aufsteiger lautet Klassenerhalt. „Wenn wir das schaffen , haben wir alles erreicht. Viel mehr ist bei unseren Möglichkeiten nicht drin. Dazu gibt es zu viele andere Mannschaften, die unter Profibedingungen in der 3. Liga antreten. Es gibt vier Absteiger, also müssen wir vier Mannschaften hinter uns lassen. Das wird schon schwer genug“, findet Trainer Akacsos. „Aber wir freuen uns riesig auf die neue Herausforderung. Meine Spieler und ich sind richtig heiß darauf, endlich loszulegen.“


  • Abgänge: Janik Köhler (HSG Delmenhorst), Chris Danielzik (Elsflether TB), Robin Imhorst (beruflich nach Hannover), Torwarttrainer Stephan Schulat (zeitliche Gründe).
  • Zugänge: Adam Pal (FKSG Algyö, Ungarn), Mikkel Beck (Frederiksberg IF, Dänemark), Jeppe Villumsen (HØJ Elite Handbold, Dänemark), Nils Goepel (HSG Schwanewede-Neuenkirchen), Paulus Götting, Aljoscha Mick, Peter Gronotte (alle eigene Jugend).
  • Kader
  • Tor: Hendrik Legler, Nils Buschmann, Paulus Götting.
  • Feld: Nils Goepel, Jeppe Villumsen, Mikkel Beck, Adam Pal, Jannis Koellner, Mark Schulat, Erik Gülzow, Bence Lugosi, Edwin de Raad, Ole Harms, Vincent Saalmann, Niels-Uwe Hansen, Maximilian Tapken, Matthias Andreßen, Max Borchert, Aljoscha Mick, Peter Gronotte.
  • Trainer:Barna-Zsolt Akacsos.
  • Cotrainer: Kevin Rake.
  • Physiotherapeutinnen: Laura Schultz, Marlen Osterburg.
  • Sportlicher Leiter: Georg Engelhardt.
  • Saisonziel: Klassenerhalt.
  • Meistertipp: VfL Eintracht Hagen, TuS Vinnhorst.

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