Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Klubchef Niemeyer über die Rasta-Krise: "Mir geht's ganz beschissen damit"

Im OM online-Interview spricht der Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten über den drohenden Abstieg, die Trainerfrage und das Verletzungspech.

Artikel teilen:
Blick nach vorne: Rastas Klubchef Stefan Niemeyer, hier am Sonntag beim Spiel gegen München. Foto: Schikora

Blick nach vorne: Rastas Klubchef Stefan Niemeyer, hier am Sonntag beim Spiel gegen München. Foto: Schikora

Acht Punkte Rückstand auf das rettende Ufer – für die Basketballer von Rasta Vechta ist der Klassenerhalt in der 1. Bundesliga in den vergangenen Wochen in weite Ferne gerückt. Die Konkurrenz punktete, Rasta dagegen nicht – der personell arg dezimierte Tabellenletzte verlor die letzten acht Spiele. Gibt es noch Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt? Warum läuft's nicht? Plant Rasta bereits für die 2. Liga ProA? Bleibt Trainer Thomas Päch im Fall des Abstiegs? Viele Fragen, die Klubchef Stefan Niemeyer im OMonline-Interview beantwortet.

Rastas Geschäftsführer blickt der Realität ins Auge. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bayern, Alba, Oldenburg und Co. auch in der kommenden Saison an der Pariser Straße auflaufen, sei „im Moment sehr gering“, so Niemeyer. Solange rechnerisch noch etwas möglich sei, solle man die Hoffnung zwar nicht aufgeben. Aber der aktuelle Tabellenstand löse nicht gerade Zuversicht aus. Es werde „sehr, sehr schwer“ mit dem Klassenerhalt, erklärt Niemeyer vor dem Heimspiel am Samstag (13. Mai, 18.00 Uhr) gegen Ratiopharm Ulm.

Der 60-Jährige räumt ein, dass ihm die sportliche Misere (6:38 Punkte nach 22 Spielen) arg zu schaffen macht. „Mir geht's ganz beschissen damit“, so Niemeyer: „Ich nehme mir das sehr zu Herzen, es belastet mich auch persönlich.“ In Zeiten der Coronavirus-Pandemie gehe man ohnehin „mit dünner Haut durchs Leben“, sagt der Klubchef: „Und dann belastet das noch mehr“.



Dass Rasta nur zwei Jahre nach dem sensationellen Einzug ins Playoff-Halbfinale nun dem dritten BBL-Abstieg nach 2014 und 2017 entgegensteuert, hat laut Niemeyer mehrere Gründe. „Wir sind sehr schwach gestartet“, erklärt er mit Blick auf die elf Niederlagen in den ersten elf Spielen – eine Hypothek, die Rasta nicht ansatzweise abtragen konnte. Die Geisterspiel-Atmosphäre sei für einen Außenseiter wie Rasta auch nicht förderlich gewesen. „Die Zuschauer im Rücken haben gefehlt“, so Niemeyer.

Der Hauptgrund für die Durststrecke sei allerdings das „große Verletzungspech“. In den vergangenen Wochen fehlten zumeist drei Leistungsträger, gegen München sogar vier. „Damit ist es schwer, Siege zu holen“, sagt Niemeyer. Jean Salumu, bis zur erneuten Verletzung Topscorer des Teams, hat bisher neun Spiele verpasst, Philipp Herkenhoff sogar 16, Center Dennis Clifford fünf und Kapitän Josh Young drei.

Fakt sei jedoch auch, dass Spieler, die als Leistungsträger geholt wurden, nicht wie erhofft funktioniert haben – wie Stefan Peno und Jordan Barnett. Darauf angesprochen, nimmt der Klubchef kein Blatt vor den Mund. Er persönlich sehe das „sehr kritisch“, auch etwas kritischer als der Trainerstab. Niemeyer: „Alle sind unzufrieden mit dem, was die beiden leisten.“ Es sei, um es auf den Punkt zu bringen, „schlecht gelaufen“.

Auf die Frage, ob Coach Päch, der im Juni 2020 einen Zweijahresvertrag erhalten hat, auch im Falle eines Abstiegs im Amt bleiben würde, sagt Niemeyer: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, das werden die kommenden Wochen zeigen.“ Man werde nach der Saison ein Fazit ziehen. Dem Trainer jetzt die alleinige Schuld an der prekären Lage zu geben, sei „verfrüht und das fände ich auch nicht richtig“.

Nur Zuschauer: Jean Salumu (links) und Dennis Clifford beim Spiel gegen Bayern München. Foto: SchikoraNur Zuschauer: Jean Salumu (links) und Dennis Clifford beim Spiel gegen Bayern München. Foto: Schikora

Natürlich habe man in der Hinserie die Trainerthematik „fortlaufend diskutiert“, sich im Gegensatz zu Konkurrenten wie Bonn oder Gießen aber gegen einen Wechsel entschieden – auch weil die letzten zwei Trainerwechsel während einer Saison (Elzie für Arigbabu in der ProA, Spradley für Wagner in der BBL) wirkungslos gewesen seien. Die konkrete Planung für die ProA habe noch nicht begonnen, „wir müssen damit aber bald beginnen“, so Niemeyer mit Blick auf die Fristen für den Lizenzantrag.

Dass Rasta die Corona-Saison 20/21 ohne Zuschauer finanziell unbeschadet meistert, ist für Niemeyer eine gute Basis für die Zukunft: „Wir haben wirtschaftlich top geplant, wir stehen solide da.“ Klingt nach: Operation gelungen, Patient tot – oder? Ja, das habe er so auch schon mal gesagt. „Und dazu stehe ich auch“, meint Niemeyer.

Die kaufmännische Vernunft im Sommer, also das Sparen am Kader, sei damals richtig gewesen. Niemeyer sagt allerdings auch: „Wenn ich geahnt hätte, dass wir vom Staat Ersatz bekommen für die ausgefallenen Ticketeinnahmen, wären wir mit Sicherheit etwas anders an die Saison herangegangen und hätten mehr Tiefe im Kader geschaffen.“

An Rastas Anspruch, zu den Top 20 in Deutschland zu gehören, werde sich auch bei einem Abstieg nichts ändern. Der Wiederaufstieg wäre ein Ziel („Wir wollen 1. Liga spielen“), aber „kein Muss“, so Niemeyer, der in der ProA inzwischen mehr Teams mit Erstliga-Ambitionen sieht. Mit Blick auf die Fans sieht Niemeyer nicht die Gefahr der Entwöhnung nach über einem Jahr ohne Live-Event: „Ich glaub', die Leute sind hungrig, Spiele wieder in der Halle zu sehen. Ich hoffe, dass wir das ab September wieder bieten können.“

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Klubchef Niemeyer über die Rasta-Krise: "Mir geht's ganz beschissen damit" - OM online