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Kleines Derby mit besonderen Vorzeichen

BW Lohne reist am Sonntag mit vielen ehemaligen Bersenbrückern zum TuS. Es wartet eine spezielle taktische Herausforderung.

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Kontrolle in der Abwehr: Lohnes Felix Oevermann (links) gegen den Oldenburger Bourdanne Ngongfor. Die BWL-Dreierkette Oevermann-Beermann-Westerhoff stand beim Saisonauftakt sehr sicher. Foto: Schikora

Kontrolle in der Abwehr: Lohnes Felix Oevermann (links) gegen den Oldenburger Bourdanne Ngongfor. Die BWL-Dreierkette Oevermann-Beermann-Westerhoff stand beim Saisonauftakt sehr sicher. Foto: Schikora

Es ist das einzige Saisonduell für BW Lohne, das noch in den Rahmen eines Derbys passt: Der Aufsteiger zur Fußball-Oberliga gastiert am Sonntag um 15.00 Uhr beim TuS Bersenbrück, der schon seit vier Jahren in dieser Staffel vertreten ist. Die Platzierungen acht, fünf, fünf und wieder acht zeugen hier von hoher Stabilität. Die wahre Brisanz der Ansetzung BSB gegen BWL ergibt sich allerdings sich nicht aus der geringen Distanz von 28 Kilometern, sondern aus dem Umstand, dass sieben ehemalige Bersenbrücker Spieler jetzt in Lohne spielen.

Frank Placke, Gino Lago-Bentron, Andrej Homer, Aaron Goldmann, Sandro Heskamp, Gerrit Menkhaus und Torwart Christoph Bollmann waren schon für den TuS aktiv; sogar Lohnes Trainer Henning Rießelmann hat als Spieler drei Jahre lang das Bersenbrücker Trikot getragen. Nachdem Goldmann, Heskamp und Menkhaus vor der Saison 2019/20 zum damaligen Landesligisten wechselten, ging es mit BWL bergauf. Vor dieser Saison holte Rießelmann noch Bollmann rüber. Mit Ausnahme des langzeitverletzten Frank Placke und des einmalig aussetzenden Gerrit Menkhaus (Schambeinentzündung) brennen alle Ex-Bersenbrücker auf das zweite Saisonspiel.

Auch Sandro Heskamp. Der Sechser und spielende Co-Trainer hat dreieinhalb Jahre für Bersenbrück gespielt. Der 26-Jährige sagt: „Das Spiel hat eine unfassbar hohe Brisanz.“ Heskamp nennt drei Gründe: die ehemaligen Bersenbrücker im Lohner Team, das erste BSB-Heimspiel seit der Corona-Krise – und das erste Spiel nach dem tragischen Tod von TuS-Größe Emil Jula, mit dem Heskamp noch zusammengespielt hat und der am 22. August nach einem Herzinfarkt starb. Das war auch für Heskamp eine schmerzvolle Erfahrung; im Januar war er noch bei Julas 40. Geburtstag. Die Gastgeber werden mit Emil-Jula-Aufwärm-Shirts und Trauerflor antreten. Sandro Haskamp hält es auch für gut, wenn man mit gewissen Emotionen ins Spiel geht. Für Sonntag sagt er: „Wir müssen aber auch kühlen Kopf bewahren.“ Der im Krankenhaus befindliche TuS-Coach Farhat Dahech wird von Thomas Uchtmann aus der Jugendabteilung und Torwarttrainer Max Grimm vertreten.

Rießelmann rechnet mit defensivem Gegner

BW Lohne hat mit dem 1:1 gegen den VfL Oldenburg einen möglichen Blitzstart vergeben, Bersenbrück hat ihn mit einem satten 3:0 beim FC Hagen/Uthlede realisiert. Lohnes Trainer Henning Rießelmann geht davon aus, dass die Gastgeber defensiv ausgerichtet sind und die Lohner kommen lassen. Gegenmaßnahmen wurden bei den Blau-Weißen erörtert. Eine ist, dass man bei eigenen Angriffen zum Abschluss kommen will, um Konter einzuschränken. Rießelmann ahnt: „Das wird ein 50:50-Spiel – und ein Geduldsspiel.“

Die Lohner, die für ihre Fans 100 Karten erhalten haben (maximal 350 Besucher), rechnen mit einem hochmotivierten Gegner. Zwischen vielen Spielern beider Teams bestehen persönliche Kontakte. Auf Bersenbrücker Seite stellt vor allem die Achse mit den langen Innenverteidigern Mark Flottemesch und Nicolas Eiter sowie Sechser Tobias Guthardt (alle an die zwei Meter groß) ein Bollwerk dar. Vorne muss man den schnellen Markus Lührmann und den torgefährlichen Max Tolischus engmaschig überwachen.

BW Lohne darf mit 19 Spielern anreisen. Neben den Verletzten Frank Placke, Jakub Bürkle und Gerrit Menkhaus müssen drei oder vier Spieler gestrichen werden; auf jeden Fall sollen sie Spielpraxis in der Zweiten gegen den BV Garrel erhalten. Menkhaus' kurzfristiger Ausfall könnte durch eine Zurückbeorderung von Claude Videgla auf die „6“ kompensiert werden, sodass offensiv eine Stelle vakant wäre. Taktisch ist es noch nicht ausgegoren, aber eine Hereinnahme der Ex-Bersenbrücker Lago-Bentron oder Homer böte sich an. Sie dürften wie die fest eingeplanten Bollmann, Heskamp und Goldmann besonders motiviert sein.

Henning Rießelmanns Respekt vor der Bersenbrücker Geschlossenheit ist groß. Dabei kehrt er selbst mit positiven Gedanken an seine alte Wirkungsstätte zurück: „Ich hatte dort drei wunderbare Jahre unter Trainer Paul Timphaus in der Niedersachsenliga.“ Wunderbar wäre für ihn eine Rückkehr jetzt aber nur mit einem Sieg: „Wir fahren da hin, um zu gewinnen.“

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