Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Klangvolle Namen und Debüt im Ausland

Der Fußball-Schiedsrichter Christian Scheper aus Emstek erlebt in seiner neuen Heimat, Nordrhein-Westfalen, ein Highlight nach dem anderen. Viele Partien wird der 31-Jährige jedoch nicht mehr leiten.

Artikel teilen:
Klare Linie: Im Oktober vergangenen Jahres leitete Christian Scheper vor 9000 Zuschauern die Regionalliga-Partie zwischen RW Essen und dem SC Wiedenbrück (0:0). Hier zeigt er dem Essener Daniel Heber nach einer Notbremse die Rote Karte. Foto: Imago Images/Jens Dünholt

Klare Linie: Im Oktober vergangenen Jahres leitete Christian Scheper vor 9000 Zuschauern die Regionalliga-Partie zwischen RW Essen und dem SC Wiedenbrück (0:0). Hier zeigt er dem Essener Daniel Heber nach einer Notbremse die Rote Karte. Foto: Imago Images/Jens Dünholt

Als Christian Scheper im Sommer 2019 ins Rheinland zog, wusste er, dass er dort sein privates Glück finden würde. Eigentlich hatte er es schon längst gefunden. Ramona, eine Troisdorferin, lernte er vor rund acht Jahren in einem Türkei-Urlaub kennen. Seitdem sind beide ein Paar, das vor wenigen Wochen mit der kleinen Malena erstmals Nachwuchs bekam. Dass der 31 Jahre Fußball-Schiedsrichter aus Emstek in Nordrhein-Westfalen aber auch sportlich einen Volltreffer landen sollte, hatte er so nicht erwartet. „Ich habe im Kreis Cloppenburg und im Norden viele schöne Spiele leiten dürfen – aber hier jagt gefühlt ein Highlight das nächste. Die vergangenen zweieinhalb Jahre waren schon meine schönsten als Schiedsrichter“, sagt Christian Scheper.

Bereits seine zweite Partie in der neuen Heimat war ein fußballerischer Leckerbissen. Die attraktive Regionalliga West, Rot-Weiss Essen, das Stadion an der legendären Hafenstraße, knapp 10 000 Zuschauer. „Das war ein sensationeller Start, unvergesslich“, sagt er rückblickend zu Essens 2:1-Sieg über den 1. FC Köln II. Das sahen auch die Schiedsrichter-Beobachter so, die ihm für seine Leistung eine gute Note ausstellten.

Auch deshalb durfte Christian Scheper kurze Zeit später sein internationales Debüt als Unparteiischer feiern. „In Luxemburg pfiff ich das Spiel zwischen F91 Düdelingen und RFCU Luxemburg.“ Eine Spielzeit zuvor waren die Gastgeber in der Champions League noch gegen so namhafte Klubs wie AC Mailand und Betis Sevilla angetreten. Danach folgten eine weitere Begegnung in Luxemburg sowie viele in der Regionalliga – einige Duelle, bei denen Scheper als Referee fungierte, wurden live im TV-Sender Sport1 übertragen.

Christian Scheper. Foto: ScheperChristian Scheper. Foto: Scheper

Im März 2020 kam zwar Corona und Spielzeiten wurden erst unter- und dann abgebrochen, doch während viele Sportler seit nunmehr fast zwei Jahren oft zu Hause sitzen müssen, „hatte ich das Privileg“, so Scheper, „dass die Regionalliga West eine von nur vier Klassen in Deutschland war, in der weitergespielt wurde. Das war für mich ein Glücksfall“.

So kam er in den Genuss weiterer sportlicher Highlights. „Beim Tag der Amateure, dem Pokalfinaltag, der immer in der ARD gezeigt wird, durfte ich 2020 das Mittelrhein-Endspiel zwischen Düren und Aachen pfeifen.“ Und beim Trainerdebüt von Steffen Baumgart beim 1. FC Köln hatte er vor gut einem halben Jahr im Freundschaftsspiel bei Fortuna Köln vor 4000 Fans ebenfalls das Sagen. „Baumgart ist ein sehr sympathischer Typ, so wie man ihn aus dem Fernsehen kennt.“

Auch in der laufenden Saison ist Christian Scheper wieder hauptsächlich in der Regionalliga West unterwegs, in der so viele Vereine mit klangvollen Namen kicken – neben RW Essen, Alemannia Aachen sind unter anderem auch Preußen Münster, der Wuppertaler SV, 
RW Oberhausen und mehrere Bundesliga-Reserven am Start.

"Es wird mir schon schwer fallen, aufzuhören"Christian Scheper

Doch für Scheper, der im Ordnungsamt der Stadt Troisdorf arbeitet, werden die kommenden fünf Monate zu einer Art Abschiedstour. „Ich habe mich dazu entschieden, ab Sommer keine Spiele mehr zu leiten. In gewisser Weise greife ich damit den Funktionären vor, die mich aus Altersgründen demnächst nicht mehr höherklassig hätten pfeifen lassen.“ Dass der 31-Jährige dafür nicht wirklich Verständnis hat, ist klar. „Ich habe in den vergangenen zweieinhalb Jahren noch einmal einen großen Schub gemacht, mich deutlich weiterentwickelt. Es wird mir schon schwer fallen, aufzuhören“, sagt er.

Doch Christian Scheper wird dem Schiedsrichterwesen erhalten bleiben, seine Erfahrungen jüngeren Unparteiischen weitergeben. „Man hat mir einen Job im Verbandsschiedsrichter-Ausschuss angeboten. Das ist für mich ein Ritterschlag, eine Auszeichnung meiner Arbeit. Ich freue mich schon jetzt darauf, junge Leute zu fördern“, sagt er.

Trotz des nicht ganz gewollten baldigen Endes seiner aktiven Karriere, blickt Christian Scheper sportlich also rosigen Zeiten entgegen. In privater Hinsicht sowieso.


Fakten:

  • Christian Scheper kommt aus Emstek, sein Heimatverein ist der SV Emstek.
  • Im Alter von 14 Jahren begann seine Laufbahn als Fußball-Schiedsrichter. Im Norden leitete er Partien bis hoch zur Männer-Regionalliga und A-Jugend-Bundesliga. Im Fußballkreis Cloppenburg machte er sich zudem als langjähriges Mitglied im Schiedsrichterausschuss sowie als Kreislehrwart einen Namen.
  • Im Juli 2019 zog Scheper der Liebe wegen ins Rheinland, einen Monat zuvor war er beim Kreisschiedsrichtertag feierlich verabschiedet worden.
  • Seitdem ist der Verwaltungsfachwirt als Schiedsrichter in Nordrhein-Westfalen im Einsatz, wo er vor allem Begegnungen in der Regionalliga West pfeift. Nach dieser Saison wird der 31-Jährige seine Karriere beenden.
  • Gemeinsam mit seiner Freundin Ramona und seiner wenigen Wochen alten Tochter Malena lebt Christian Scheper in Troisdorf (nahe Köln).

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Klangvolle Namen und Debüt im Ausland - OM online