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Jung, ehrgeizig und „nicht ganz talentfrei“

Die 14-jährige Lutterin Lera Miller gehört in ihrer Altersklasse zu den schnellsten Läuferinnen in ganz Deutschland. Auf zwei Distanzen führt sie sogar die deutschen Bestenlisten an.

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Ladies first: Im Rahmenprogramm der Deutschen Crosslauf-Meisterschaften in Sonsbeck mussten auch etliche Jungs Lera Miller (rechts) den Vortritt lassen. Foto: Ralf Görlitz

Ladies first: Im Rahmenprogramm der Deutschen Crosslauf-Meisterschaften in Sonsbeck mussten auch etliche Jungs Lera Miller (rechts) den Vortritt lassen. Foto: Ralf Görlitz

Es war wohl der größte Erfolg in ihrer noch jungen Karriere, und doch: So richtig glücklich war Lera Miller nicht. Bei den Deutschen Cross-Meisterschaften in Sonsbeck am Niederrhein lief die 14-jährige Schülerin aus Lutten eine Woche vor Weihnachten im Rahmenprogramm auf den zweiten Platz in ihrer Altersklasse W14/15. Nur ein Mädchen war auf den 2,1 Kilometern acht Sekunden schneller: Julia Ehrle vom TV Villingen in Baden-Württemberg.

Nur eine war schneller. Und ganz fit war Lera Miller auch nicht. Um fünf Uhr morgens war sie in Lutten aufgebrochen. Um zehn startete ihr Rennen. „Mir ging es an dem Tag nicht so gut. Mir war ein bisschen übel“, sagt sie. Und doch ärgerte sie sich über Platz zwei. „Vor kurzem habe ich Julia Ehrle bei einem Crosslauf in Darmstadt noch besiegt“, erzählt sie und gibt zu: „Ich wollte schon gewinnen.“

Zweite in einem gut besetzten Rennen, und dennoch unzufrieden – die Episode aus Sonsbeck zeigt vielleicht exemplarisch, was Lera Miller auszeichnet. Und was sie schon jetzt, mit 14, zur mit Abstand schnellsten Nachwuchsläuferin im Kreis Vechta gemacht hat: ihr unbändiger Ehrgeiz.

Das Talent hat sie von Vater Vitali. Der war früher Biathlet.

Zum Laufen kam sie schon mit fünf. „Mein Vater hat mich mitgenommen“, erzählt sie. Von ihrem Vater Vitali hat sie wohl auch das Talent geerbt. „Er war früher in Russland Biathlet“, berichtet Lera Miller. Auch ihre Brüder sind sportlich. Daniel (17) hat mal geboxt, Andreas (9) spielt Fußball beim TuS Lutten.

An ihren ersten Wettkampf erinnert sich die 14-Jährige noch genau. „Das war beim Goldenstedter Moormarathon 2012. Da habe ich beim Bambini-Lauf mitgemacht“, sagt sie. Damals war sie fünf. Und feierte gleich ihren ersten Sieg.

Beim TuS Sulingen begann sie, die Leichtathletik ernsthafter zu betreiben. Im Oktober 2020 schloss sie sich dann dem VfL Löningen an, einer der besten Adressen für Läuferinnen in der Region. Hier trainiert sie nun bei Armin und Antonia Beyer, die unter anderem auch Olympia-Starterin Lea Meyer lange betreut haben. Lera Miller fühlt sich in Löningen gut aufgehoben. Und weiß das Engagement der Beyers zu schätzen: „Sie opfern so viel Zeit für uns, auch an den Wochenenden“, sagt sie.

Lera Miller trainiert sechs bis sieben Mal pro Woche. An zwei Tagen fahren ihre Eltern Olga und Vitali sie nach Löningen. „Lera ist mehr langstrecken-orientiert, aber wir wollen relativ lange auch die Mittelstrecke im Auge behalten“, sagt Armin Beyer. Über 3000 Meter sei sie rund fünf Sekunden schneller, als Lea Meyer das in diesem Alter war. „Das sollte man nicht zu hoch hängen, aber es zeigt, dass sie nicht ganz talentfrei ist“, sagt Armin Beyer mit einem Augenzwinkern: „Sie ist sehr talentiert und ehrgeizig, und das Umfeld stimmt auch. Aber so richtig geht es erst in der U18 los. Da kommt es auf Konstanz an und man muss Geduld haben.“

Über 3000 Meter und 5000 Meter war 2021 kein Mädchen in ihrem Alter schneller als sie.

Die 3000 Meter sind zurzeit Lera Millers stärkste Disziplin. In 10:28,81 Minuten führt die Neuntklässlerin vom Gymnasium Antonianum Vechta hier die deutsche Jahresbestenliste in der Jugend W14 an. Über 2000 Meter belegt sie in 6:43,45 Minuten Platz drei. Auch über 5 Kilometer auf der Straße (18:47 min) steht sie ganz oben in der Liste, zusammen mit Emely Krieger (LC Rehlingen). Armin Beyer traut ihr mit Blick auf die Deutsche U-16-Meisterschaft im Sommer 2022 in Bremen neben den 3000 Metern aber auch die 1500 Meter Hindernis zu.

Kurzfristige Ziele sind die Hallenmeisterschaften Anfang 2022. Langfristig denkt Lera Miller weiter: „Ich würde mich schon freuen, wenn ich irgendwann mal international starten könnte“, sagt sie. Die erste prominente Gelegenheit dafür wäre laut Beyer die U-18-EM 2024.

Und dann ist da natürlich noch die Cross-DM 2022. Die findet am 26. November in Löningen statt – eine gute Chance zur Revanche. Vermutlich wird Lera Miller auch dann trotz herbstlicher Temperaturen wieder bauchfrei unterwegs sein – wie in Sonsbeck. „Je weniger Klamotten man trägt, desto schneller ist man“, erklärt Lera Miller lachend: „Ich fühle mich dann nicht so eingeengt.“

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