Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Julia Middendorfs mutiger Auftritt auf der großen Tennis-Bühne

Die Dinklagerin hat der Estin Anett Kontaveit beim 2:6, 3:6 beim WTA-Tennisturnier in Stuttgart einen tollen Fight geliefert. Ab Montag wird sie erstmals in der Damen-Weltrangliste geführt.

Artikel teilen:
Schläger-Gruß mit einem Lächeln: Julia Middendorf (links) nach ihrem Match beim „Porsche Tennis Grand Prix“ in Stuttgart gegen Anett Kontaveit aus Estland. Foto: Porsche Media/Rob Prange

Schläger-Gruß mit einem Lächeln: Julia Middendorf (links) nach ihrem Match beim „Porsche Tennis Grand Prix“ in Stuttgart gegen Anett Kontaveit aus Estland. Foto: Porsche Media/Rob Prange

Um 15.23 Uhr war das Abenteuer auf der großen Bühne vorbei. Eine Rückhand von Julia Middendorf, mit viel Power diagonal geschlagen, landete seitlich im Aus. Knapp war's, zehn Zentimeter, vielleicht auch weniger. Direkt danach folgte das kurze Fazit der Stuhlschiedsrichterin: „Game, Set and Match, Kontaveit.“ Julia Middendorf verabschiedete sich per Schläger-Gruß von ihrer Gegnerin Anett Kontaveit, sie packte ihre Sachen in zwei Taschen, legte ihren Mund-Nasen-Schutz ordnungsgemäß an, marschierte noch einmal über den Centre Court der Porsche-Arena in Stuttgart und steuerte dann ihr Zimmer im benachbarten Hotel an.

Das war sie also, ihre Premiere im Hauptfeld eines WTA-Tennisturniers. In der ersten Runde des mit 565.000 Dollar dotierten „Porsche Tennis Grand Prix“ unterlag die 18 Jahre alte Dinklagerin der Estin Anett Kontaveit (25) mit 2:6 und 3:6. Auf den ersten Blick eine klare Sache, aber das nackte Ergebnis nach 1:11 Stunden Spielzeit wird der Außenseiterin aus dem Porsche Junior Team des Deutschen Tennis Bundes nicht gerecht. Denn: Julia Middendorf, die sich am Samstag und Sonntag mit zwei überraschenden Siegen in der Qualifikation das Hauptfeld-Ticket gesichert hatte, lieferte der Weltranglisten-27. einen echten Fight. DTB-Damenchefin Barbara Rittner und U-18-Bundestrainerin Jasmin Wöhr erfreuten sich ebenso am mutigen Auftritt der Qualifikantin wie deren Trainer Michel Dornbusch.

„Ich gehe mit einem guten Gefühl raus“, sagte Julia Middendorf eine halbe Stunde nach dem letzten Ballwechsel. Auch der Live-Kommentator beim Streamingdienst DAZN war voll des Lobes für die WTA-Hauptfeld-Debütantin. Er attestierte ihr ein „tolles Match“, eine „feine Klinge“ und bilanzierte: „Sie hatte keine Angst vor der großen Bühne. Das war wirklich stark.“

Bis Julia Middendorf „erstmals den Duft der großen weiten Tenniswelt schnupperte“ (Pressemitteilung des Veranstalters), war aber Geduld gefragt. Das Auftaktmatch auf dem Centre Court zwischen der Russin Ekaterina Alexandrova und der Tschechin Karolina Muchova zog sich in die Länge, erst nach 2:16 Stunden war's vorbei. Für Julia Middendorf, die in der Qualifikation gegen die Kroatin Jana Fett (4:6, 6:1, 6:3) und Tamara Korpatsch aus Hamburg (2:6, 6:3, 6:0) jeweils das erste Spiel auf Court 2 bzw. Court 1 absolvierte, war das Warten aber kein Problem. „Von der Anspannung her ging's ganz gut. Klar war ich ein bisschen nervös, aber das war okay“, sagte sie später. Den pompösen Einmarsch in die Arena mit Laser-Show und reichlich Brimborium habe sie zwar genossen – aber das war's dann auch schon. „Ich hab' versucht, das auszublenden und mich sofort auf das Spiel zu konzentrieren“, sagte sie.

25 Punkte für die Weltrangliste und 5300 Euro Preisgeld

Im Match konnte die 18-Jährige phasenweise gut mithalten. 119 Punkte wurden ausgespielt, 52 gewann Middendorf, 67 Kontaveit. In der Kategorie „unforced errors“, bei den leichten Fehlern, hatte Julia Middendorf etwas mehr (24:21), sie schlug dafür aber mehr „Winner“, also direkte Punkte (17:15). Eine Tatsache, die sie sehr positiv stimmte: „Ich hab' versucht, nicht passiv zu sein. Ich wollte aggressiv spielen.“ Sie gab zu, „im ersten Moment etwas enttäuscht“ gewesen zu sein („Keiner verliert gerne“), schickte aber gleich hinterher: „Ich weiß natürlich, gegen wen ich gespielt habe.“ Die Dinklagerin hatte immerhin acht Breakbälle, konnte aber keinen nutzen. „Wenn man auf diesem Niveau eine Chance hat, muss man sie nutzen. Das hab' ich nicht geschafft“, sagte Julia Middendorf.

Klar war aber auch: Für Kontaveit, 2019 Finalistin in Stuttgart und ausgestattet mit der Erfahrung von 23 Grand-Slam-Turnieren, war's alles andere als ein Spaziergang ins Achtelfinale. „Es war ein schweres Match, mein erstes auf Sand. Ich bin froh, dass ich durchgekommen bin“, sagte die Estin, die 2020 im Viertelfinale der Australian Open stand.

Während Kontaveit nun auf die Weltranglisten-4. Sofia Kenin (USA) trifft, will Julia Middendorf das Erlebnis erst einmal sacken lassen: „Ich brauche bestimmt etwas Zeit, um alles zu verarbeiten.“ Für die erfolgreich gemeisterte Qualifikation gibt's 25 Punkte. Heißt: Julia Middendorf, die in der U-18-Rangliste des Weltverbandes ITF auf Platz 42 liegt, wird ab Montag erstmals in der Damen-Weltrangliste geführt. Das Preisgeld in Höhe von 5362 Euro kommt indes genau richtig für die anstehenden Turnierreisen. Und das Abenteuer Stuttgart ist ja noch nicht ganz vorbei. Im Doppel an der Seite von Noma Noha Akugue (17/Hamburg) geht's am Mittwoch gegen das chinesische Duo Yifan Xu/Shuai Zhang.

Der OM online Podcast. Thema  der neuen Ausgabe sind Kunstrasenplätze im Oldenburger Münsterland. Welche Halme sind die besten, wie steht es um Ökologie und Nachhaltigkeit? Und was haben geschredderte Olivenkerne mit dem Thema zu tun?  Jetzt reinhören! 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Julia Middendorfs mutiger Auftritt auf der großen Tennis-Bühne - OM online