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Johanne Fette macht ihr Hobby zurzeit zum Beruf

Die 20-jährige Handballerin gehört nicht nur zu den Leistungsträgerinnen des BV Garrel, sie absolviert derzeit auch ein Freiwilliges Soziales Jahr. Doch was sind ihre Pläne für die Zeit nach dem FSJ?

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Kaum zu stoppen: Johanne Fette gehört zu den Leistungsträgerinnen beim Drittligaaufsteiger BV Garrel. Aktuell muss die 20-Jährige aber mit einem Knöchelbruch pausieren. Foto: Langosch

Kaum zu stoppen: Johanne Fette gehört zu den Leistungsträgerinnen beim Drittligaaufsteiger BV Garrel. Aktuell muss die 20-Jährige aber mit einem Knöchelbruch pausieren. Foto: Langosch

Ein bisschen ist der Lagerkoller bei Johanne Fette schon ausgebrochen. Die Handballerin des BV Garrel sitzt derzeit in Quarantäne fest – ein Coronafall im Umfeld des Drittligisten legt das Team und damit auch die Rückraumspielerin aktuell auf Eis. Johanne Fette selbst wird sich derweil noch länger in Geduld üben müssen. Beim Auswärtsspiel in Ibbenbüren vor knapp zwei Wochen zog sie sich einen Bruch des rechten Knöchels zu und muss daher notgedrungen ihre Aktivitäten gewaltig herunterfahren.

Leicht fällt ihr dies nicht: „Ich bin ein Mensch, der raus muss. Zu Hause hocken kann ich gar nicht.“ Muss die passionierte Handballerin aktuell aber, wenngleich sie sich auch beruflich noch ein wenig beschäftigen kann. Nach dem Abitur im Frühjahr hat Fette beim BV Garrel ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) begonnen. „Ich wollte noch nicht direkt ein Studium anfangen. Wir waren ja gerade in die 3. Liga aufgestiegen und die Saison dort wollte ich auf alle Fälle spielen. Deshalb musste ich nicht lange überlegen, als das Angebot vom Verein kam.“

Als 15-Jährige zog sie ins Handball-Internat

Somit macht sie ihr Hobby derzeit quasi zum Beruf, wenngleich ihr Tätigkeitsfeld nicht nur auf Handball beschränkt ist. Johanne Fette trainiert zwar die weibliche F- und D-Jugend und unterstützt bei den Minis. Darüber hinaus wirkt sie aber an drei Vormittagen in der Woche an der Grundschule ihres Heimatortes Wardenburg und kümmert dort um Lernförderung. Schließlich packt sie auch noch in der BVG-Geschäftsstelle an und hat dort unter anderem als Hygienebeauftragte das entsprechende Konzept unter Coronavorgaben erstellt. „Langeweile habe ich also nicht“, meint Johanne Fette, die vor rund einem Monat gerade einmal 20 Jahre geworden ist.

Geboren wurde sie in Duisburg und fing als Zweitklässlerin beim TSV Rheinhausen mit dem Handball an. Nach dem Umzug der Familie im Jahr 2010 nach Wardenburg spielte sie sechs Jahre lang bei der TSG Hatten-Sandkrug, bevor sie dem Ruf des „großen Handballs“ folgte. Noch als 15-Jährige zog sie zu Hause aus und ins Internat der Handballakademie der HSG Blomberg-Lippe ein. „Das war eine große Umstellung, in Hatten habe ich zweimal pro Woche, wenn überhaupt, trainiert. In Blomberg waren es sieben Einheiten in fünf Tagen.“

Allerdings stellte sich die Beanspruchung als zu groß heraus. Der Körper streikte, eine Lun-
genembolie bedeutete das Ende ihres Abstechers ins Ostwestfälische, 2018 verließ sie die Akademie und kehrte nach Hause zurück. Das freilich hieß nicht, dass Handball gestrichen war, der Sport steht nur nicht mehr ganz oben auf der Prioritätenliste. „Ich wollte mein Leben zurück und mich nach der Erkrankung wieder zurechtfinden“, meint Fette.

Schwester Clara steht in der A-Jugend des BVG im Tor

Folgerichtig war für sie ein Wechsel zum Zweitligisten Werder Bremen keine Option. „Das war eines von mehreren Angeboten“, erzählt Fette, die sich letztlich dem BV Garrel anschloss. Thomas Grotjan aus dem Teammanagement hatte sie kontaktiert. Die Entscheidung hat Johanne Fette, deren jüngere Schwester Clara als Torfrau in der A-Jugend ebenfalls beim BVG spielt, nicht bereut. Im Gegenteil: „Wir haben eine echt, echt tolle Mannschaft. Wir verstehen uns so gut, es macht total Spaß. Das ist ein wahres Dream-Team.“

Umso schwerer fällt der 20-jährigen Leistungsträgerin (in der vorigen Saison 121 Tore in 20 Spielen) die aktuelle Zwangspause. In der kommenden Woche steht ein weiterer Röntgentermin an. Sollte sich dort herausstellen, dass die Heilung einwandfrei verläuft, könnte Johanne Fette schon Mitte Dezember wieder Handball spielen. „Aber ich setze mich da nicht unter Druck“, sagt die Wardenburgerin.

Nach FSJ: Psychologie-Studium oder Lehrerin werden?

Was kommt denn nach dem FSJ? „Wenn ich das wüsste“, meint Fette. „Eigentlich wollte ich ja Psychologie studieren und habe von der Uni Kiel auch eine Zusage erhalten. Aber wegen des FSJ habe ich mich erst einmal zurückstellen lassen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, Sonderpädagogik oder auf Grundschullehramt zu studieren. Die Arbeit mit Kindern, wie ich sie jetzt als FSJlerin erlebe, macht mir wahnsinnig viel Spaß. Die Kiddies geben mir enorm viel.“

Also ist Johanne Fette hin- und hergerissen – Psychologie oder doch in Richtung Pädagogik/Lehramt? Auf jeden Fall hat die 20-Jährige noch Zeit und zu weit möchte sie auch noch nicht in die Zukunft gucken: „Bislang ist es meistens ganz anders gekommen, wenn ich längerfristig geplant habe. Mein FSJ soll eigentlich am 30. April mit dem Abschluss der Saison in der
3. Liga enden und ich wollte dann nach Australien. Aber das ist mit Corona wohl nicht drin. Alternativ könnte ich mir eine Tour durch Europa vorstellen. Aber ob das klappt?“

Folglich ist auch noch nicht klar, ob Johanne Fette dem BV Garrel noch länger erhalten bleibt. „Wenn ich zum Wintersemester 21/20 in Kiel das Psychologiestudium beginnen würde, ginge das sicherlich nicht. Bei Lehramt oder Sozialpädagogik hängt es davon ab, an welchem Studienort ich lande. Das kann ich überhaupt noch nicht sagen, weil ich das erst ziemlich spät erfahre.“ Vorerst aber steht sie dem BVG noch zur Verfügung, aktuell „nur“ als FSJ-lerin, aber bald auch wieder als Stütze in einem – hoffentlich – erfolgreichen Drittligateam.

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