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In 3 Grad kaltem Wasser zum WM-Titel

Tina Deeken, die aufgrund eines angeborenen Hüftschadens unter Lähmungserscheinungen leidet, startete bei der Eisschwimm-WM in Polen. Die gebürtige Löningerin überzeugte in sieben Disziplinen.

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Geschafft: Bei der Weltmeisterschaft im Eisschwimmen startete die gebürtige Löningerin Tina Deeken, die aufgrund eines angeborenen Hüftschadens unter Lähmungserscheinungen leidet, in sieben Wettbewerben für Menschen mit einer Behinderung. Foto: ©Tina Deeken

Geschafft: Bei der Weltmeisterschaft im Eisschwimmen startete die gebürtige Löningerin Tina Deeken, die aufgrund eines angeborenen Hüftschadens unter Lähmungserscheinungen leidet, in sieben Wettbewerben für Menschen mit einer Behinderung. Foto: ©Tina Deeken

Die polnische Stadt Głogów, bis zur deutschen Grenze sind es rund 120 Kilometer. Es ist kalt am ersten Februar-Wochenende: Knapp über null Grad in der Luft, 3 Grad in der Oder. Das jedoch stört die gebürtige Löningerin Tina Deeken keineswegs. Gleich siebenmal lässt sie sich bei der Eisschwimm-WM in den Fluss gleiten, um ihr Bestes auf verschiedenen Strecken zu geben. Ohne Neoprenanzug. Erstmals dürfen bei der vierten Auflage der Weltmeisterschaft Menschen mit einer Behinderung starten. Tina Deeken ist Para-Sportlerin, sie leidet aufgrund eines angeborenen Hüftschadens unter Lähmungserscheinungen, vor allem im linken Bein.

Sie zeigt ihre Qualitäten beim Brustschwimmen, sie krault und schwimmt auf dem Rücken – über 50, 100, 250 und sogar über 500 Meter. Nun darf sich die 45 Jahre alte Tina Deeken Eisschwimm-Weltmeisterin nennen. „Das sollte man aber nicht überbewerten, das Teilnehmerfeld war klein“, sagt sie bescheiden.

Es ist allerdings sehr wohl beachtlich, was die studierte Sonderpädagogin trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung – eine Orthese am linken Bein stabilisiert und entlastet die Muskeln und Gelenke, zudem nutzt sie Gehstöcke – leistet. Nicht nur vor ein paar Tagen in Polen, wo sie trotz der widrigen Bedingungen vollends zu überzeugen wusste. „Es war meine erste WM, ich bin natürlich sehr zufrieden und hatte viel Spaß.“

Trainingspartner: Tobias Prüßner hilft Tina Deeken oft ins und aus dem Wasser. Foto: ©Tina DeekenTrainingspartner: Tobias Prüßner hilft Tina Deeken oft ins und aus dem Wasser. Foto: ©Tina Deeken

Im vergangenen Jahr durchquerte Tina Deeken unter anderem bei Wettbewerben im Freiwasserschwimmen sowohl den Bodensee (11 Kilometer) als auch den Wörthersee (17,5). Zudem nimmt sie regelmäßig an Triathlons teil, wo sie die Laufstrecken im Rennrollstuhl bewältigt. Ihr Steckenpferd ist allerdings der Schwimmsport. „Ins Hallenbecken steige ich morgens in der Regel täglich – immer 30 bis 40 Minuten lang“, sagt sie, „zwei-, dreimal pro Woche kommen Trainingseinheiten in Seen oder Flüssen hinzu.“ Zu jeder Jahreszeit. Bei Wind und Wetter. „Wenn das Wasser kalt ist, gehört schon eine Menge Überwindung dazu.“

Was reizt die Extremsportlerin dann überhaupt am Schwimmen in offenen Gewässern, insbesondere im Herbst oder Winter? „Ich mag es einfach, mich an der frischen Luft körperlich zu betätigen und mich mit der Natur zu messen.“ Zudem genießt sie das Gemeinschaftsgefühl bei den Wettbewerben. „Ich habe Menschen aus vielen Ländern kennen und schätzen gelernt.

Zwar ist davon auszugehen, dass Tina Deeken aufgrund ihres gelähmten Beines auch in Zukunft auf die Hilfe von Freunden und Sportlern angewiesen sein wird, in sportlicher Hinsicht hat die Förderschullehrerin aber noch so einiges vor. „Wegen der Corona-Pandemie ist noch vieles unklar. Ich hoffe aber, dass ich im August in London zumindest an einem Freiwasserschwimmen durch die Themse teilnehmen kann.“


Fakten:

  • Tina Deeken wurde 1976 in Löningen geboren.
  • Nach dem Abitur zog sie 1996 nach Hannover, um ein Studium der Sonderpädagogik zu absolvieren. Dort lebt die 45-Jährige noch heute und arbeitet als Förderschullehrerin in einer Einrichtung für Kinder mit und ohne Behinderung.
  • Als Kind schwamm sie für den VfL Löningen und sicherte sich unter anderem einen Kreismeistertitel. Zudem spielte Tina Deeken Tennis.
  • Trotz eines angeborenen Hüftschadens, der daraus resultierenden Operation und Lähmungserscheinungen im linken Bein ist sie nach wir vor leidenschaftliche Sportlerin.
  • Sie nimmt vor allem an Triathlons und an Wettbewerben im Freiwasserschwimmen teil.

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