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Im Keller ist kein Platz für Gefühlsduselei

Rasta Vechta gastiert am Sonntag beim Meister Alba Berlin. Für Coach Thomas Päch und drei seiner Spieler ist es die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Alles Wichtige zum ungleichen Duell:

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Ein Berliner durch und durch - und am Sonntag geht's zu Alba Berlin: Rastas Coach Thomas Päch. Foto: Pförtner

Ein Berliner durch und durch - und am Sonntag geht's zu Alba Berlin: Rastas Coach Thomas Päch. Foto: Pförtner

Erst kam die WhatsApp-Nachricht, dann der Anruf. Anfang Januar, Rasta Vechta hatte gerade in Hamburg seine elfte Niederlage im elften Saisonspiel der Basketball-Bundesliga kassiert, meldete sich Alba Berlins Trainer Aito Garcia Reneses aus seiner Corona-Quarantäne bei Thomas Päch. „Er hat gefragt, wie es mir geht. Er hat erzählt, wie er uns so wahrnimmt. Und er hat mir ein paar Tipps gegeben“, sagt Päch. Rastas Coach, von 2017 bis 2019 Co-Trainer von Aito Garcia Reneses in Berlin, ergänzt noch: „Ich hab' mich sehr gefreut, dass sich Aito gemeldet hat, dass ich die Unterstützung von ihm bekomme. Da ist viel Vertrauen im Spiel.“ Am Sonntag, knapp vier Wochen nach besagtem Telefonat, können beide vis-à-vis miteinander sprechen – in Berlin, in der Arena am Ostbahnhof. Im drittletzten Hinrundenspiel tritt Rasta beim Meister und Pokalsieger an (15.00 Uhr/Sport1).

Für Päch, ein Berliner durch und durch, ist es kein Spiel wie jedes andere. Erstmals kehrt er als BBL-Cheftrainer zu seinem Heimatverein zurück. In der Vorsaison, als er Coach in Bonn war, verhinderte die Entlassung im Februar die Premiere. Der 38-Jährige hat seine Trainerausbildung im Alba-Jugendprogramm absolviert (2005 bis 2010). Nach fünf Jahren in Trier kehrte er 2015 nach Berlin zurück und arbeitete in der BBL als Co-Trainer von Sasa Obradovic und Ahmet Caki, als Interimscoach nach Cakis Entlassung im April 2017 und als „Co“ von Garcia Reneses.

Päch versucht, die Emotionen unter Kontrolle zu behalten. Im Abstiegskampf, im Tabellenkeller gibt's halt wenig Raum für Gefühlsduselei: „Ich bin nur damit beschäftigt, dass wir die Hinrunde bestmöglich abschließen. Es geht um uns, nicht um Alba.“ Und wie sieht die Marschroute des Tabellenvorletzten für sein drittes Free-TV-Livespiel in dieser Saison aus? „Wir wollen Berlin das Leben so schwer wie möglich machen“, so Päch: „Unser Ziel muss es sein, das Spiel so lange wie möglich offen zu halten.“

Rastas Spagat zwischen Spannung und Regeneration

Dass Alba unter der Woche noch zwei EuroLeague-Kracher vor der Brust hatte bzw. hat, kommentiert Päch so: „Unsere Chancen sind bei diesem Berliner Rhythmus natürlich etwas größer, als wenn sie unter der Woche nicht spielen würden. Aber man muss ganz realistisch sein: Berlin ist auch in dieser Konstellation der klare Favorit.“

Rasta nutzte die Zeit nach dem Göttingen-Spiel am vergangenen Freitag auch dazu, um Blessuren auszukurieren. „Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen“, sagt Päch und denkt dabei an Jean Salumu (Achillessehne) und Robin Christen (Pferdekuss), die kurz pausierten. Päch spricht von einem „Spagat zwischen Spannung und Regeneration“.

Für einen Coup braucht Rasta einen Sahnetag – und wie bei den jüngsten drei Siegen in Serie eine Top-Quote bei den Dreiern. „Der Knoten ist geplatzt. Endlich haben wir die freien Würfe getroffen“, sagt Päch. Auch im Dreier-Ranking der BBL ist sein Team nicht mehr Letzter, Rasta zog in den letzten drei Spielen an Göttingen, Gießen, Bamberg, Würzburg und MBC vorbei.

Päch ist nicht der einzige, der am Sonntag an die frühere Wirkungsstätte zurückkehrt. Auch Stefan Peno (67 BBL-Spiele zwischen 2017 und 2020), Dennis Clifford (112 Partien zwischen 2017 und 2019) und Jannes Hundt (2014 bis 2017 im Farmteam sowie drei BBL-Einsätze) haben eine Alba-Vergangenheit. Peno ist sogar eine Berliner Leihgabe. Der Serbe, der im vergangenen Sommer einen neuen Dreijahresvertrag beim Meister erhalten hat, stellt jedoch klar: „Rasta ist jetzt mein Team, nicht Alba.“ Er glaubt fest an eine Chance und sagt dazu: „Wir müssen versuchen, unser Spiel so gut wie möglich zu spielen.“

Zwei Jahre Alba, jetzt Rasta: Dennis Clifford (links), hier gegen Gießen. Foto: SchikoraZwei Jahre Alba, jetzt Rasta: Dennis Clifford (links), hier gegen Gießen. Foto: Schikora

Auch Clifford denkt, dass Albas Terminhatz Rasta in die Karten spielen könnte – wenn die eigene Leistung stimmt. „Wir müssen jede kleine Chance nutzen, die wir bekommen“, sagt der Rasta-Center (12,1 Punkte und 8,1 Rebounds im Schnitt), der in seinem ersten Alba-Jahr überragend agierte und der emotionale Anführer im Aito-Team war. Nun freut er sich darauf, seinen Ex-Coach und alte Mitspieler wiederzusehen; vor allem zu Peyton Siva hat er einen guten Draht. Clifford über das Spiel: „Wir haben keinen Druck. Aito hat immer gesagt: Es ist einfacher, ohne Druck zu spielen.“


Alles Wichtige zum nächsten Rasta-Gegner:

Alba und das Corona-Virus: Im Oktober ging's los. Vom historischen 93:88-Coup bei ZSKA Moskau brachte Alba auch sieben Corona-Fälle mit. Alle mussten in Quarantäne, drei Pokal- und zwei EuroLeague-Spiele wurden verlegt, die BBL lief da noch nicht. Am 2. Weihnachtstag gab Alba bekannt, dass Meistertrainer Aito Garcia Reneses positiv auf das Corona-Virus getestet wurde. Die Sorgen waren groß, der Spanier gehört schließlich mit seinen 74 Jahren der Risikogruppe an. Alle anderen waren zweimal negativ, nur ein Spiel wurde verlegt. Garcia Reneses steht inzwischen wieder an der Linie; erst als „Co“ von Israel Gonzalez, seit Mittwoch wieder als Chef.

Alba und die Verletzten: Anfang Dezember, als es eine Hiobsbotschaft nach der anderen gab, schlug Sportdirektor Himar Ojeda Alarm: „Es ist ein totaler Albtraum.“ Gerade hatte sich Ben Lammers schwerer verletzt, der nächste Ausfall nach Simone Fontecchio, Marcus Eriksson und Lorenz Brenneke. Rund um Weihnachten wurde das Lazarett sogar noch größer. Auch Luke Sikma, Peyton Siva und Niels Giffey fielen aus; der eine kürzer, der andere länger. Auf den Stühlen neben Manager Marco Baldi saß bisweilen eine komplette „Starting Five“. Aktuell fehlen nur noch Giffey und Brenneke.

Alba und die Terminhatz: Die Partie am Sonntag gegen Rasta ist für Alba bereits das 37. Pflichtspiel der Saison (11x BBL, 2x Pokal, 23x EuroLeague). Oder anders formuliert: Es ist das vierte Heimspiel binnen acht Tagen und das 13. (!) Spiel im Januar. „Der Spielplan ist die Hölle, das ist eigentlich nicht vertretbar“, haderte Baldi. Spielmacher Maodo Lo, Neuzugang aus München, meinte kürzlich: „Mit so einem Kalender ist es wahnsinnig schwierig. Ab und zu sind die Beine da, ab und zu sind sie nicht da.“ Louis Olinde, im Sommer aus Bamberg gekommen, sagte unterdessen: „Durch Corona kann man sowieso nicht viel unternehmen. Da ist es schön, wenn man einen Grund hat, aus dem Haus zu kommen. Es ist ein Privileg, dass wir Basketball spielen dürfen und ich jeden Tag meine Freunde sehe.“

Alba und die Bilanz 20/21: Der Double-Gewinner der Vorsaison hat sich im Pokal für das „Top Four 2021“ qualifiziert. In der BBL gab's zehn Siege und nur eine Niederlage in Ludwigsburg. Highlight: die 85:72-Gala gegen Bayern München ohne Siva, Sikma, Eriksson und Giffey. In der EuroLeague steht Alba vor dem Madrid-Spiel am Freitag bei acht Siegen und 14 Niederlagen.

Alba und die Ausgeglichenheit: Acht Spieler kommen in der BBL auf einen Punkteschnitt zwischen 12,6 und 8,5. Topscorer ist Giffey, gefolgt von Fontecchio (12,1) und Johannes Thiemann (12,0). In der EuroLeague sind's acht Spieler mit 10,1 (Siva) bis 9,0 Punkten pro Spiel. Coach Aito setzte in der BBL bereits 14 Spieler ein, sieben deutsche und sieben ausländische Profis; es gab noch keine Nachverpflichtung. Olinde hat den höchsten Minutenschnitt (23:36).


  • Die Basketball-Bundesliga hat aufgrund der EM-Qualifikation (19. bis 22. Februar) einige Spiele neu terminiert. Mit Folgen auch für Rasta Vechta: Das Spiel in Frankfurt wurde vom 25.2. auf den 4.3. verlegt, die Partie in Bonn vom 28. auf den 27.2.

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