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Im Kart vergisst er die Außenwelt

Finn Wollnik hat beim Rundstrecken-Einsteigercup des ADAC die Meisterschaft gewonnen. Der Steinfelder, der mit frühkindlichem Autismus zur Welt kam, hat seine Leidenschaft gefunden.

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Räumte ordentlich ab: Der Steinfelder Schüler Finn Wollnik. Foto: Wollnik

Räumte ordentlich ab: Der Steinfelder Schüler Finn Wollnik. Foto: Wollnik

Finn Wollnik, der mit frühkindlichem Autismus zur Welt kam, ist ein Mensch der ruhigeren Sorte. Aber auf der Kartbahn macht der 12-Jährige keine Kompromisse: Da gibt der Steinfelder Gas und überholt seine Kontrahenten. So feierte er in den vergangenen Wochen und Monaten seine ersten Erfolge. Beim Rundstrecken-Einsteigercup des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt gewann der Neuling in der Gruppe A souverän die Meisterschaft – in Zukunft will er hoch hinaus.

Teamsportarten wie Fußball, Handball oder Basketball sind nichts für den Schüler. Zu viel Trubel, zu viele Menschen, zu viel Körperkontakt. Anders ist es im Kart. „Unter seinem Helm fühlt er sich sicher“, sagt sein Vater Mario Wollnik. Angefangen hat die Leidenschaft für den Kartsport im Urlaub in Bispingen 2017. Auf einer Kartbahn drehte Finn Wollnik ein paar Runden – dann hat es ihn gepackt. Unmittelbar nach dem Urlaub fuhr er mit seinem Vater zu den MSF Steinfeld. Er fing mit Kart-Slalom an, drehte Runden im Parcours und fuhr gegen die Zeit. Irgendwann wollte Finn Wollnik mehr: richtige Runden und keinen Parcours, echte Gegner und nicht die Stoppuhr.

Der Weg führte ihn im Frühjahr dieses Jahres zum Einsteigercup. Seine Eltern kauften für ihren Sohn ein 6,5 PS starkes Kart. Insgesamt kostete die Saison inklusive Reisekosten 6000 Euro. Das Geld kam aus eigener Tasche und von Sponsoren, bei denen sich Finn Wollnik ausdrücklich bedankt. Allerdings reicht „nur“ ein gutes Kart nicht aus, um erfolgreich zu sein: Einmal die Woche trainiert Finn Wollnik in Faßberg, Emsbüren oder Hagen, um die Linie und das richtige Setup zu finden. Papa Mario Wollnik macht deutlich: „Da steht kein Team hinter. Wir sind das Team.“

12-Jähriger sorgt für Premiere im Einsteigercup

Die Bilanz ist stark: In den 18 Wertungsläufen, die in Faßberg, Oschersleben, Reinstedt, Rathenow und Templin stattfanden, schaffte er es immer aufs Podium. Noch beeindruckender: 16 Rennen gewann er. „Das Kart war richtig gut“, sagt Finn Wollnik. „Wenn einer das Gefühl im Hintern hat, wann das Kart ausbricht, hilft das schon viel“, ergänzt sein Vater. Noch nie in der Geschichte des Einsteigercups hat es ein Neuling geschafft, direkt Meister zu werden und immer auf dem Podest zu stehen. „Wir waren geflasht“, sagt Mario Wollnik.

Nach der Einstiegs-Saison geht Finn Wollnik ab dem kommenden Frühjahr in der nächsthöheren Klasse „NAKC“ an den Start. Auch diese wird vom ADAC Niedersachsen organisiert. Dann hat er einen 24 PS starken Zweitaktmotor unterm Kessel. Höherer Topspeed, schnellere Beschleunigung: Das 6000-Euro-Kart hat es in sich. Dass er auch damit bestehen wird, wird seitens der Familie aber nicht bezweifelt. „Da mach' ich mir keine Sorgen“, sagt Mario Wollnik.

In Zukunft leistet das Rotenburger Team Kraft Motorsport Unterstützung. Ob es auf Anhieb wieder für solche Leistungen reichen wird, wird sich zeigen. „Ich möchte natürlich wieder Meister werden“, sagt Finn: „Kartfahren ist für mich so, als wäre ich in meiner eigenen Welt. Sobald ich das Visier schließe, vergesse ich die Außenwelt.“

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