Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Im Handball gilt: Mit Abstand geht nichts

Bei ihrer geplanten Rückkehr zum Spielbetrieb sind die Handballer ganz von der Politik abhängig. Der HVN schließt einen kompletten Saisonausfall nicht aus.

Artikel teilen:
Kontaktsport Handball: Die Mühlenerin Jana Themann wird im Landesliga-Derby gegen BW Lohne im Februar von Laura Hinrichs (rechts) attackiert. Foto: Wenzel

Kontaktsport Handball: Die Mühlenerin Jana Themann wird im Landesliga-Derby gegen BW Lohne im Februar von Laura Hinrichs (rechts) attackiert. Foto: Wenzel

In der Theorie ist alles genau geregelt. Auf 23 PDF-Seiten beschreibt der Deutsche Handball-Bund (DHB) auf seiner Homepage in seinem Positionspapier „Return to play“ detailliert, wie er sich die Rückkehr in den normalen Spielbetrieb vorstellt. Am 1. Juli soll im Acht-Stufen-Plan Phase 6 in Kraft treten: Zweikämpfe sind erlaubt, ebenso wie ein Training mit dem vollen Kader. Phase 7 soll am 1. August starten: Spielbetrieb ohne Publikum. Mit Inkrafttreten von Phase 8 – Spielbetrieb mit Publikum – wäre dann fast wieder alles beim Alten. So weit die Theorie.

Die Praxis sieht anders aus. Als Hallensport mit vollem Körperkontakt ist der Handball durch die Corona-Krise quasi komplett lahmgelegt worden. Mehr als individuelles Training ist derzeit de facto nicht möglich. Solange die Abstandsregel gilt, ist selbst an ein normales Mannschaftstraining nicht zu denken. Derzeit dürfen sich die Spieler noch nicht einmal einen Ball zuwerfen. „Letztendlich entscheidet die Politik“, sagt Heinz Rawe, stellvertretender Vorsitzender Spieltechnik in der Handballregion West-Niedersachsen und Trainer des Damen-Landesligaaufsteigers SW Osterfeine. „Solange das Kontaktverbot und die Abstandsregel bestehen, sind keine Zweikämpfe möglich. Und Torwürfe kannst du auch vergessen“, sagt Rawe. „Wir müssen einfach abwarten, wie sich die ganze Situation entwickelt.“

Zum Abwarten gezwungen: Heinz Rawe. Foto: FuhrmannZum Abwarten gezwungen: Heinz Rawe. Foto: Fuhrmann

Das sieht auch Stefan Hüdepohl (Uelzen), Präsident des Handballverbandes Niedersachsen (HVN) so. „Ein geregelter Trainings- und Spielbetrieb ist mit Abstandsgebot überhaupt gar nicht möglich“, sagt der HVN-Boss und fügt hinzu: „Die Pandemie diktiert uns, wann wir wieder Sport machen können. Und wir als Kontaktsportart werden die Letzten sein, die wieder anfangen dürfen.“

Auch was die Gültigkeit des DHB-Fahrplans angeht, gibt sich Stefan Hüdepohl keinen Illusionen hin. „Wir stellen uns zurzeit auf einen Saisonbeginn Anfang Oktober ein“, sagt der HVN-Präsident: „Aber wir machen uns auch Gedanken über andere Szenarien wie einen Start am 1. Januar. Und wenn man realistisch ist, kann es auch passieren, dass wir keine Saison haben nächstes Jahr. Keiner kann in die Glaskugel schauen. Wir müssen uns letztendlich an der Politik orientieren. Ohne Aufhebung der Abstandsregel wird es keinen Amateursport geben im Handball.“ Sollte die Corona-Krise noch länger dauern, sieht Hüdepohl die Teamsportarten sogar in ihrer Existenz bedroht. „Denn viele werden sich dann Individualsportarten zuwenden. Und ob die später zurückkommen, weiß niemand.“

Unterschiede von Kommune zu Kommune

Aktuell ist ein Hallentraining im Handball nur unter strengsten Hygiene- und Dokumentationsvorschriften möglich. Beim HVN weiß man, welchen Aufwand dies für die Vereine bedeutet. „Wer das wirklich durchzieht, ist als Trainer für anderthalb Stunden Training dreieinhalb Stunden beschäftigt, überspitzt formuliert“, sagt Stefan Hüdepohl. Zudem sei die Situation in Niedersachsen von Kommune zu Kommune unterschiedlich: „Die eine macht die Hallen auf, die andere nicht.“

„Das ist einfach eine Situation, die noch niemand von uns erlebt hat“, sagt auch Thomas Kowalski aus Mühlen, der im Vorstand der Handballregion für die Jugend zuständig ist. Auch er wirkt ratlos. „Es ist ehrenhaft und gut vom DHB, dass er einen Plan entwickelt hat, aber letztlich ist das Kaffeesatzleserei“, sagt Kowalski: „Ich befürchte: Solange es keinen Impfstoff gibt, wird Handball in der Form, wie wir ihn kennen, nicht möglich sein. Also zumindest nicht mit Zuschauern in vollen Hallen.“ Er gibt zu: „Die ganze Situation ist frustrierend. Aber man kann niemandem einen Vorwurf machen. Im Moment steht der Sport eben an letzter Stelle.“ Dennoch versucht Kowalski, optimistisch zu bleiben. „Ich könnte mir schon vorstellen, dass Mitte September wieder gespielt wird. Bis dahin sind es ja noch drei Monate.“

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Im Handball gilt: Mit Abstand geht nichts - OM online