Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Ihm gelang fast alles - Deutschlands bester Fußballer wird 75

Franz Beckenbauer hat alles gewonnen, was zu gewinnen war. Auch nach der Karriere auf dem Spielfeld war er noch omnipräsent. Und prägte stehende Redewendungen. Schaun mer mal.

Artikel teilen:

Er war mein Held in Jungen-Jahren. Er war gewiss der am höchsten begnadete Fußballspieler, den Deutschland je hatte. Noch vor Fritz Walter und allen anderen. Der Ball war nicht sein Freund; der Ball war seine Geliebte. Sein Stil völlig undeutsch, lässig, spielerisch eben. Ihm fiel einfach alles zu. Aber er war auch, das konnte man leicht übersehen, ein besessener Spieler. Grenzenlos ehrgeizig. Sein erster Kapitän Werner Olk konstatierte einmal: „Als der Franz zu uns kam, konnte uns nichts mehr passieren; der Ball war bei ihm sicher wie in Abrahams Schoß.“ Der Erfolg blieb nicht aus. Der Junge aus dem Münchener Arbeiterviertel mutierte zum Weltstar.

In seinen jungen Jahren war Deutschland noch grundstürzend anders verfasst. Die DFB-Funktionäre wollten ihn nicht in der Nationalelf haben – der Grund: Er hatte unehelich ein Kind gezeugt. Fußball war reine Männersache, kein Event, kein Zirkus, kein Casino, keine Millionen-Maschine, die Gehälter lachhaft.

Am Rande: Nie war er besser als 1966 in England. Dass er dann auf Geheiß seines Trainers im Endspiel als Manndecker Bobby Charltons dienen musste, war ein dramatischer Fehler. Die Qualität des damals besten Spielers der Welt – einfach verschenkt. Zehn Jahre später kam ihm das große Geld erstmals in die Quere. Er hatte Ärger mit dem Finanzamt und ging in der Folge nach New York. Operettenliga, Pelé, fußballerisch zweitklassig. Seine internationale Karriere war beendet. Egal, er hatte einfach alles gewonnen, was zu gewinnen war.

"Er holte die WM nach Deutschland. Das ging bei einer FIFA, die schon damals ein monströs korrupter Haufen war, nicht ganz mit rechten Dingen zu."Dirk Dasenbrock

Zurück in Deutschland schwang er sich schnell zum Trainer der Nationalelf auf; nein: zum Teamchef, denn eine Trainerlizenz hatte er gar nicht, brauchte er auch nicht. Und er gewann, natürlich. Auch als Trainer Weltmeister. Glorioser Abgang mit 45. Danach war er leicht unterbeschäftigt. Aber als Kolumnist und Kommentator omnipräsent. Er war gefühlt jeden Tag im Fernsehen. Und prägte stehende Redewendungen. Schaun mer mal.

Seine letzte Großtat: Er holte die WM nach Deutschland. Das ging bei einer FIFA, die schon damals ein monströs korrupter Haufen war, nicht ganz mit rechten Dingen zu. War gar nicht möglich. Sein Fehler: Er war immer noch geldgierig, wollte das aber vertuschen. Hätte er einfach verlangt, dass er bei erfolgreicher Bewerbung eine Million Euro bekommt – man hätte es ihm nachgesehen. Er wäre wohl mit einer flapsigen Bemerkung davongekommen. So aber nicht. Und so wurde sein Sommermärchen zu seinem persönlichen Schmierendrama. Von einem Tag auf den anderen verschwand er vollkommen von der Bildfläche. Er wird, schwer herzkrank, nicht mehr belangt werden. Aber sein Nimbus ist verflogen. Am 11. September wird er 75.

Franz Beckenbauers Leben ist tatsächlich der Stoff, aus dem die Träume sind. Ein deutsches Heldenepos – und ein Trauerspiel.


Über den Autor

  • Dirk Dasenbrock ist Journalist und lebt in Bremen. Lange Jahre war er Redakteur der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Den Autor erreichen Sie unter: info@ov-online.de

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Ihm gelang fast alles - Deutschlands bester Fußballer wird 75 - OM online