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„Ich stand an der Tür und hab’ gelauscht“

Der heute 60 Jahre alte Cloppenburger Josef Landwehr hätte womöglich das Zeug zum Profifußballer gehabt. In der Serie "Was macht denn...?" spricht er über seine aktive Zeit.

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<strong>„Pass auf, das machen wir so“:</strong> Cloppenburgs Trainer Klaus Ebel zeigt seinem Stürmer Josef Landwehr in einer Halbzeitpause, wie‘s zu laufen hat. Foto: Landwehr/Privat

„Pass auf, das machen wir so“: Cloppenburgs Trainer Klaus Ebel zeigt seinem Stürmer Josef Landwehr in einer Halbzeitpause, wie‘s zu laufen hat. Foto: Landwehr/Privat

Der Anfrage für diese Story begegnete Josef Landwehr zunächst mal zurückhaltend. „Ich war doch nur ein kleines Licht“, meint der 60-jährige Ex-Fußballer, der tatsächlich aber vor allem in den 1980er-Jahren zu den besten Offensivspielern in der heimischen Region zählte. Der kurz vor der Pension stehende Oberkommissar bei der Autobahn-Polizei in Ahlhorn begann seine Laufbahn beim
BV Cloppenburg in der C-Jugend unter der Regie des damaligen Trainers Dieter Lüken.

Einige Jahre später war der pfeilschnelle und dribbelstarke Linksfuß fester Bestandteil jener bärenstarken A-Jugendmannschaft, die in der anspruchsvollen Verbandsjugendliga meisterschaftsambitioniert unterwegs war. „Was hatten wir für eine tolle Truppe“, erinnert sich Landwehr nach wie vor gern an Mitspieler wie Hans Langemeyer, Matthias Sieverding, Hartwig Gentzsch, Kalle Auras oder „Fuzzy“ Hegger.

An der Friesoyther Straße absolvierte der älteste von fünf Söhnen des einstigen BVC-Topstürmers Josef Landwehr auch seine ersten beiden Spielzeiten im Männerfußball. Es folgte der damals von vielen nicht verstandene Wechsel in die Niederungen der 2. Kreisklasse und zu Blau-Weiß Galgenmoor - das große Talent schien verschenkt. Josef Landwehr aber klärt auf: „Bei Galgenmoor spielten meine Brüder Rainer, Olaf und Uwe und unser Vater war Trainer. Und außerdem hatte ich damals gerade meine Ausbildung zum Bundesgrenzschützer begonnen. Die Arbeit lief im Schichtdienst ab und dann hast du keine Chance höherklassig zu spielen“.

Josef Landwehr. Foto: KlinkerJosef Landwehr. Foto: Klinker

Für Landwehr galt dies erst recht, da er zunächst als Bundesgrenzschützer in Uelzen sowie später als Polizist in Düsseldorf stationiert war und bereits zu BVC-Zeiten einen immensen Aufwand zu stemmen hatte. „Wenn wir mit Cloppenburg sonntags ein Spiel hatten, bin ich von Uelzen mit dem Zug nach Bremen gefahren. Jürgen Dill (ehemaliger Mitspieler; Anm. der Redaktion) hat mich dann meistens abgeholt. Und abends ging‘s zurück“, erinnert sich der zweifache Vater, der unter der Woche beim Cloppenburger Landesliga-Rivalen Teutonia Uelzen trainierte.

Von Blau-Weiß Galgenmoor zog es Josef Landwehr später noch zum SV Molbergen („eine klasse Zeit mit Pico Eckholt als unserem Leithengst“), kurzzeitig zum SV Emstek sowie nochmals zum BV Cloppenburg, ehe er seine Laufbahn wiederum im Galgenmoor-Trikot ausklingen ließ. Mehr noch als all diese lokalen Stationen sind Landwehr seine Aktivitäten in nordrhein-westfälischen und niedersächsischen Auswahlteams des Bundesgrenzschutzes und der Polizei in Erinnerung geblieben. Nicht von ungefähr zieren die Wände in seinem Partyschuppen viele Fotos eben dieser Mannschaften.

In den Auswahlteams kickten die meisten für höherklassige VereineJosef Landwehr

„Die meisten Spieler haben für höherklassige Klubs gekickt und ich kam zeitweise aus der Kreisliga“, lacht Landwehr, für den die ständige Pendelei zwischen Düsseldorf endlich ein Ende hatte, als das einstige Mitglied des Bundestages, Manfred Carstens, ein Testspiel des SV Molbergen verfolgte, nach dem Schlusspfiff mit dem Stürmer in Kontakt kam - und sich für dessen heimatnähere Versetzung stark machte. „Nur noch drei Monate hat’s gedauert, dann fuhr ich nach Oldenburg statt nach Düsseldorf und Cloppenburg. Das haben Manfred Carstens und der SV Molbergen prima hinbekommen“, lacht der einstige Torjäger, dessen katapultartigem Antritt gerade auf den ersten Metern kaum ein Verteidiger folgen konnte.

Auch Klaus „Jonny“ Winkler gelang dies nicht in jenem Freundschaftsspiel, das der BV Cloppenburg im Sommer 1977 gegen den damals in Lastrup die Saison-Vorbereitung absolvierenden FC St. Pauli nach einer starken Vorstellung mit 3:1 gewann. Der knapp 18-jährige Landwehr spielte mit dem früh verstorbenen Verteidiger des Bundesligisten Katz‘ und Maus, war einer der besten Akteure auf dem Platz.

Einige Tage später klingelte eine Hamburger Abordnung an der Tür des elterlichen Hauses am Prozessionsweg. Und dichter sollte der talentierte Youngster dem Profifußball nie mehr kommen. „St. Pauli wollte mich haben aber ich war siebzehneinhalb und hatte mich gerade für die Ausbildung beim Bundesgrenzschutz beworben. Letztlich hat mein Papa ,Nein‘ gesagt. Klar war ich am Anfang enttäuscht aber am Ende war‘s die richtige Entscheidung“, meint Josef Landwehr junior, der bei den Verhandlungen im elterlichen Wohnzimmer nicht einmal selbst dabei war: „Ich stand hinter der Tür und hab‘ ein bisschen gelauscht.“

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