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Huhu Oliver Bierhoff,

Gästebuch: In 3 Monaten geht sie los, die am wenigstens herbeigesehnte Fußball-WM in Katar. Vor 12 Jahren fiel die Entscheidung für den Wüstenstaat, die Kritik daran hält an – mit Recht.

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puh, mit Ihnen möchten wir momentan auch nicht tauschen. Immerhin müssen Sie, verehrter Geschäftsführer der deutschen Fussball-Nationalmannschaften, nun nach dem erfolgreichen Sommerfinale der Frauen sich wieder dem künstlichen Wintermärchen der Herren widmen. Noch 3 Monate und dann geht sie nämlich los. Die am wenigsten herbeigesehnteste WM in der Geschichte der Fifa.

Denn auch 12 Jahre nach dem skandalösen Zuschlag für den umstrittenen Austragungsort Katar haben sich die Gemüter nicht beruhigt und statt Vorfreude auf die WM unterm Weihnachtsbaum hagelt es immer noch Kritik.

Weil in Katar beispielsweise nach wie vor ausländische Arbeiter und Arbeiterinnen mit an Sklaverei grenzenden Arbeitsverträgen ausgestattet werden, Homosexualität unter Strafe steht und erwachsene Frauen nicht ohne die Erlaubnis ihres männlichen Vormundes arbeiten, einkaufen oder zur Krebsvorsorge gehen dürfen.

"Bis auf die Erkenntnis, dass der DFB und die Deutsche Bischofskonferenz offenbar dieselben Presse-Trainings besuchen, hat sich leider nichts geändert."Andrea Litzenburger

Ja, selbst der Zauber rund um die vielgepriesene "erste klimaneutrale WM" ist bereits im Vorfeld verpufft. Zum Beispiel weil Kater (was etwa halb so groß wie Hessen ist) seine WM-Besucher nun wegen Platzmangel in umliegende Destinationen wie Dubai auslagern muss, um sie dann täglich mittels 160 zusätzlichen Pendelflügen zu den Spielen einzufliegen. Oder aber weil der Wüstenstaat, neben einer Millionen neu gepflanzter Bäume, auch mehrere tausend (!) Kilometer Sprinklerschläuche verlegt hat, durch welche zwar "recyceltes Wasser" fließt, welches allerdings von gigantischen Meerwasserentsalzungsanlagen mit ungeheurem Energieaufwand aufbereitet werden muss.

"Wir werden genau hinsehen" haben sie und Ihre Kollegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit heruntergebetet und immer wieder betont, dass sie "zu unseren Werten stehen", "uns sehr kritisch auseinandersetzen" und "alles genau anschauen" werden. Aber bis auf die Erkenntnis, dass der DFB und die Deutsche Bischofskonferenz offenbar dieselben Presse-Trainings besuchen, hat sich leider nichts geändert.

Ganze Menschrechts-Malaise während einer WM ist nicht neu

Jüngstes Beispiel in der erwartbaren Verkettung unglücklicher Umstände: das "Zulal Wellness Resort", ein brandneues Luxus-Hotel im Norden Katars, in welchem die Mannschaft während der WM residieren wird. Dank eines gastarbeitenden Whistleblowers weiß man nämlich nun, dass auch hier (natürlich) Bauarbeiter wie Nutzvieh untergebracht und um ihren Lohn geprellt wurden. Aber Sie haben Recht, Herr Bierhoff. Die ganze Menschrechts-Malaise während einer WM ist im Grunde ja nicht neu.

"Die Diskussion hatten wir bereits mit Südafrika, mit Brasilien und mit Russland", seufzten Sie noch im März in ein Mikrofon und auch ein sichtlich genervter Thomas Müller merkte irgendwann an: "Auch in Deutschland gibt es Menschenrechtsverletzungen."

Was stimmt. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass man in Deutschland nach einem One Night Stand nicht wegen "Erschleichung außerehelichen Beischlafs" in den Knast wandert. Also zumindest nicht mehr seit 1969.


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