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Horror-Lauf lässt Alarmglocken schrillen

Rasta Vechta hat mit dem 81:98 gegen die Merlins Crailsheim die neunte Niederlage im neunten Saisonspiel kassiert. Hier der Nachbericht mit Stimmen und Video.

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Sorgenvolle Blicke am Spielfeldrand: Robin Christen, Neuzugang Ikenna Iroegbu, Kapitän Josh Young und Björn Rohwer (von links) am Sonntagabend beim Spiel gegen Crailsheim. Foto: Schikora

Sorgenvolle Blicke am Spielfeldrand: Robin Christen, Neuzugang Ikenna Iroegbu, Kapitän Josh Young und Björn Rohwer (von links) am Sonntagabend beim Spiel gegen Crailsheim. Foto: Schikora

Der neuerliche Dämpfer war eine halbe Stunde alt, da marschierten Dennis Clifford, Robin Christen und Stefan Peno auf Socken durch den leeren Rasta-Dome. Das Trio von Rasta Vechta hatte seine Cool-down-Übungen beendet und ließ die Gedanken ein wenig kreisen. Der Blick ging immer wieder hoch zur Anzeigetafel, wo die bittere Realität grell aufleuchtete. 81:98 (52:48) gegen die Hakro Merlins Crailsheim – für den heimischen Basketball-Bundesligisten geht die Leidenszeit weiter. Rasta verlor auch das neunte Saisonspiel in der BBL und offenbarte dabei im ersten und dritten Viertel gravierende Schwächen.

Tabellarisch hat sich die Lage von Rasta weiter verschärft. Mit nunmehr 0:18 Punkten fiel das Team von Coach Thomas Päch auf den letzten Tabellenplatz zurück, da das bisherige Schlusslicht Gießen 46ers am Abend zuvor mit dem 110:99 in Bayreuth den ersten Saisonsieg gefeiert hatte. Und am Sonntag legte der Aufsteiger Niners Chemnitz einen 95:75-Paukenschlag bei den Hamburg Towers nach und vergrößerte seinen Vorsprung auf Vechta auf vier Punkte. Fakt ist: Bei Rasta schrillen die Alarmglocken, die Negativspirale dreht sich immer schneller – und am Mittwoch (30. Dezember, 19.00 Uhr) im Weser-Ems-Derby gegen die EWE Baskets Oldenburg droht weiteres Unheil.

„Was mich ärgert ist, dass die Mannschaft es nicht versteht, in welcher Situation wir sind“, sagte Päch und ergänzte: „Wir müssen mit mehr Physis, mehr Aggressivität, ja mit mehr Wut im Bauch spielen.“ Neben dem fast schon obligatorischen Fehlstart im ersten Viertel leistete sich Rasta im dritten Abschnitt eine 0:22-Serie, von der sich das Kellerkind nicht mehr erholte. Philipp Herkenhoff sagte über den Horror-Lauf: „Dafür gibt's keine Antworten. So wie wir da gespielt haben, das ist einfach nicht okay. Wir haben maximal zehn Minuten guten Basketball gespielt und das reicht einfach nicht in der Liga.“ Und der 21- Jährige, der elf Punkte machte, legte nach: „Ich glaube, dass wir uns noch mehr gegenseitig supporten müssen, um diese Runs, die die Gegner haben, zu verkürzen. Dann wird aus einem 0:22-Lauf vielleicht nur ein 0:8- Lauf. Selbst das sollten wir verhindern, aber ... ja, so etwas darf nicht passieren, so ein 0:22-Lauf.“

Redebedarf: Rasta-Coach Thomas Päch (links) mit Schiedsrichter Martin Matip. Foto: SchikoraRedebedarf: Rasta-Coach Thomas Päch (links) mit Schiedsrichter Martin Matip. Foto: Schikora

Coach Päch haderte ebenfalls mit dem fatalen Einbruch. Er vermisste „Energie und Spannung“ und sagte noch: „Wir haben den Ball blind bewegt und die Situationen nicht gut gelesen. Und wir haben die Bälle fahrlässig weggeworfen.“ Diverse Male hatten Rastas Spieler große Mühe beim Fangen der Pässe, die Flutschfinger-Szenen waren fast Slapstick. „Die einfachsten Sachen sind auf einmal ganz schwierig“, sagte Päch, schüttelte fassungslos den Kopf und ergänzte: „Die Pässe waren nicht unfangbar.“ Die große Verunsicherung, ausgelöst durch die Ergebniskrise, ist längst in den Köpfen angekommen. Die Gastgeber, bei denen Jordan Barnett als siebter Ausländer eine Denkpause verordnet bekam, taumelten nach dem Seitenwechsel von einer Verlegenheit in die nächste. Je länger die Begegnung dauerte, desto mehr zerfiel Rasta in seine Einzelteile.

Rastas Topscorer war Jean Salumu mit 22 Punkten, der Belgier leistete sich allerdings auch fünf haarsträubende Ballverluste. Neben Salumu und Herkenhoff punkteten auch Clifford und Neuzugang Ikenna Iroegbu (beide 13) zweistellig. Der am Sonntag vor Weihnachten aus den USA eingereiste nigerianische Nationalspieler hatte am Donnerstagabend nach dem zweiten negativen Corona-Test seine häusliche Isolation beendet und absolvierte am 1. und 2. Weihnachtstag jeweils eine Trainingseinheit mit seinem neuen Team. „Er hat ein ganz gutes Spiel gemacht, hat viel Energie gebracht. Ich glaube, er ist ein gutes Puzzleteil für uns“, sagte Herkenhoff über Iroegbu, dessen Dreier-Quote aber schwach war (0/5). Apropos Dreier: Nach einer starken Ausbeute in der ersten Halbzeit (6/13) brach dieser Wert nach dem Seitenwechsel komplett ein (1/14).

Rastas Panikorchester traf am Sonntagabend auf einen Gegner, der mit breiter Brust agierte. Die Merlins, angereist als Tabellenzweiter und ausgestattet mit dem Selbstvertrauen von sieben Siegen aus acht Partien, ließen sich auch von ihrem Hänger im zweiten Viertel nicht beirren. „Die vielen Siege helfen in den schwierigen Momenten“, sagte Crailsheims Coach Tuomas Iisalo, der aber „nicht zufrieden“ war. Sein Team habe sich phasenweise „zu sicher gefühlt“. Diese Nachlässigkeiten abzustellen, sei die Herausforderung. „In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, dass Crailsheim mit viel Selbstvertrauen spielt“, gab auch Päch zu. Und die Gäste hatten in Liga-Topscorer Trae Bell-Haynes, Elias Lasisi, Jeremy Jones und Haywood Highsmith vier überragende Akteure. Die Merlins steckten im Schlussviertel auch das foulbedingte Ausscheiden von Highsmith, Tim Coleman und Jamuni McNeace weg. „Wir sind als Mannschaft robust“, sagte Iisalo. Ein Zustand, von dem das fragile Rasta-Gebilde meilenweit entfernt ist.


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