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Hohn und Spott nach dem Horror-Lauf

Rasta Vechta taumelt durch die Basketball-Bundesliga und sucht nach einem Ausweg aus der Negativspirale. Coach Thomas Päch und Klubchef Stefan Niemeyer sprechen über die Krise.

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In der BBL weiter sieglos: Rastas Coach Thomas Päch, hier gegen Crailsheim. Foto: Schikora

In der BBL weiter sieglos: Rastas Coach Thomas Päch, hier gegen Crailsheim. Foto: Schikora

Das Echo in den sozialen Netzwerken war verheerend. Über Rasta Vechta ergoss sich bei Facebook und Co. eine Mischung aus Wut und Verzweiflung, aus Frust und Resignation, aus Hohn und Spott. Das jüngste 81:98 (52:48) gegen die Merlins Crailsheim, die neunte Niederlage im neunten Saisonspiel, hatte für den heimischen Basketball-Bundesligisten nicht nur das Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz zur Folge, es warf auch diverse Fragen auf.

Eine davon lautete: Wie um Himmels willen kann so ein 0:22-Lauf wie im dritten Viertel passieren? Rastas Coach Thomas Päch rang auch am Morgen danach noch nach Worten: „So ein Einbruch ist nicht zu erklären. Jedes Negativerlebnis in dieser Phase hat uns noch weiter runtergezogen“, sagte er. 0:22 – es war die längste Negativserie in einem Spiel in Rastas BBL-Historie und löste den 0:20-Lauf gegen Bayern München im zweiten Playoff-Halbfinale 2019 ab. Zwischen dem Korbleger von Jean Salumu zum 54:48 und dem Freiwurf von Dennis Clifford zum 55:70 lagen sieben Minuten und 20 Sekunden ohne Punkt für Rasta. Eine gefühlte Ewigkeit voller Fettnäpfchen im Angriff und Unzulänglichkeiten in der Defense. Auszeiten verpufften wirkungslos oder führten gar zu Ballverlusten, selbst einfachste Sachen klappten nicht. „Wie oft haben wir den Ball am Sonntag nicht gefangen? Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll“, erklärte Päch.

Als er das am Montagmorgen sagte, lag eine schlaflose Nacht hinter ihm („Ich bin vielleicht kurz eingenickt, das war's“). Die Fortsetzung der Krise ließ den 38-jährigen Coach nicht zur Ruhe kommen. Zweimal schaute er sich das Video vom Spiel an; einmal am Stück und einmal, um einige Sequenzen für die Analyse mit dem Team rauszuschneiden. „Wir hatten mehr freie Würfe als Crailsheim, treffen sie aber nicht. Und im Gegenzug kassieren wir Punkte. Das ist die Geschichte der Saison, die gleiche Leier“, sagte Päch. Und weiter: „Fehler aus dem Nichts kosten uns 20 Punkte. In der Defense fehlt der Biss im Eins-gegen-eins, um die Leute vor sich zu halten, da sind wir zu halbherzig.“

Stresstest für inneren Betriebsfrieden

Dass das Kollektiv irgendwann in seine Einzelteile zerfallen könnte – erste Tendenzen gab es am Sonntag bereits –, sei angesichts des „großen Frustpotenzials“ eine realistische Gefahr, so Päch: „Im Moment sehe ich das aber nicht. Die Mannschaft ist in gewissen Phasen eher orientierungslos.“ Die Tatsache, dass Rasta nach der Verpflichtung von Ikenna Iroegbu einen Ausländer zu viel im Kader hat und einer der sieben Importspieler stets pausieren muss, ist ein weiterer Stresstest für den inneren Betriebsfrieden. Gegen Crailsheim erwischte es den zuletzt glücklosen Jordan Barnett, der das Team in Zivil nach besten Kräften unterstützte.

Fakt ist unterdessen: Rasta ist das Team mit der schlechtesten Dreier-Quote der Liga (31,4 Prozent) und den wenigsten Steals pro Spiel (4,7). Und: Auch die als Führungskräfte eingeplanten Josh Young, Stefan Peno, Jean Salumu oder Philipp Herkenhoff haben große Schwankungen und viel mit sich selbst zu tun – zu viel, um anführen zu können. Die Gemengelage erinnert derzeit stark an Rastas Horror-Saison 2016/17, als es ab einem gewissen Zeitpunkt immer schneller bergab ging.

Gedanken an Aufgabe, an einen Rücktritt, hat Päch nicht. „Nein, solche Gedanken hatte ich in Bonn nicht, und die hab' ich jetzt auch nicht“, sagte der Trainer, der im vergangenen Sommer einen Zweijahresvertrag bei Rasta als Nachfolger von Pedro Calles erhalten hatte. Und er ergänzte: „Meine ganze Energie ist darauf fokussiert, was ich tun kann, um dem Team da wieder raus zu helfen.“

Dass der Klub irgendwann die Reißleine ziehen und ihn das gleiche Schicksal ereilen könnte wie in Bonn, wo er Anfang Februar nach 14 Niederlagen in 17 BBL-Spielen entlassen wurde, ist Päch bewusst. „Das ist Teil des Geschäfts. Wenn der Anruf kommt, dann kommt er. Aber solange er nicht kommt, kämpfe ich mit voller Kraft weiter.“ Fortgesetzt wird der Kampf am Mittwoch (30. Dezember, 19.00 Uhr) mit dem Derby gegen die EWE Baskets Oldenburg.

Trainerwechsel für Niemeyer aktuell kein Thema

Für Rastas Klubchef Stefan Niemeyer ist ein Trainerwechsel aktuell kein Thema. Päch genießt noch das Vertrauen der Vereinsführung. Natürlich habe man am Montag die Lage „sehr genau analysiert“, sagte der Geschäftsführer. Man werde jetzt „jede Woche offen diskutieren, was das Beste ist“, so Niemeyer – wohl wissend um die Tatsache, dass gegen Oldenburg und danach in Hamburg (Samstag, 20.30 Uhr) weitere Niederlagen drohen.

Niemeyer schloss nicht aus, dass man nach der Iroegbu-Verpflichtung eventuell noch ein weiteres Mal nachjustiert. Und in der Trainerfrage dürfe man den „menschlichen Faktor“ nicht ignorieren. „Wir werden nicht etwas abrupt beenden und damit vielleicht eine Vita zerstören“, so Niemeyer. Und auch die wirtschaftliche Seite spielt für ihn eine Rolle: „Ein Minus am Ende der Saison soll es nicht geben.“

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