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Höchster Wohlfühlfaktor im hohen Norden

Der Lohner Yannik Nuxoll spielt seit  Sommer 2019 in Norderstedt - und glänzt dort als Kopfballungeheuer. Kürzlich hat der 22-Jährige bis 2022 verlängert.

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Konzentration beim Spielaufbau: Yannik Nuxoll (rechts) in der Partie gegen den FC St. Pauli II. Fotos: Sellhorn

Konzentration beim Spielaufbau: Yannik Nuxoll (rechts) in der Partie gegen den FC St. Pauli II. Fotos: Sellhorn

Als vor ein paar Tagen im Norderstedter Edmund-Plambeck-Stadion ein TV-Team zu Gast ist, bekommt das aktuelle Schicksal der Fußball-Amateurklubs ein Gesicht. „Is' 'n büschen doof der Ausblick jetzt“, sagt der geknickte Stadionsprecher in feinstem Norddeutsch. Der Platzwart dreht mit dem Rasenmäher auf herrlichem Grün einsam seine Runden – sonst bewegt sich nichts. Kein Spieler des Regionalligisten Eintracht Norderstedt kann vor Ort trainieren. Auch Yannik Nuxoll nicht. Der 22-Jährige weilt in seiner Heimatstadt Lohne, sein Apartment in Schleswig-Holstein steht in diesen Tagen leer. „Nur ab und zu gucke ich mal nach, ob noch alles steht“, sagt der Abwehrrecke.

Auch ihn hat die Corona-Krise ausgebremst: Sportlich lief es nach leichten Startschwierigkeiten im vergangenen Sommer bei seinem neuen Klub zuletzt bestens. In 19 von 24 Saisonspielen stand der Innenverteidiger für die Eintracht auf dem Platz und erzielte dabei sogar fünf Tore. „Ich fühle mich einfach wohl“, erklärt er. Den Wohlfühlfaktor bestätigt auch sein neuer Vertrag: Yannik Nuxoll hat bis 2022 unterschrieben. „Den Entschluss hab' ich relativ schnell gefasst“, verrät er.

Ausschlaggebend ist für den Innenverteidiger die Spielpraxis. „Mir ist es wichtig, dass ich nach den zwei Jahren in Meppen auf meine Spiele komme“, betont er. Im Emsland war er ohne Drittliga-Einsatz geblieben. „Das hätte ich mir anders gewünscht“, merkt er verständlicherweise an. Und trotzdem blickt er positiv auf die Zeit zurück, das Training auf hohem Niveau habe ihn auch fußballerisch weitergebracht. „Ich habe aus der Zeit sehr viel mitgenommen“, stellt Yannik Nuxoll fest. Und das kann er jetzt auch zeigen – eine Klasse tiefer, im noch höheren Norden.

Fünf Tore in 19 Spielen - vier davon per Kopf

Die große Stärke des Lohners liegt indes auf der Hand: Körperlich muss er sich vor keinem verstecken, kann er mit seinen 1,91 Metern aber auch gar nicht. Von seinen fünf Saisontoren – zweitbester Wert bei der Eintracht – erzielte Yannik Nuxoll vier mit dem Kopf. Wie es sich für einen torgefährlichen Abwehrhünen eben gehört. Zwei seiner Tore gelangen ihm gleich bei seinem Heimdebüt gegen den Heider SV.

Sein Kopf wird übrigens nicht nur auf dem Fußballplatz beansprucht, sondern auch in der sportfreien Zeit: Der 22-Jährige studiert in Osnabrück Wirtschaftswissenschaften und eignet sich fast alles im Selbststudium an. Homeoffice gilt also nicht erst seit Corona. „Das kommt mir gerade sogar schon fast entgegen, weil vieles auf online umgestellt wird“, erzählt Yannik Nuxoll. So langsam geht es für ihn in die heiße Phase: Die Vorbereitung auf die Bachelorarbeit läuft.

Nebenher hält er sich in seiner Heimat fit. Vom Trainerteam um Coach Jens Martens gab's einen Laufplan, außerdem wird zweimal pro Woche per Videokonferenz mit der ganzen Mannschaft die Athletik trainiert. „Trotzdem bleibt im Moment noch viel Zeit übrig“, sagt Yannik Nuxoll. Die verbringt er in Lohne mit der Familie, mit der Freundin, mit den Kumpels.

Von Tag zu Tag wächst die Hoffnung, dass bald wieder in Norderstedt trainiert werden kann. Zuletzt war der Nordklub auf dem besten Weg, seine Ziele zu erreichen. Nur ein paar Punkte fehlen dem Tabellensechsten zur Regionalliga-Rekordsaison – und durch einen Triumph im Hamburger Verbandspokal wollte man das Ticket für den DFB-Pokal lösen. Aber schon vor der Austragung des Viertelfinales kam die Zwangspause.

Strahlender Torschütze: Yannik Nuxoll (links) beim Jubel.Strahlender Torschütze: Yannik Nuxoll (links) beim Jubel.

„Wir haben eine sehr junge, aber sehr talentierte Mannschaft“, sagt Yannik Nuxoll über den FC Eintracht Norderstedt, dessen Team im letzten Sommer runderneuert wurde. Er passt selbst perfekt in dieses Bild.

„Ich will nicht, dass ich mit 30 Jahren dastehe und die ganze Zeit nur meinem Traum hinterhergejagt bin“Yannik Nuxoll

An seinem Ehrgeiz hat der Rückschritt von der 3. Liga in die Regionalliga Nord nichts geändert. „Ich will so hoch spielen wie möglich“, bekräftigt er. Kürzlich hatte es auch wieder Anfragen von Vereinen aus der 3. Liga gegeben.

Und doch entschied er sich zum Verbleib – auch weil die nächsten ein, zwei Jahre beruflich entscheidend werden. „Ich will nicht, dass ich mit 30 Jahren dastehe und die ganze Zeit nur meinem Traum hinterhergejagt bin“, erklärt er: „Und im Hamburger Raum habe ich demnächst beruflich mehr Möglichkeiten als zum Beispiel zu Hause in Lohne.“ Was nicht heißt, dass der Fußballer nicht gerne seine Zeit im Oldenburger Münsterland verbringt.

Die Kerndisziplin: Innenverteidiger Yannik Nuxoll (rechts) bei der Abwehrarbeit.Die Kerndisziplin: Innenverteidiger Yannik Nuxoll (rechts) bei der Abwehrarbeit.

Aber dem Lohner gefällt auch das Leben in Norderstedt, nördlich von Hamburg. „Es ist ein bisschen ruhiger, aber ich bin schnell in der Stadt, weil ich nah an einer U-Bahn-Station wohne“, erzählt der Verteidiger, der auch schon kurz für den BSV Rehden und in der Jugend für den VfL Osnabrück gekickt hat.

Mit der Ruhe könnte es im Edmund-Plambeck-Stadion ja bald vorbei sein, wenn der Ball wieder rollen darf. Der Blick in die Glaskugel lohnt aber nicht. Vielmehr taugt die lockere Haltung, mit der Yannik Nuxoll in seine sportliche Zukunft blickt: „Mal gucken, was noch so geht.“

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