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Hast du denn die Pfanne heiß? Wir brauchen eine aufgemöbelte Sportförderung

Meine Woche: Die EM hat gezeigt, wie wichtig der Frauenfußball ist. Aber beim Thema "Equal Pay" tut sich trotzdem wenig. Dabei ist auch die Frage: Verdienen Männer nicht viel zu viel?

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Das war doch mal was. Die Fußball-EM der Frauen in England wirkt noch deutlich nach. Alexandra Popp, Lena Oberdorf, Merle Frohms, Klara Bühl, Victoria Carl, Katharina Hennig. Das DFB-Team hat für Furore gesorgt und – auch, wenn es nicht ganz zum Titel gereicht hat – sich verdienten Lohn, unter anderem mit dem „großen Bahnhof“ auf dem Frankfurter Römer nach der Rückkehr, abgeholt.

Die Frage ist nun, was davon bleibt oder daraus erwächst. Die tollen Auftritte des deutschen Teams auf, aber auch und gerade neben dem Platz sollten Ansporn für Kinder sein, den neuen Vorbildern nachzueifern.

Und darum ist Sport so wichtig. Wer wollte zu meiner Kinderzeit nicht so Fußball spielen können wie ein Franz Beckenbauer oder Tore schießen wie Gerd Müller? Aber um die Nachfolger (und Nachfolgerinnen zu finden), muss sich der Nachwuchs sportlich betätigen. In der 1980er und 1990er Jahren lösten Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich einen Tennis-Hype aus. Dieses „Ich will so werden wie...“ ist eine Triebfeder für Kinder, selbst aktiv zu werden.

„Diejenigen, die auf die Karte ,Profisport' setzen, sollten in wirtschaftlicher Hinsicht kein Risiko eingehen müssen.“Ludger Langosch

Damit aus den größten Talenten unter ihnen irgendwann einmal Weltklasseathleten und -athletinnen werden, dafür muss einiges passieren. Die Sportförderung gehört dringend renoviert und aufgemöbelt, die Vereine müssen – auch finanziell – in der Lage sein, die Kids auszubilden. Und diejenigen, die dann irgendwann die Entscheidung fällen, auf die Karte „Profisport“ zu setzen, sollten zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht kein Risiko eingehen müssen.

Dabei geht es weniger um „Equal Pay“, also die gleiche Bezahlung der Geschlechter, als vernünftige Honorierung. Dass die DFB-Frauen eine Prämie (30.000 Euro) kassieren, die ein Bruchteil dessen ist, was die männlichen Kollegen kassieren würden, sollten sie ähnlich Erfolge feiern, ist gewiss ungerecht. Aber sind nicht die exorbitanten Zahlungen im Männerbereich das Manko? Sollte der DFB (und alle anderen Verbände, die Politik eingeschlossen) nicht vielmehr zusehen, dass es eine breite Förderung gibt, die die Topleute wirtschaftlich unabhängig macht? Sonst bleibt es dabei, wie etwa bei der Leichtathletik-WM kürzlich in Eugene, als es nur eine Goldmedaille für Deutschland durch die Weitspringerin Malaika Mihambo gab. Und das kann es ja nicht sein.

Ich muss noch kurz auf den Beginn zurückkommen. In meiner namentlichen Auflistung tauchen zwei Sportlerinnen auf, die mit dem DFB-Team so rein gar nichts zu tun haben. Victoria Carl und Katharina Hennig hatten vielmehr im Winter bei den Olympischen Spielen in Peking sensationell Gold im Teamsprint der Langläuferinnen geholt. Für Furore sorgte vor allem die Livereportage von Jens-Jörg Rieck. Sein „Hast du denn die Pfanne heiß, es ist Gold“, ist legendär geworden. Unterdessen sind Carl/Hennig aus dem Blickfeld verschwunden. 20.000 Euro haben sie übrigens für ihren Olympiasieg bekommen. Und bevor sie in die Gehaltssphären der männlichen Topfußballer aufsteigen, ist der letzte Gletscher längst geschmolzen und in den Alpen fällt kein Schnee mehr.


Zur Person:

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