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Harmonisches Arbeiten unter "Fischköppen"

Außen vor: In einer Serie rückt OM online ehrenamtliche Mitarbeiter heimischer Sportvereine in den Vordergrund. Heute Frank Stolle, 2. Vorsitzender bei Frisia Goldenstedt.

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Hat seit 43 Jahren seinen festen Platz bei Frisia: Frank Stolle begann seine Goldenstedter Vereinslaufbahn 1977 als F-Jugendfußballer. Fotos: von Holt

Hat seit 43 Jahren seinen festen Platz bei Frisia: Frank Stolle begann seine Goldenstedter Vereinslaufbahn 1977 als F-Jugendfußballer. Fotos: von Holt

Als sein Verein 500 Euro Strafe aufgebrummt bekam, stand die Entscheidung fest: Er muss es selber machen. Mittlerweile sei es so ziemlich die einzige körperliche Bewegung, die er noch habe, erklärt Frank Stolle. Er hat bei Frisia Goldenstedt zwar noch einige andere Ämter inne, ist aber auch als Schiedsrichter auf den Plätzen im Landkreis Vechta unterwegs. Die Strafe erhielt sein Verein damals, weil er nicht genügend Schiedsrichter in einer Saison stellen konnte.

Die Einstellung, Dinge im Zweifel selbst in die Hand zu nehmen, Hand anzulegen und sich die Hände schmutzig zu machen, sie zieht sich durch die Artikelserie zum Ehrenamt wie ein roter Faden. So auch bei Stolle und seiner Frisia. Aus seinen Erzählungen lässt sich ableiten, dass dieses Engagement nötiger denn je ist. Auf das Schiedsrichterwesen bezogen stellt Stolle fest: „Da fehlt der Nachwuchs. Wir haben viele Abgänge.“ Die Gründe liegen für den 50-Jährigen auf der Hand: „Für 15 Euro stellt sich niemand von den Jugendlichen mehr auf den Platz und lässt sich beschimpfen.“ Das „Palaver“ von außen habe zugenommen, die Hemmschwelle gegenüber Schiedsrichtern sei geringer geworden. Erschreckend zu sehen sei es, wenn sich in den Spielen Zwei-Meter-Schränke vor kleinen 15-jährigen Unparteiischen aufbauen, so Stolle.

An einen Erfolg erinnert sich Stolle gern zurück

Abseits des Schiedsrichterwesens ist der umtriebige Goldenstedter noch als 2. Vorsitzender sowie als Fußball-Obmann im Verein tätig. Allerdings plant er, das Amt des Obmanns 2022 zugunsten eines Wechsels in den Spielausschuss des NFV-Kreises Vechta aufzugeben. Frank Stolle kam über den Fußball in Kontakt zur Frisia, als 7-Jähriger startete er in der F-Jugend. Anschließend durchlief er den kompletten Jugendbereich, wechselte in den Herrenbereich und begann parallel als Jugendtrainer. Seine angestammte Position auf dem Feld war stets in der Defensive zu finden. Hin und wieder half Stolle bei der 1. Herren aus. Unvergessen für ihn der 4:3-Sieg im Elfmeterschießen des Bezirkspokals 2000 gegen den Niedersachsenligisten Delmenhorster SC. Stolle versenkte seinen Elfer.

Lebenslang Schwarz-Rot:Frank Stolle ist neben seiner Tätigkeit als 2. Vorsitzender zugleich Fußball-Obmann des Klubs.Lebenslang Schwarz-Rot:Frank Stolle ist neben seiner Tätigkeit als 2. Vorsitzender zugleich Fußball-Obmann des Klubs.

Heute „geht die meiste Zeit für die Arbeit als 2. Vorsitzender drauf“, sagt der Lagerist: „Der Verwaltungsapparat hat zugenommen.“ Administrative Aufgaben, Passanträge, Mitgliederverwaltung und eben selbst mit anpacken, wenn Not am Mann ist. So wurde das Tennisheim in Goldenstedt dieses Jahr zu einem großen Teil in Eigenregie renoviert. Fußball bleibt aber trotzdem die Leidenschaft des HSV-Fans. „Das Gros des Vorstands besteht aber aus Fischköppen“, sagt Frank Stolle schmunzelnd. Zu Reibereien mit den Werder-Fans führe dies seinen Angaben zufolge aber nicht: „Ich fühle mich hier sehr wohl und komme mit allen gut klar.“

"Da stößt man bei den anderen beiden Vereinen aber auf taube Ohren."
Frank Stolle über seine Vision, aus drei Klubs der Gemeinde Goldenstedt einen großen zu machen.

Gefragt nach seinen Wünschen, überliefert er gleich eine ganze Palette voll: Mehr abteilungsübergreifende Zusammenkünfte, weiteren Mitgliederzuwachs und die Aufrechterhaltung der jetzigen Abteilungen. Aber auch etwas, was sich derzeit offensichtlich kaum realisieren lässt: Die Gründung eines großen Fußballvereins in der Gemeinde Goldenstedt. Heißt: die Zusammenlegung von Frisia Goldenstedt, Fortuna Einen und dem 1. FC Varenesch. „Da stößt man bei den anderen beiden Vereinen aber auf taube Ohren“, sagt Stolle etwas resigniert. An der Motivation für das Ehrenamt kratzt das aber keineswegs: „Der Verein hat mir früher viel gegeben, die damaligen Mitspieler sind heute meine besten Kumpels“, sagt der DFB-Ehrenamtspreisträger von 2016. Seine Frau und die beiden Kinder seien ebenfalls bei Frisia aktiv. Der Zusammenhalt macht's.

Kurz vor Ende des Gesprächs, als der Laptop schon zugeklappt ist, kommt noch das Thema Stadion-Erweiterung auf den Tisch. Geht es nach Stolle und dem Verein, dürfte das Flutlicht mal erneuert werden. Zudem hätte der Klub gerne einen Kunstrasenplatz sowie ein Beachsoccer-Feld. Aber selbst ohne diese Zugaben ist für Frank Stolle klar, dass das schönste Stadion in seinem Heimatdorf steht: „Und das zweitschönste befindet sich in der Sylvesterallee 7 in Hamburg.“

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