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Halbe Stunde des Grauens eine zu schwere Hypothek

Die Volleyballerinnen des VfL Oythe haben beim 1:3 gegen Berlin ihre sechste Saisonniederlage in der 2. Liga kassiert.

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Oyther Blockarbeit gegen Berlin: Von links Zuspielerin Anne Jansen, Sandra Hövels und Johanna Fragge, die später die Libero-Position übernahm. Foto: Schikora

Oyther Blockarbeit gegen Berlin: Von links Zuspielerin Anne Jansen, Sandra Hövels und Johanna Fragge, die später die Libero-Position übernahm. Foto: Schikora

Er tigerte vor der Bank auf und ab, er schimpfte wie ein Rohrspatz, er war „richtig wütend“ und schüttelte mehrfach den Kopf. Keine Frage, Ali Hobst litt am Samstagabend anderthalb Sätze lang die Qualen eines verzweifelten Trainers und stand da „wie ein begossener Pudel“, wie er später sagte, als der Spuk vorbei war. Gruselig war's, was der Coach der Volleyballerinnen des VfL Oythe passend zu Halloween zwischen 19.15 und 19.45 Uhr zu sehen bekam. Eine halbe Stunde des Grauens. Aber es gab auch andere Momente, die schönen Seiten des Spiels. Phasen, in denen Hobst die Faust ballte, in denen er lobte und antrieb, in denen er das sah, was er sehen wollte. Allein: Am Ende reichte es wieder nicht. Der VfL Oythe verlor das Geisterheimspiel gegen den BBSC Berlin mit 1:3. Es war die sechste Niederlage im siebten Saisonspiel, Oythe bleibt damit Tabellenvorletzter in der 2. Bundesliga Nord.

19:25, 12:25, 25:21, 25:27 – nach 99 Minuten hatten sich Oythes Hoffnungen auf den zweiten Saisonsieg nach dem 3:2 beim RC Sorpesee erledigt. „Wir können das besser“, sagte Hobst nach dem Spiel und ergänzte: „Schade, dass wir uns als Mannschaft immer selbst ins Aus schießen. Wir hatten wieder Phasen dabei, in denen wir den Kopf und die Struktur verlieren.“ Dass ein Großteil des Oyther Teams noch nicht lange in der 2. Bundesliga spielt, war abermals nicht zu übersehen. Hobst suchte jedoch nicht nach Alibis: „Natürlich ist uns eine Mannschaft wie Berlin in Sachen Lebens- und Spielerfahrung deutlich überlegen, aber trotzdem hatten wir ja unsere Chancen. Ich will immer das Maximum an Leistung, was gerade möglich ist. Und das haben wir heute zu selten erreicht.“

Aber alles der Reihe nach: Der erste Satz, den Oythe zuvor nur in Sorpesee gewinnen konnte und ansonsten fünfmal an den Gegner abtreten musste, verlief zunächst ganz ordentlich. Aus einem 9:11 machte Oythe ein 13:11, kurz danach führte der VfL mit 16:13 und 17:14. „Schön war's nicht. Wir haben nicht gut gespielt, aber wir waren vorne“, so Hobst. Und dann fing sie an, die eingangs erwähnte halbe Stunde des Grauens. Die Annahme wackelte, die Blocksicherung patzte, Angriffe landeten weit im Aus. Was für den Rest des ersten Satzes eine „Verkettung unglücklicher Situationen“ (Hobst) war, entwickelte sich im zweiten Abschnitt zu einer handfesten Krise. „Ich habe absolut kein Verständnis für den Auftritt“, haderte Hobst mit dem 12:25.

Hobst beklagt "Sorglosigkeit auf dem Feld"

Sein Team leistete kaum Widerstand, die Körpersprache war „einfach schlecht“, das Oyther Spielniveau hatte nichts mit 2. Liga zu tun. Hobst ärgerte sich über die „Sorglosigkeit auf dem Feld“ und meinte: „Ich war wütend, weil wir immer die gleichen Fehler machen.“ Berlin nutzte das eiskalt aus – angeführt von Alina Gottlebe-Fröhlich, die mit ihren 40 Jahren die zweitälteste Spielerin der 2. Liga Nord nach Ostbeverns Libera Andrea Mersch-Schneider (50) ist. Und von den 28 Jahre alten Kummer-Zwillingen Katharina (Zuspiel) und Annika (Libera), die bereits seit einem Jahrzehnt in der 2. Liga auf Top-Niveau spielen.

19:25 und 12:25 – alles deutete auf ein schnelles 0:3 hin. Doch Oythe kam zurück. Ein krachender Block gleich zu Beginn des dritten Satzes war so etwas wie ein Startsignal. Oythe spielte viel stabiler – auch ein Verdienst von Johanna Fragge, die den Libero-Posten übernahm und Konstanz in die Annahme brachte. Folge: Es war mehr Struktur im Angriff, gepaart mit mehr Durchschlagskraft. Oythe diktierte den dritten Satz, verkürzte so auf 1:2 und agierte auch im vierten Abschnitt auf Augenhöhe mit dem Tabellenzweiten der abgebrochenen Saison. Christine Aulenbrock und Franka Poniewaz, mit 18 bzw. 15 direkten Punkten die effektivsten Oyther Angreiferinnen am Samstagabend, hielten ihr Team lange im Rennen. Oy-the wehrte auch drei Matchbälle ab, für einen Tiebreak reichte es aber nicht mehr. Fazit von Hobst: „Wir sind einfach zu lieb, zu brav. Mir fehlt dieser Biss, es dem Gegner zeigen zu wollen.“


VfL Oythe - BBSC Berlin 1:3

  • Sätze: 19:25, 12:25, 25:21, 25:27.
  • Spielzeit: 99 Min. (23/19/27/30).
  • MVP (wertvollste Spielerin): Christine Aulenbrock (Oythe), Katharina Kummer (Berlin).
  • Nächstes Spiel: Samstag (7.11., 19.30 Uhr) beim ETV Hamburg.

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