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Großes Vertrauen trotz magerer Ausbeute

Die Artland Dragons hecheln in der 2. Basketball-Bundesliga ProA ihren Erwartungen hinterher. Coach Tuna Isler spricht bei OM Online über die Gründe - und über das Derby am Samstag in Vechta.

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Wiedersehen am Samstag: Dragons-Guard Thorben Döding (links) gegen die Rastaner Jannes Hundt (Mitte) und Kristofer Krause. Eine Szene aus dem Testspiel Ende August. Foto: Schikora

Wiedersehen am Samstag: Dragons-Guard Thorben Döding (links) gegen die Rastaner Jannes Hundt (Mitte) und Kristofer Krause. Eine Szene aus dem Testspiel Ende August. Foto: Schikora

Tuna Isler redet nicht lange um den heißen Brei herum. „Wir stehen nicht gut da“, sagt der Trainer der Artland Dragons. Und er ergänzt: „Wir wollten zu diesem Zeitpunkt der Saison eigentlich im Mittelfeld sein, mit Blickrichtung Playoffs. Das ist aktuell nicht der Fall.“ In der Tat: Die Basketballer aus Quakenbrück liegen nur auf Platz 14 der 2. Bundesliga ProA.

Zugegeben: Die Playoff-Plätze sind nicht meilenweit entfernt, noch ist alles drin. Aber die Dragons haben halt sieben ihrer elf Spiele verloren – auch das gehört zur nackten Wahrheit. „Das kann man nicht ausblenden“, gibt Isler zu. In der Hinserie der ProA-Hauptrunde bleiben den Dragons noch fünf Spiele, „um den Anschluss nicht zu verlieren“, so Isler. Sollte das nicht gelingen, „müssen die Ziele korrigiert werden“, sagt der Trainer. Dann wäre in der Rückrunde Abstiegskampf statt Playoff-Rennen angesagt.

Einen ersten Fingerzeig dürfte es am Samstag (19.30 Uhr/live auf sportdeutschland.tv) geben, wenn die Artland Dragons zum Geisterspiel-Derby beim NBBL/ JBBL-Kooperationspartner Rasta Vechta (15.) auflaufen. Isler, 32 Jahre alt und seit November 2019 im Amt, erklärt: „Beide Teams hatten ja gehofft, das Derby auf einem Playoff-Platz oder zumindest in der Nähe dieser Plätze bestreiten zu können. Jetzt hat das Spiel eine andere Bedeutung.“

Dragons ließen sich von der Vorbereitung blenden

Eine Anspielung auch auf Rastas Lage, die noch etwas prekärer ist. Quakenbrücks Nachbar, im Juni aus der 1. Liga abgestiegen und danach gehörig ins Straucheln geraten, hat auch vier Siege auf dem Konto, aber bereits neunmal den Kürzeren gezogen. „Der Verlierer vom Samstag ist auf einem Abstiegsplatz“, beschreibt Isler die neue Brisanz des Derbys. Rasta liegt seit Wochen unter dem ominösen Strich, die Dragons hatten zuletzt Anfang November für eine Woche einen Abstiegsplatz inne.

Dabei hatten die Dragons eine tadellose Vorbereitung auf ihre vierte ProA-Saison absolviert, alle neun Testspiele wurden gewonnen, darunter ein 60:44 in Vechta. „Wir haben uns davon blenden lassen“, räumt Isler nun ein. Diverse Gegner seien dezimiert oder an dem Tag einfach schwach gewesen. „Die Grenzen sind uns dann in den ersten ProA-Spielen aufgezeigt worden“, meint Isler. Vor allem die Wettkampfhärte ließ zunächst zu wünschen übrig. „Wir sind in der ersten Phase der Saison auf unsere Mängel aufmerksam gemacht worden. So etwas sollte eigentlich in der Vorbereitung passieren“, ergänzt der Trainer.

Zuletzt gab's aber Signale der Besserung, wenngleich sich die große Konstanz noch nicht eingestellt hat. Auf die Kantersiege in Schwenningen (99:55) bzw. gegen Ehingen (110:74) folgten Niederlagen gegen Kirchheim (80:90) sowie beim Tabellendritten Tübingen (94:99 nach Verlängerung). Man habe „trotz guter Leistung verloren“, so Isler. Und zuletzt in Tübingen trotz einer überragenden Vorstellung von Adam Pechacek. Der tschechische Center, im Sommer aus Karlsruhe gekommen, machte 35 Punkte – neuer ProA-Saisonrekord.

Aufgrund der frühen Verletzung von Big-Man-Kollege Jonas Weitzel (Schulter) musste Pechacek satte 43:29 Minuten ran, ab Ende des ersten Viertels gab es keine Verschnaufpause. „Adam kennt keinen Schmerz“, sagt Isler. Mit 18,2 Punkten pro Spiel ist Pechacek der Dragons-Topscorer, gefolgt von Zach Ensminger (14,6), Adrian Breitlauch und Taren Sullivan (je 10,5).

Er hofft auf einen Derby-Sieg in Vechta: Tuna Isler, Trainer der Artland Dragons. Foto: SchikoraEr hofft auf einen Derby-Sieg in Vechta: Tuna Isler, Trainer der Artland Dragons. Foto: Schikora

Im Gegensatz zum Lokalrivalen aus Vechta, der bereits viermal nachverpflichtet hat, mündete bei den Dragons die Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand nicht in personellen Veränderungen. „Wir haben großes Vertrauen. Wir wollen das mit den Jungs durchziehen, das ist unsere Philosophie. Wir wollen uns die Sachen erarbeiten“, sagt Isler: „Mehr als die Hälfte der Liga hat schon nachverpflichtet, und das nicht nur einmal. Aber das ist nicht unser Weg.“ Lediglich bei Verletzungen müsse man diesen Weg überdenken.

Zu den Spielern, die das große Vertrauen genießen, gehören die beiden Taktgeber Zach Ensminger (20) und Thorben Döding (22). „Wir haben nicht nur das jüngste Point-Guard-Duo der Liga, sondern auch noch das jüngste deutsche Point-Guard-Duo. Darauf sind wir stolz“, erklärt Isler. Ensminger, der vehement an die Tür zur 1. Liga klopft, spielt 30:56 Minuten im Schnitt, Döding 17:36.

„Thorben hatte einen schwierigen Start in die Saison. Aber wir haben ihm Rückhalt gegeben. Er hat zur Konstanz gefunden und hatte in den letzten Spielen eine tragende Rolle“, so Isler. Döding, unweit des Rasta-Domes aufgewachsen, aber bereits im siebten Profi-Jahr bei den Dragons, verbuchte gegen Ehingen mit 16 Punkten einen persönlichen ProA-Bestwert und legte in Tübingen sieben Punkte, acht Assists und sieben Rebounds nach. Der junge Vechtaer fiebert nun dem Derby ebenso entgegen wie Routinier Chase Griffin (38), der von 2014 bis 2016 für Rasta spielte und in seiner zwölften ProA-Saison (331 Spiele) erneut eine Dreier-Quote von deutlich über 40 Prozent hat (46,3). „Chase ist nach wie vor brandgefährlich“, sagt Isler.

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