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Großer Reitsport ohne die ganz großen Emotionen

Einige heimische Sportler waren beim internationalen Turnier in Hagen am Start. Zuschauer waren nicht zugelassen. Der Langenberger Jan Wernke hielt fest: "Mir fehlt das schon extrem."

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Ein eingespieltes Duo: Jan Wernke und Queen Mary, die in Hagen nicht ihren besten Tag hatte. Foto: Lafrentz

Ein eingespieltes Duo: Jan Wernke und Queen Mary, die in Hagen nicht ihren besten Tag hatte. Foto: Lafrentz

Ein großes Reitsportfest war es nicht, eher ein Mammut-Turnier unter Laborbedingungen. „Es ist einfach nicht so, wie es eigentlich sein sollte. Mir fehlt das schon extrem“, sagte Jan Wernke zum fehlenden Zuschauerspektakel beim „Horses & Dreams“ in Hagen am Teutoburger Wald. Und dennoch war er sehr glücklich, dass das erste deutsche international ausgeschriebene Turnier der grünen Saison allen Widrigkeiten zum Trotz über die Bühne gebracht werden konnte. „Die Familie Kasselmann hat einen abnormalen Job gemacht“, lobte der Langenberger Springreiter.

Das kann man wohl so sagen. Dafür, dass sich die rund 250 Reiter und knapp 700 Pferde in Hagen Spring- und Dressurwettkämpfe auf Top-Niveau liefern konnten, hatten die Organisatoren selbst große Hürden zu überspringen. Neben Corona erschwerte auch das Herpes-Virus, das zuvor für eine nationale und internationale Turnierpause gesorgt hatte, die Planungen. So galt in Hagen: testen, testen, testen. Die Sportler wurden auf Corona getestet – und jedes einzelne Pferd musste einen aktuellen negativen PCR-Test auf das Herpes-Virus vorweisen.

Abseits der störenden Corona-Leere sagte Jan Wernke zu den Gegebenheiten vor Ort: „Es ist natürlich wunderschön da.“ Auch rein sportlich war er „eigentlich sehr gut zufrieden“. Und das, obwohl seine Erfolgsstute Queen Mary auf der Zielgeraden ihrer Karriere „nicht ganz so gut in Schuss“ gewesen sei. Den einzigen Ritt mit ihr brach der 32-Jährige ab, weil schon frühzeitig keine Chancen für eine Qualifikation für den Großen Preis – den später Maurice Tebbel gewann – mehr da waren. Sein zweites Top-Pferd Nashville musste nach Problemen mit dem Dünndarm noch pausieren.

Frisches Paar: Laura Klaphake auf dem Schimmel Quin in Hagen. Foto: LafrentzFrisches Paar: Laura Klaphake auf dem Schimmel Quin in Hagen. Foto: Lafrentz

Stattdessen standen zwei Newcomer im Fokus: At the top und Gaudi des Terdrix, die auf internationalem Niveau noch total unerfahren sind. Mit At the top belegte Jan Wernke im Eröffnungsspringen Platz sechs und auf der Mittleren Tour zweimal Rang zwei. Gaudi machte beim Finale der Mittleren Tour eine gute Figur – trotz Fehler.

Der Langenberger bemerkte, dass die fehlende Kulisse sowohl für den Reiter als auch für das Pferd besonders ist. Und nicht immer von Vorteil. „Wenn ich unter Druck stehe, kann ich besser reiten“, sagte er. Auch Queen Mary sei vor Zuschauern stärker. At the top habe hingegen von der Ruhe profitiert. Den Oldenburger Wallach reitet Jan Wernke übrigens erst seit kurzem. Seine Freundin Paweena Hoppe, die auch zum Bereiterteam gehört, war zuvor mit At the top auf Turnieren unterwegs. „Dann hab' ich ihr den stibitzt“, so Jan Wernke lachend. Er werde zwar wohl nicht in die Fußstapfen von Queen Mary oder Nashville treten, sei aber in der Lage, auf gutem Niveau ordentliche Ergebnisse zu liefern.

Die Mühlener Springreiterin Laura Klaphake war auf dem Hof Kasselmann mit vier Pferden im Einsatz – mit denen sie sehr zufrieden war. Mit Top-Pferd Bantou Balou erreichte sie beim Flutlichtspringen der Großen Tour Platz elf. Im Großen Preis reichte es für beide wegen eines ärgerlichen Fehlers nur zur Platz 30. Außerdem präsentierte sie mit Quin ein „neues“ Pferd, mit dem sie bislang nur im März in Spanien sowie zuletzt in Klein Roscharden im Einsatz war. Der Hengst (Jahrgang 2010) wurde zuvor ab 2019 von Simon Nizri in Mexiko und den USA geritten – und davor von Katrin Eckermann. Laura Klaphake landete mit Quin im Finale der Mittleren Tour auf Platz 14.

Ihr Bruder Enno Klaphake nahm mit NC Verso Red Wine und Campino an der Quali für das Finale des U-25-Springpokals beim CHIO in Aachen teil. In der 1. und 2. Qualifikation wurde der Mühlener Vierter bzw. Dritter. Im dritten Springen gab es mit Campino den elften Platz. Hier triumphierte Hannes Ahlmann. Am Montag teilte Enno Klaphake mit, dass er es in der Gesamtwertung unter die besten Fünf geschafft hat. „Ich hab mich für Aachen qualifiziert, wo ich mich riesig, riesig drüber freue“, sagte er.

Auch die Dinklager Dressurreiterin Kristina Bröring-Sprehe war bei Horses & Dreams dabei. Mit der zwölfjährigen Stute Saphira Royal hatte sie im Februar beim ersten Grand-Prix-Auftritt in Vechta einen starken zweiten Platz belegt. Auf dem Hof Kasselmann startete das Paar, das seit etwas mehr als einem halben Jahr zusammen trainiert, am Freitag im Grand Prix Special. Im stark besetzten Teilnehmerfeld reichten die 70,891 % für Platz 20. Jessica von Bredow-Werndl und die Britin Charlotte Dujardin waren in der Dressur das Maß aller Dinge.

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