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Glücksgefühle nach dem ersehnten Re-Start

Nach sieben Monaten ist Julia Middendorf zurück auf der ITF-Juniors-Tour. Zuvor absolvierte sie einen Lehrgang mit Andrea Petkovic und Sabine Lisicki.

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Zurück auf der ITF-Juniors-Tour: Julia Middendorf (17) vom TV Visbek. Foto: Becker

Zurück auf der ITF-Juniors-Tour: Julia Middendorf (17) vom TV Visbek. Foto: Becker

Julia Middendorf war total happy, das war nicht zu überhören. „Es hat richtig Spaß gemacht, ich hab's genossen. Die DTB-Serie und die Punktspiele mit Visbek waren auch gut, aber wieder auf der ITF-Tour zu sein, ist schon was anderes“, sagte die 17 Jahre alte Dinklagerin nach ihrem Comeback auf der Juniors-Tour des Tennis-Weltverbandes ITF. Fast auf den Tag genau sieben Monate nach ihrem letzten ITF-Match, dem Viertelfinale in Oberhaching Mitte Februar, tritt Julia Middendorf in dieser Woche beim „Head Cup“ in Bruchköbel an, einem Turnier der Kategorie J3 im osthessischen Main-Kinzig-Kreis. Und dass die Junioren-Nationalspielerin des Deutschen Tennis Bundes (DTB) so gut gelaunt war, hatte natürlich auch mit den ersten Resultaten zu tun. Julia Middendorf steht in Bruchköbel im Viertelfinale. Nach einem 6:4, 6:1-Auftaktsieg gegen die 15 Jahre alte Französin Clara Cwajgenbaum feierte sie am Mittwoch im Achtelfinale einen 6:2, 6:3-Erfolg gegen Tea Lukic (16) aus Gifhorn. Gegnerin im Viertelfinale ist die Russin Yaroslava Bartashevich (15).

„Ich war beim Frühstück und auch beim Einspielen tiefenentspannt“, sagte Julia Middendorf, die hinter der Polin Weronika Baszak, der Belgierin Sofia Costoulas sowie ihrer DTB-Kollegin Mara Guth an Nummer vier gesetzt ist, nach ihrem Auftaktspiel: „Trotz der langen Pause war ich viel ruhiger als sonst. Das hat mich echt gewundert.“ Gewundert schon, aber Zufall war's auch nicht. Während der langen Corona-Zwangspause hatte sie nicht nur intensiv an ihrer körperlichen Fitness gearbeitet, sondern auch „viel im mentalen Bereich gemacht“. Prof. Dr. Martin Schweer von der Uni Vechta ist neuerdings der Mentaltrainer der Gymnasiastin (12. Klasse der Liebfrauenschule Vechta).

Und: Bruchköbel ist ein gutes Pflaster für die Nummer eins des designierten Zweitliga-Aufsteigers TV Visbek; 2018 hatte Julia Middendorf dort ihren ersten Einzel-Titel auf der ITF-Tour geholt. Zwei Jahre später ist vieles anders: Die Coronavirus-Pandemie sorgt für strenge Vorschriften auf der Anlage. „Und jeden Morgen wird Fieber gemessen“, berichtete Julia Middendorf und hielt grundsätzlich fest: „Alle sind total froh, dass es wieder Turniere gibt.“ Theoretisch hätte sie schon im August auf die ITF-Tour zurückkehren können, aber die letzten zwei Regionalliga-Punktspiele mit Visbek und die Chance auf den Aufstieg in die 2. Liga hatten Vorrang. „Auf die ein, zwei Wochen kam's dann ja auch nicht mehr an“, sagte Julia Middendorf. Bruchköbel ist ihr viertes ITF-Turnier im Jahr 2020. Im Januar, also vor Corona, hatte sie in Prag sowie in Sviatopetrivske/Ukraine gespielt, danach im Februar in Oberhaching.

Live-Auftritt im TV-Studio bei Eurosport

Der Re-Start in Bruchköbel gegen Clara Cwajgenbaum verlief solide. „Im ersten Satz hatte ich ein paar leichtere Fehler dabei, das ist normal in einem Erstrundenspiel. Aber ich bin nicht hektisch geworden, im zweiten Satz hatte ich einen guten Rhythmus“, meinte Julia Middendorf. Gegen Tea Lukic gab's auch keine Probleme. „Das Match war ganz gut. Wir kennen uns gut, dann ist es nicht so einfach. Ich hab' meine Chancen genutzt und es taktisch ganz gut gemacht“, sagte die Dinklagerin. Für sie war's der 58. Sieg im 89. ITF-Einzel. Und im Doppel feierte sie an der Seite von Mia Mack einen 6:3, 6:3-Erstrundensieg gegen Celine Naef/Anna Semenova (Schweiz/Russland).

Dem Turnier in Hessen war ein DTB-Lehrgang an der bayrischen Tennis-Base Oberhaching vorausgegangen. Unter der Regie von Barbara Rittner, „Head of Women's Tennis“ beim DTB, trainierten Julia Middendorf und ihre „Porsche-Junior-Team“-Kolleginnen Mara Guth und Nastasja Schunk drei Tage lang mit den erfahrenen Profis Sabine Lisicki und Andrea Petkovic. „Es waren viele Trainer da, wir hatten quasi eine Eins-zu-eins-Betreuung“, berichtete Julia Middendorf. Zudem hatten die drei DTB-Talente im Rahmen der US-Open-Berichterstattung von Eurosport einen Live-Auftritt in der Sendung „First Serve Rittner“. Julia Middendorf sprach nach dem Interview im TV-Studio von einer „tollen Erfahrung“.

Und die eigenen Grand-Slam-Ambitionen? Für die French Open in Paris, die am kommenden Montag beginnen, hätte Julia Middendorf eigentlich einen Platz in der Juniorinnen-Qualifikation gehabt. Aber: In Zeiten von Corona wurde die Qualifikation gestrichen, es gibt nur das Hauptfeld. „Es müssten noch 30 rausfallen, damit ich dabei bin. Das ist unrealistisch“, sagte Julia Middendorf. Dann halt 2021, der Traum rückt auf jeden Fall näher.

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