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Geräuschloses Ende einer Ausnahme-Saison

Die Rückkehr in die Fünftklassigkeit nach 14-jähriger Abstinenz löst in Lohne Glücksgefühle aus. Gleichzeitig wächst die Hoffnung auf einen baldigen Neustart.

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Stillleben auf dem Sportplatz: Die NFV-Spitze macht sich dafür stark, dass es bald wieder Wettbewerb gibt. Foto: Lünsmann

Stillleben auf dem Sportplatz: Die NFV-Spitze macht sich dafür stark, dass es bald wieder Wettbewerb gibt. Foto: Lünsmann

Den Moment des Triumphes hatten sie sich in Lohne, Friesoythe und Emstek anders vorgestellt. Das Gefühl, endlich am Ziel angekommen zu sein, stellte sich nicht etwa per Schlusspfiff ein, sondern mit einer Mitteilung des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV). Grüner Tisch statt grüner Rasen. Die Saison 2019/ 20 ist am Samstagvormittag mit einem klaren Votum (91,1 Prozent) auf dem virtuellen außerordentlichen Verbandstag beendet worden. Die Spielzeit wird wie erwartet nach der Quotientenregelung gewertet – mit Aufsteigern, ohne Absteiger. Heißt: Zwei Lohner Klubs haben ihre Mission erfüllt. BWL steigt in die Oberliga auf, Amasyaspor in die Bezirksliga. Und im Kreis Cloppenburg bejubelten Hansa Friesoythe und der SV Emstek den Aufstieg in die Landes- bzw. Bezirksliga.

Die Entscheidung hatte sich angebahnt – und doch löste die Gewissheit am Samstag Freude aus. Nach 14 Jahren wieder zurück in der 5. Liga zu sein, „ist ein schönes Gefühl“, sagte BW Lohnes Trainer Henning Rießelmann. 2005/06 war Lohne aus der Niedersachsenliga West abgestiegen. „Ich hatte den klaren Auftrag und das klare Ziel, aufzusteigen.“ Weil das direkt geklappt hat, dankte der Dinklager dem Fußballobmann Manuel Arlinghaus für die Rückendeckung, seinem spielenden „Co“ Sandro Heskamp für die Loyalität und dem Team für den Einsatz. Der Aufstieg wird am nächsten Samstag bei einem kleinen Frühschoppen im Rahmen der Möglichkeiten gefeiert.

Neben der unbestrittenen fußballerischen Qualität sei auch eine „gute Harmonie in der Mannschaft“ dienlich gewesen. „Wir haben keine Stinkstiefel“, sagte Rießelmann. Nun gelte es, in der Saison 2020/21 schnell den Klassenerhalt in der Oberliga – deren Teilung in eine West- und eine Ost-Staffel Rießelmann erwartet – zu sichern. Dies ist der erste Schritt des Lohner Drei-Jahres-Plans, der zum Regionalliga-Aufstieg führen soll.

Lohner Jubel: Ein gewohntes Bild aus der Saison 201920. Foto: SchikoraLohner Jubel: Ein gewohntes Bild aus der Saison 2019/20. Foto: Schikora

Rießelmann weiß, dass das Lohner Vorhaben von Außenstehenden auch kritisch beäugt wird. Er bekräftigt aber, dass man sich an den Zielen auch messen lassen werde. Und weiter: „Wenn ich gesagt hätte 'Lass uns die nächsten zehn Jahre in der Oberliga spielen', dann wären einige Jungs gar nicht gekommen.“ Der Coach hielt zudem fest: „Ich finde, dass wir eine Mannschaft aufgebaut haben, mit der sich die Lohner identifizieren können.“

Einen Drei-Jahres-Plan kennt man auch beim Nachbarklub Amasyaspor. Der feine Unterschied: Dort ist dieser Plan seit Samstag vollendet. Nach dem Abstieg in die 1. Kreisklasse 2017 sollte es binnen drei Jahren hoch in die Bezirksliga gehen. Dahin gehend kann nun Vollzug gemeldet werden. „Das ist schon schön, dass da jetzt ein Haken dran ist“, freute sich Coach Thomas Schmunkamp, der im Herbst übernahm und für den es zugleich der erste Aufstieg als Herren-Trainer ist. Er merkte an: „Das hab' ich ja jetzt auch nicht allein gemacht.“ So sei auch seinen Vorgängern Raik Wolter und Murat Önder (auch Interimstrainer) zu danken.

Die Saisonabschlussfeier am Samstag bekam so für Schmunkamp noch „eine bestimmte Würze“. Zur Bezirksliga sagte er: „Da gehen wir mit Respekt rein, aber auch mit Vorfreude.“ In Angreifer Tobias Mählmann (zuletzt RW Visbek) rückt noch ein weiterer Neuzugang in den Kader. Schmunkamp vergaß nicht, seinem Ex-Klub BW Lohne zum dreifachen Aufstieg zu gratulieren. Neben der Ersten steigen die A-Jugend in die Regionalliga und die Dritte (zusammen mit Varenesch) in die Kreisliga auf.

„Wer so bitter wie wir am letzten Spieltag einer Saison absteigt und dann so eine Reaktion zeigt, hat es sicher auch verdient.“Friesoythes Trainer Hammad El-Arab

Friesoythes Trainer Hammad El-Arab sagte: „Für uns ist die Entscheidung sehr erfreulich, weil wir nach so kurzer Zeit wieder Landesliga spielen dürfen. Ich glaube aber auch, dass der Aufstieg verdient ist. Wir haben den besten Punkteschnitt aller fünf Bezirksligen sowie in unserer Liga die meisten Tore geschossen und die wenigsten kassiert. Wer so bitter wie wir am letzten Spieltag einer Saison absteigt und dann so eine Reaktion zeigt, hat es sicher auch verdient. Jetzt haben wir endlich zu einhundert Prozent Planungssicherheit und freuen uns auf die neue Landesliga-Saison.“

Emsteks Trainer Jörg Roth absolvierte mit der Mannschaft am Samstagmorgen noch eine lockere Trainingseinheit und nahm dann zusammen mit dem Team die Entscheidung zur Kenntnis. „Die Freude war natürlich riesengroß. Der Beschluss hatte sich zwar angedeutet, aber jetzt ist er sicher und wir sind natürlich erleichtert. Auch wenn es natürlich andere Meinungen gibt, ist dieser Beschluss aus meiner Sicht die beste Lösung. Man kann es nicht allen recht machen. Bei uns hat es nach dem Abstieg aus der Bezirksliga in den drei Jahren Kreisliga eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung gegeben. Wir haben in unseren 13 Spielen keine Partie verloren und gerade einmal acht Gegentore kassiert. Ich bin überzeugt, wenn es sportlich zu Ende gegangen wäre, auch dann wären wir oben dabei gewesen. Bis auf Nils Niemöller und Leon Tholen, die zum SV Höltinghausen wechseln, bleibt unser Kader zusammen."

Distelrath will Situation neu bewerten lassen

Glücklich waren am Wochenende aber nicht nur die Aufsteiger, sondern auch die NFV-Delegierten. Bereits nach 82 Minuten stand beim Verbandstag der Beschluss – 265 von 291 Stimmen entfielen auf den NFV-Antrag. Alle Änderungsanträge wurden dagegen mit großer Mehrheit abgelehnt.

NFV-Präsident Günter Distelrath machte zudem Hoffnung darauf, dass bald wieder gespielt werden kann. Er sagte am Samstag: „Untersuchungen weisen darauf hin, dass Fußball, anders als Boxen oder Ringen zum Beispiel, keine Kontaktsportart im Sinne lang anhaltender, statischer Ganzkörperkontakte mit hohem Infektionsrisiko ist. Vielmehr ist Fußball eine Sportart mit Kontakt über wenige Sekunden mit geringer Kontaktfläche. Vor diesem Hintergrund scheint es vertretbar, die Einschränkungen des Fußballspielens im Freien komplett aufzuheben.“

Er fordert die Politik daher auf, die Situation neu zu prüfen. Er sei „guten Mutes“, dass bald wieder unter Wettkampfbedingungen gespielt werden kann. Der nächste ordentliche Verbandstag wurde auf den 6. Februar 2021 verschoben. Gut möglich, dass dann gilt: weniger grüner Tisch, mehr grüner Rasen.

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