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Gemischte Fußball-Teams? Eher nicht!

Die neue Regelung in den Niederlanden wird bei Experten aus der Region überwiegend kritisch gesehen. Das ergab eine Umfrage von OM online. Birgit Niemeyer hat eine etwas andere Meinung zu dem Thema.

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Reine Frauenmannschaften: Die SG Hemmelte/Lastrup und von BW Lohne standen sich im Mai 2019 im letzten Kreispokal-Endspiel vor der Corona-Zwangspause gegenüber. Archivfoto: Langosch

Reine Frauenmannschaften: Die SG Hemmelte/Lastrup und von BW Lohne standen sich im Mai 2019 im letzten Kreispokal-Endspiel vor der Corona-Zwangspause gegenüber. Archivfoto: Langosch

Im niederländischen Amateurfußball dürfen von der kommenden Saison 2021/22 an Frauen und Männer gemeinsam in einer Mannschaft spielen. Jene neue Regelung gilt hoch bis zur 3. Liga. Man wolle so erreichen, dass Frauen und Mädchen aufgrund ihrer Qualitäten und eigenen Ziele eine passende Stelle in der Fußballlandschaft finden, wird Amateurfußball-Direktor Jan Dirk zitiert. „Wir wählen Gleichwertigkeit und Diversität.“

Geht es nach dem DFB-Vizepräsidenten und Chef des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) Günter Distelrath, sollen auch in Deutschland von der Oberliga an abwärts „so schnell wie möglich“ Frauen in Männer-Teams spielen dürfen. „Die strikte Trennung zwischen Frauen und Männern ist mit Blick auf die Geschlechtergerechtigkeit auch im Amateurfußball nicht mehr zeitgemäß“, so Distelrath in einer NFV-Mitteilung.

OM online hat vier Experten aus der Region nach ihrer Meinung zu dem Thema gefragt. Das Ergebnis: Gemischte Mannschaften im Erwachsenenbereich werden eher kritisch gesehen. Birgit Niemeyer aus Hemmelte, die früher beim BVC spielte und aktuell Sportliche Leiterin der weiblichen U13- bis U23-Teams des JLZ Emsland ist, würde es allerdings begrüßen, wenn der DFB die Weichen für gemischte Teams stellen würde.

Tanja Schulte. Foto: LangoschTanja Schulte. Foto: Langosch

Tanja Schulte (langjährige Trainerin und Sportliche Leiterin der BVC-Fußballerinnen): „Ich habe das zunächst eher als Scherz aufgefasst. Der Frauenfußball sollte auf jeden Fall eigenständig bleiben, ich halte die getroffene Regelung in Holland für kontraproduktiv. Aufgrund der Unterschiede in Sachen Schnelligkeit und Robustheit, kann man Frauen- und Männerfußball gar nicht miteinander vergleichen. Wir haben mit dem BVC oft gegen Männerteams gespielt und wussten natürlich schon im Vorfeld, dass wir körperlich nicht mithalten können. Ich bin allerdings ein großer Verfechter davon, dass Mädchen im Jugendbereich so lange wie möglich bei den Jungs spielen sollten, wenn sie das Zeug dazu haben. Das fördert sie ungemein – gerade in körperlicher Hinsicht und in Bezug auf das Durchsetzungsvermögen.“

Sascha Anneken (Coach des Frauen-Landesligisten SV-DJK Bunnen): „Zwar könnte ich mir vorstellen, dass es eventuell die eine oder andere Frau gibt, die im Männerfußball mithalten könnte, letztlich sind die Unterschiede aber zu groß – vor allem, wenn es um höherklassige Ligen geht. Das Technische und das Taktische sind dabei sicher nicht das Problem, sondern die Athletik. Das zeigen unter anderem Beispiele an Universitäten in den USA, wo zum Teil Frauen in Männerteams spielen. Im Jugendbereich dagegen können Mädchen auf jeden Fall davon profitieren, wenn sie sich auf dem Platz mit Jungs messen.“

Birgit Niemeyer. Foto: ArchivBirgit Niemeyer. Foto: Archiv

Michael Macke (Männer-Trainer des Bezirksligisten SV Thüle): „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer von dieser Konstellation profitieren sollte. Vielleicht würden sich die Jungs besser benehmen, wenn eine Frau im Team dabei ist. Aber Spaß beiseite: Die körperlichen Unterschiede sind meiner Meinung nach einfach zu groß, deswegen halte ich es für schwierig.“

Birgit Niemeyer (Sportliche Leiterin der weiblichen Nachwuchsabteilung des JLZ Emsland): „Für mich spricht nichts dagegen, wenn Spielerinnen, die über das nötige Niveau verfügen, zumindest die Chance haben, in Männer-Mannschaften aufzulaufen. Schließlich sollte dafür alleine die fußballerische Leistung entscheidend sein. Ich fände es gut, wenn man dafür auch in Deutschland die Voraussetzungen schaffen würde, denke aber, dass es in der Praxis bei Einzelfällen bliebe.“

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