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Geisterspiele lassen sich leichter leiten

Drittliga-Fußballschiedsrichter Franz Bokop von SFN Vechta fühlt sich nach dem Re-Start fitter denn je.

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Einsatz in der 3. Liga: Schiedsrichter Franz Bokop zeigt dem Mannheimer Max Christiansen im Spiel gegen den Chemnitzer FC die Gelbe Karte. Das war noch vor Corona. Foto: nph / Fabisch

Einsatz in der 3. Liga: Schiedsrichter Franz Bokop zeigt dem Mannheimer Max Christiansen im Spiel gegen den Chemnitzer FC die Gelbe Karte. Das war noch vor Corona. Foto: nph / Fabisch

Für Franz Bokop ist der Fall klar. „Spiele ohne Zuschauer sind für mich leichter zu leiten.“ Der Fußball-Schiedsrichter von SFN Vechta zieht dieses persönliche Corona-Fazit nach einem Einsatz im Drittliga-Spiel zwischen dem Halleschen FC und Waldhof Mannheim (3:0) am 9. Juni. Doch der 30-Jährige betont auch: „Mit Zuschauern zu pfeifen, macht schon mehr Spaß. Das ist einfach cooler.“

Aber Franz Bokop hat zurzeit gut zu tun. Seit dem Re-Start war er bis zu diesem Donnerstagabend mit der Partie Holstein Kiel gegen Dynamo Dresden (2:0) schon viermal als 4. Offizieller in der 2. Liga dabei. Bereits an diesem Sonntag soll sein zweiter Drittliga-Einsatz als Referee folgen, insgesamt sein neunter in dieser Saison. Wo, ist für die Öffentlichkeit noch verborgen. Der Deutsche Fußball-Bund veröffentlicht die Namen der Schiedsrichterteams für die Ligen 1 bis 3 seit Corona immer erst tagesaktuell, weil die Schiris einen Tag vorher zur Corona-Testung müssen. „Matchday minus 1, so heißt das“, sagt Franz Bokop, der dazu den Mannschaftsarzt des Gastgeberklubs oder eines in der Nähe befindlichen Profiteams wie VfL Osnabrück oder SV Meppen aufsucht: „Ohne Test kein Spiel“, erläutert Bokop. Das Laborergebnis liegt am nächsten Tag vor. Die Zeit für die Testungen muss man auch erst mal haben. Franz Bokop, Lehrer für Mathe, Physik, Technik und Informatik an der Vechtaer Ludgerusschule, hat es bisher immer hinbekommen.

Es hat sich auch für die Referees einiges geändert, seitdem der Profifußball in Deutschland ohne Zuschauer fortgesetzt worden ist. Franz Bokop, der als höchster VEC-Schiedsrichter jetzt seine fünfte Drittliga-Saison pfeift, nennt da zum einen die Empfehlung, weiter per Pkw, aber nicht gemeinsam zu den Geisterspielen anzureisen. So fuhren der auch als Schiri-Kreislehrwart tätige
Bokop und sein SFN-Kamerad Christian Meermann als Assistent in zwei Pkw zur Partie nach Halle an der Saale. Außerdem sind neuerdings ortsnähere Ansetzungen – auch im eigenen Landesverband – möglich.

Zwiegespräch: Franz Bokop (rechts)  und Mannheims Trainer Bernhard Trares. Foto: nphFabischZwiegespräch: Franz Bokop (rechts)  und Mannheims Trainer Bernhard Trares. Foto: nph/Fabisch

Im Stadion werden die Kontakte möglichst eingeschränkt. Es gilt Mundschutzpflicht, außer auf dem Spielfeld. Es gibt kein gemeinsames Einlaufen und folglich auch keine Einlaufkinder. Nach dem Spiel wird getrennt geduscht, es gibt eingeschweißtes Essen, frisches Obst und Energieriegel. „Man muss selber vor dem Spiel hochfahren. Ohne Zuschauer fehlt die Stimmung“, berichtet Franz Bokop. Dafür sei die Spielleitung einfacher: „Man hat die Wahrnehmung im Kopf abgehakt“, sagt Bokop, mit Zuschauern müsse man Entscheidungen erst durchsetzen. Weitere Beobachtung des Vechtaers: „Die Spieler sind ruhiger.“ Man neige aber auch dazu, ohne Zuschauerresonanz schwächere Strafen auszusprechen.

Vom DFB gab es vor dem Re-Start für die Schiedsrichter Videos, um sich auf die neue Situation vorzubereiten. „Aber sich im Stadion dann darauf einzustellen, ist schon schwer“, räumt Franz Bokop ein. Er war in dieser Saison auch schon mehrmals als Assistent des Videoassistenten im „Kölner Keller“ im Zweitliga-Einsatz. Bokop: „Auch das hat seinen Reiz. Aber der Spaßfaktor auf dem Feld ist schon größer.“ Der Verdienst auch. Pro Drittliga-Spielleitung erhält ein DFB-Referee 1000 Euro, die natürlich noch zu versteuern sind.
Den Saisonverlauf sieht Franz Bokop für sich insgesamt positiv: „Das ist okay. Ich bin absolut zufrieden.“ Zwar schaue er nicht so sehr auf die Noten im Kicker, wo er mit einem Schnitt von 3,0 zurzeit sehr gut dasteht; wichtiger seien die DFB-internen Bewertungen. Sogar als ausgesprochen gut bezeichnet Franz Bokop seinen Fitnesszustand in der Pandemie: Per App geben die DFB-Schiri-Trainer

2. Bundesliga wäre 
klasse, aber Spaß hat er auch in der Landesliga

Trainingsanleitungen. Bokop nimmt sie sechsmal die Woche wahr und stellt fest: „Ich bin nach Corona bzw. in Corona fitter als vorher.“
Der SFN-Unparteiische darf noch bis zum Alter von 47 Jahren DFB-Spiele leiten. Ob die 3. Liga das letzte Wort ist, weiß er nicht. In der vergangenen Saison schaffte nur einer von 23 Drittliga-Schiris den Aufstieg in die 2. Liga. Am 4. Juli werden die neuen Klassenzuteilungen bekannt – immer am Tag des DFB-Pokalfinales. „Ich würde schon gerne 2. Bundesliga machen, aber dafür sind viele Faktoren entscheidend“, sagt Bokop. Vor allem das klare Leistungsprinzip, das ihn vor dieser Saison als Zweitliga-Assistent ausscheiden ließ. „Das war auch berechtigt“, räumt er ohne zu zögern ein.

Aber auch in der 3. Liga oder in den unteren Klassen bis zur Landesliga, wo er gelegentlich leitet, habe er Spaß: „Da ist der Druck nicht so hoch.“ Stichwort Druck: Entscheidend sei, „den auszuhalten, denn pfeifen können wir alle“, erklärt Bokop, der sich in der Schiri-Typologie eher den Kommunikativen zuordnet. Einschränkung: „Die Spieler dürfen mich nicht anschreien.“ Nicht vor Corona, nicht in Corona und auch nicht nach Corona.

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