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Fußball-Fans im Corona-Notstand: Lebenselixier fehlt weiter

VEC-Fanklubs berichten von ihrer Situation in Corona-Zeiten. Es gibt keinen Mitgliederschwund, sondern eher einen leichten Zuwachs.

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Per Zoom ins Weserstadion: Sabrina Stenzel von den Greenhorns Damme nahm an einer Videokonferenz mit Stadionsprecher Christian Stoll teil. Foto: Stenzel

Per Zoom ins Weserstadion: Sabrina Stenzel von den Greenhorns Damme nahm an einer Videokonferenz mit Stadionsprecher Christian Stoll teil. Foto: Stenzel

Es ist erst wenige Wochen her, da saß Sabrina Stenzel von den Greenhorns Damme im Südkreis vor ihrem Laptop – und trotzdem war sie mittendrin im 70 Kilometer entfernten Bremer Weserstadion. Der Fanklub von Werder Bremen wurde ausgelost – und ein Mitglied durfte an einem Zoom-Meeting mit Stadionsprecher Christian Stoll inklusive eines Blick hinter den Kulissen während des Bundesliga-Heimspiels gegen den VfL Wolfsburg teilnehmen. Es war eine Premiere. Möglich gemacht hat das die Corona-Pandemie – doch ansonsten wurden die hiesigen Fanklubs von den Beschränkungen hart getroffen.

Nichts ist, wie es mal war. Davon können die Greenhorns (88 Mitglieder), die Werder Supporters Vechta (60), die Dinklager Fohlenfreunde (433), die Bakumer Germanen (745) und die Langfördener Hummels (210), die stellvertretend für die vielen VEC-Fanclubs befragt wurden, ein Lied singen. Nur leider nicht im Stadion. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie und der daraus resultierenden Bundesliga-Geisterspiele seit Mitte März 2020 haben die allermeisten Mitglieder der Fanklubs kein Stadion mehr betreten.

"Das fehlt extrem und war einfach ein harter Cut“, sagt Torsten Goy, Präsident der Bakumer Germanen. Normalerweise würden die Bayern-München-Fans regelmäßig mit einem Bus zu Spielen des Rekordmeisters fahren, den Verein unterstützen und während der Fahrten fachsimpeln. Hinzu kommt, dass die Fußballfans mögliche Erfolge ihres Klubs nur alleine und nicht im Kollektiv feiern können. Goy sagt über das Triple der Bayern in der vergangenen Saison: "Natürlich haben wir uns extrem gefreut. Aber am Ende tat es doppelt weh, das man nicht dabei sein konnte.“ Bei einem möglichen Bundesliga-Aufstieg des Hamburger SV wäre man auch bei den Langfördener Hummels "ein wenig traurig“, sagt der Vorsitzende Tim Weustermann: "Es wäre sicherlich sehr schade. Aber schlussendlich wäre es schön, wenn wir aufsteigen würden. Ich betone ‚wenn‘, denn sicher ist noch lange nichts.“

Unterschiedliche Handhabe bei Mitgliedsbeiträgen

Sicher ist allerdings, dass bei den Hummels die Mitgliedsbeiträge weiter eingezogen werden. Genauso verfahren die Greenhorns. "Die Mitglieder wollen weiter zahlen“, erklärt der Vorsitzender Michael Grosse Klönne. Bei den Fohlenfreunden wird der Monatsbeitrag in Höhe von einem Euro gespendet. "Wir wollen keine Gelder anhäufen und haben zuletzt verschiedene soziale Zwecke unterstützt“, erklärt Bernard Vocke, der für die Organisation im Gladbach-Fanklub zuständig ist. Zudem wollen die Fohlenfreunde eine "große bezuschusste Party“ (Vocke) schmeißen, wenn die Regeln es erlauben. Bei den Bakumer Germanen und bei den Werder Supporters wird kein Beitrag eingezogen. Der Vorsitzende Daniel Schwärter betont: "Wir wollen ihnen das Geld nicht aus den Tasche ziehen, wenn die Aktivitäten nahezu auf Eis liegen.“

Klar ist: Fanklubs leben von Interaktionen. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen läuft das über WhatsApp. Bei den Fohlenfreunden sogar über Videokonferenzen und über eine App, über die man Push-Benachrichtigungen auf die Smartphones senden kann. Aber Treffen, Stadiontouren oder anderen Aktivitäten kann das nicht ersetzen. Die Werder Supporters Vechta sind beispielsweise in "normalen Zeiten“ Fußballgolf spielen gewesen oder haben eine Planwagenfahrt gemacht. Aktuell müssen coronakonforme Alternativen gesucht werden, um die Fanklub-Mitglieder weiter auf Trab zu halten. Die Werder-Fans aus Vechta haben zu Weihnachten Grußkarten von „Moin Vechta“ verschickt. Die Langfördener Hummels und die Fohlenfreunde entwickelten Schutzmasken im Fanklub-Design, die Bakumer Germanen versenden regelmäßig Infobriefe, und die Greenhorns haben ein Bundesliga-Tippspiel und verteilten in der Weihnachtszeit eigene Adventskalender. Tim Weustermann von den Hummels sagt: "Irgendwie versucht man etwas anzubieten, aber es ist überhaupt nicht das gleiche.“

Schutz im Fanklub-Design: Die Langfördener Hummels haben eine eigene Corona-Maske. Foto: Wuestermann Schutz im Fanklub-Design: Die Langfördener Hummels haben eine eigene Corona-Maske. Foto: Wuestermann 

Dennoch haben die fünf Fanklubs nicht mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. Im Gegenteil: Teilweise gab es sogar leichten Zuwachs. Dabei könnte es eine Rolle spielen, dass der Profisport weiterläuft, der Heimatsport fast stillsteht und die Menschen noch mehr Fußball im Fernsehen gucken. Fohlenfreund Vocke sagt: "Die Bundesliga ist da, aber das Drumherum fehlt.“ Grosse Klönne hält fest: "Die Menschen brauchen in diesen Zeiten irgendetwas, da ist der Fußball ganz gut.“ Bei einer möglichen Teilzulassung der Fans (wie zu Beginn der aktuellen Saison für ein paar Wochen) würden es die fünf befragten VEC-Fanklubs unterschiedlich handhaben. Während die Werder Supporters Vechta laut Schwärter nach dem Motto "Wenn schon, dann alle“ verfahren und die Bakumer Germanen es "nicht auf Teufel komm raus“ (Goy) machen würden, wären die Langfördener Hummels, die Dinklager Fohlenfreunde und die Greenhorns Damme sofort an Tickets interessiert. Vocke sagt dazu: "Sobald es möglich ist, egal wie, egal was, wir würden fahren.“

Fans wollen zum Pokalfinale fahren 

Die Werder Supporters lassen sich allerdings ein Türchen offen. Ein DFB-Pokal-Finale im Berliner Olympiastadion würde man sich dann doch nicht entgehen lassen. Drei Hürden gibt es aber: Werder müsste im Viertelfinale Jahn Regensburg und danach im Halbfinale RB Leipzig schlagen – und beim Finale müssten Fans zugelassen sein. Eine Rückkehr ins Stadion ausgerechnet im DFB-Pokal-Finale? Mehr würde nun wirklich nicht gehen. Immerhin ist der Fußball ihr Lebenselixier.

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