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"Für große Emotionen war ich viel zu kaputt"

Der Cloppenburger Ulli Reinelt schaffte in 7 Tagen den Aufstieg zum Kilimanjaro in Tansania, der mit 5895 Metern der höchste Berg Afrikas ist.

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Romantischer Blick aus dem Basis-Camp: Das Bergmassiv des Kilimanjaro im Nordosten von Tansania. Foto: Privat

Romantischer Blick aus dem Basis-Camp: Das Bergmassiv des Kilimanjaro im Nordosten von Tansania. Foto: Privat

Ein eher eintöniges Rentnerleben mit Fernsehsessel und gelegentlichen Spaziergängen ist seine Sache ganz und gar nicht. Die sportliche Herausforderung hat Ulli Reinelt schon immer gereizt. Waren es in jüngeren Jahren etliche Marathonläufe, so machte sich der 62-Jährige jetzt auf und schaffte den Aufstieg zum Kilimanjaro, dem höchsten Berg Afrikas.

Die Zugspitze, mit 2962 Metern der höchste Gipfel Deutschlands, für Reinelt nicht hoch genug. Da sollte es schon etwas mehr sein: Mit 5895 Metern Höhe über dem Meeresspiegel das höchste Bergmassiv Afrikas im Nordosten von Tansania war das Ziel. Die Idee entsprang in Reinelts Läufergruppe. "Zunächst waren alle begeistert, aber nach und nach sagten alle anderen ab. Da hab ich mir gedacht, mach ich es halt alleine." Los ging die Odyssee mit dem Flieger von Frankfurt ins äthiopische Addis Abeba, von dort weiter zum Kilimajaro Airport. Nach einer Nacht im Hotel in Moshi traf sich die 7-köpfige Gruppe mit 3 Guides und etwa 25 Trägern in Machame.

Tag 1: Ziel des ersten Abschnitts war das Machame-Camp in 2835 Metern Höhe. "Da war noch alles in Ordnung. Nach einer Nacht im Zelt auf einer Isomatte verspürte ich am nächsten Morgen Übelkeit und Kopfschmerzen", machte Reinelt erste Erfahrungen mit der Höhe. Auch die hygienischen Bedingungen ließen ihn ahnen, was noch kommen sollte. Plumps-Klo und ein Becher Wasser für die Körperpflege waren angesagt.

Tag 2: "Die 3 Guides haben gemerkt, dass es mir nicht gut ging. Danach hatte ich meinen eigenen Guide."

Tag 3: 915 Höhenmeter galt es zu überwinden und bei Reinelt machten sich die körperlichen und mentalen Belastungen zunehmend bemerkbar. "Ich war ausgelaugt, mir war schwindelig und ich konnte mich kaum auf den Beinen halten."

Tag 4: 850 Meter Höhendifferenz waren zu bewältigen und Reinelts Körper hatte sich mehr und mehr an die Höhe gewöhnt.

Tag 5: Ein Akklimatisierungstag stand auf dem Programm, mit "nur" 115 Metern Höhendifferenz. Bei Reinelt kamen erste Gedanken nach einem kalten Bier auf...

Tag 6: Letzter Tag vor dem Endspurt Richtung Gipfel. In 4700 Metern Höhe galt es früh zu schlafen, denn die Nacht endete bereits um 22 Uhr.

Tag 7: Los ging's um 23 Uhr. Mit Stirnlampe machte sich der auf 5 Personen reduzierte Tross auf den Weg Richtung Gipfel. Gegen 6 Uhr am Morgen bot sich ein spektakuläres Naturschauspiel. "Der Sonnenaufgang bei minus 20 Grad war ein überwältigendes und einmaliges Erlebnis". Reinelt schaffte auch die letzte Etappe, wenn auch an der Grenze der physischen und psychischen Belastung. "Wie ich hochgekommen bin, weiß ich selber nicht mehr. Zu großen Emotionen war ich zu kaputt und gar nicht fähig."

Am Ziel: Ulli Reinelt (rechts neben Guide Bacara) schaffte in sieben Tagen den Aufstieg zum höchsten Berg Afrikas. Foto: PrivatAm Ziel: Ulli Reinelt (rechts neben Guide Bacara) schaffte in sieben Tagen den Aufstieg zum höchsten Berg Afrikas. Foto: Privat

Nach dem Abstieg ging's zurück ins Hotel, wo erst einmal eine ausgiebige Dusche angesagt war. Bei der Frage, ob ein vergleichbarer Trip in nächster Zeit erneut angesagt sein könnte, kommt die Antwort spontan. "Auf gar keinen Fall. Das war das Härteste, was ich bisher in meinem Leben gemacht habe." Und so bleibt neben den gesammelten Erfahrungen im Grenzbereich eine nicht unwesentliche Erkenntnis. "Ich habe jetzt endlich die Einsicht gewonnen, dass man im Alter auch mal zurückstecken muss."

Was freilich nicht heißen soll, dass der umtriebige Reinelt auf körperliche Betätigung verzichtet. Ab jetzt sind wieder Tischtennis-Punktspiele mit dem TTC Staatsforsten angesagt. Bereits am Freitag geht's zum OSC in die Dammer Berge. Für den an die Höhe gewöhnten Reinelt sicher ein nicht zu unterschätzender Vorteil...

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