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Flanke, kurzer Haken und mit Pike in den Knick

Michael Klein traf in der Aufstiegsrunde 1993 zum 1:0-Sieg des BV Cloppenburg gegen den VfB Lübeck. An ganze zwei Ballkontakte erinnert sich der 57-Jährige

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Jubel auch nach 25 Jahren: Das Aufstiegsteam der Saison 1992/93 traf sich im Jahre 2018 zum Jubiläum. Michael Klein (Mitte, über dem BVC-Wappen) war der Torjäger im Erfolgsteam. Foto: Wulfers

Jubel auch nach 25 Jahren: Das Aufstiegsteam der Saison 1992/93 traf sich im Jahre 2018 zum Jubiläum. Michael Klein (Mitte, über dem BVC-Wappen) war der Torjäger im Erfolgsteam. Foto: Wulfers

Er zählte zur Spezies jener Fußballer, die für jede Mannschaft elementarer Bestandteil und somit unverzichtbar sind: Toreschießen war der Job von Michael Klein, den der heute 57-Jährige mit konstanter Regelmäßigkeit in all seinen Klubs überaus erfolgreich erledigte.

Im zarten Alter von fünf Jahren ging es für den jungen Michael los. Motor Teltow hieß sein Heimatverein, doch schon bald wurden die Talentspäher auf die Fähigkeiten des Stürmers aufmerksam. Bereits mit 12 Jahren zog es Klein in die Sportschule von Union Berlin. Eine Profikarriere zeichnete sich ab, doch es kam gänzlich anders. „Politische Gründe waren ausschlaggebend“, nennt Klein kurz und knapp die Ursache für seine Ausbootung beim DDR-Vorzeigeklub und seinen Wechsel zum Zweitligisten KWO Berlin.

Nach der Wende war 1989 Tennis Borussia Berlin die nächste Station, wo ihn dann aber ein in einem Benefizspiel erlittener Schienbeinbruch stoppte. „Mein Vertrag wurde nicht verlängert, da er an Einsatzzeiten gekoppelt war“, erinnert er sich. So wurde der Weg zum BV Cloppenburg frei. Manfred Hellmann, Kleins Teamkollege bei TB, lotste den Torjäger zum BVC, wo er sechs Jahre zu einem absoluten Leistungsträger avancierte.

Ausgetanzt: Michael Klein (rechts) entwischt seinem Gegenspieler und setzt zum zumeist erfolgreichen Torschuss an. Foto: WulfersAusgetanzt: Michael Klein (rechts) entwischt seinem Gegenspieler und setzt zum zumeist erfolgreichen Torschuss an. Foto: Wulfers

Unter der Regie von Trainer Klaus Ebel, Co-Trainer Albert Ostendorf, Masseur Oswald Johannes und Betreuer Gustav Lieck sicherte sich das Team die Meisterschaft in der Verbandsliga in der Saison 1992/93. Es folgte eine an Spannung kaum zu überbietende Aufstiegsrunde mit dem VfB Lübeck, dem SV Wilhelmshaven und dem FC St. Pauli II. Nur aufgrund der besseren Tordifferenz sicherte sich Lübeck punktgleich mit dem BVC den Aufstieg.

Besonders die Auftaktpartie gegen den VfB Lübeck ist Klein auch heute noch nachhaltig in Erinnerung. „Damals gab es eine große Euphorie, im ersten Aufstiegsspiel waren über 3000 Zuschauer im Stadion. Ich bekam von der ersten bis zur letzten Minute Manndeckung. Mein Gegenspieler war Jens Stelk und nach dem Spiel waren meine Arme grün und blau. Ich hatte gefühlt zwei Ballkontakte, der erste war der Anstoß.“ Den zweiten in der 81. Minute bezeichnet Klein als einen ganz besonderen Moment in seiner Karriere. „Flanke, kurzer Haken und mit der Pike rechts oben in den Knick“, beschreibt er kurz und prägnant den entscheidenden Treffer. Der Rest war Jubel an der Friesoyther Straße, denn der 1:0-Sieg war ein überaus gelungener Auftakt. Weit weniger euphorisch die Stimmung bei den VfB-Akteuren. Libero Peter Harth verpasste Kleins Gegenspieler einen geharnischten Einlauf. „Du solltest auf den Klein aufpassen, der hat nur den linken Fuß. Nicht mal das kannst du.“ Klein und Co. war's egal, auch wenn es am Ende der Aufstiegsrunde nicht zum großen Coup reichte. „Die Stimmung in der Truppe, die anschließenden Feiern bei Buken, das war damals schon super.“

So war das Treffen 25 Jahre nach der Meisterschaft im Jahre 2018 für Klein und Co. selbstredend ein Muss. „Aufs Foto kommen nur die, die einen Schnitt von 20 Toren gemacht haben. Upps, dann bin ich ja alleine“, hatte Klein gleich einmal einen Scherz auf den Lippen. Auch wenn er in seiner gesamten Karriere als Teamplayer daherkam, der für einen Torjäger keineswegs untypische Egoismus ist auch Klein nicht fremd. „Es ist schon wichtig, dass die Torquote stimmt. Jeder Stürmer, der etwas anderes erzählt, der lügt...“

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