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Fehlerfestival löst Ratlosigkeit aus

Basketball-Bundesligist Rasta Vechta ist weiter sieglos. Hier der Nachbericht zum 73:85 in Ludwigsburg mit Reaktionen und einem Highlight-Video.

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Gesprächsbedarf: Rastas Trainer Thomas Päch während einer Auszeit im Spiel bei den Riesen Ludwigsburg. Foto: Britsch / Pressefoto Baumann

Gesprächsbedarf: Rastas Trainer Thomas Päch während einer Auszeit im Spiel bei den Riesen Ludwigsburg. Foto: Britsch / Pressefoto Baumann

Am Ende eines verkorksten Abends machte sich eine gewisse Ratlosigkeit breit – beim Topscorer, beim Kapitän und auch beim Trainer. „Ich kann es mir gerade nicht erklären, warum wir die Bälle reihenweise weggeschmissen haben“, erklärte Thomas Päch, Coach von Rasta Vechta, am späten Samstagabend. Sein Team hatte zuvor im siebten Saisonspiel in der 1. Basketball-Bundesliga die siebte Niederlage kassiert. Das 73:85 (30:52) bei den MHP Riesen Ludwigsburg war nicht sonderlich überraschend, schließlich hatte der Tabellenvorletzte beim abermals stark besetzten Vizemeister der Vorsaison gespielt.

Das nackte Ergebnis an sich war auch kein Drama, ein „minus 12“ bei einem BBL-Topteam ist kein Beinbruch. Aber, und das gehört auch zur Wahrheit: Rasta war 35 Minuten lang hoffnungslos überfordert und durfte erst auf den letzten Metern einer einseitigen Partie Ergebniskosmetik betreiben. Päch räumte daher ein: „Das Ergebnis spiegelt das Spiel nicht wider.“ Und er ergänzte: „Gefühlt sah das phasenweise aus wie 1. Liga gegen 2. Liga.“

Rasta, das nun zusammen mit Gießen das 0:14-Punkte-Schlussduo der Liga bildet, leistete sich 23 Ballverluste. Mehrfach hatte Rasta allergrößte Mühe, innerhalb von acht Sekunden in die gegnerische Hälfte zu kommen. Das eine oder andere Mal klappte es auch nicht. Rasta fand kein Mittel gegen die höllisch-aggressive Defense von Yorman Polas Bartolo, Tremmell Darden und Co. Ludwigsburg, das saisonübergreifend den 13. Heimsieg in Serie feierte, trieb den verunsicherten Gegner vor allem in der ersten Halbzeit von einem Fettnäpfchen ins nächste. „Wir wussten, dass Vechta mit Druck Probleme hat. Das wollten wir nutzen, und das ist uns auch gelungen“, erklärte Ludwigsburgs Topscorer Elias Harris.

Frust in Ludwigsburg: Will Vorhees. Foto: Britsch  Pressefoto BaumannFrust in Ludwigsburg: Will Vorhees. Foto: Britsch / Pressefoto Baumann

In den ersten sechs Liga-Spielen hatte sich Rasta im Schnitt 11,5 Turnover geleistet, ein relativ normaler Wert. In Ludwigsburg waren es nun exakt doppelt so viele. Bereits zur Pause hatte Rasta mit zwölf Ballverlusten seinen bisherigen Saisonwert erreicht. Am Ende waren es 23 – und damit stellte Rasta seinen BBL-Negativrekord in dieser Kategorie ein. Dreimal zuvor hatte sich Rasta schon mal 23 Ballverluste in einer Partie erlaubt; im Januar 2017 gegen Alba Berlin, im April 2019 in Berlin und im September 2019 in Ulm.

Man habe unter der Woche im Training versucht, den Druck der Ludwigsburger zu simulieren, so Päch: „Und trotzdem waren wir überrascht von dieser Intensität.“ Rasta sei „nicht das erste und auch nicht das letzte Team, das Probleme mit dieser Ludwigsburger Defense hat“, sagte Päch. Die Art und Weise, wie Rasta teilweise die Bälle wegwarf, war für den 38 Jahre alten Coach dennoch „nicht akzeptabel“. Man habe die „Realität ins Gesicht geschlagen bekommen“, sagte Päch und betonte: „Jeder muss sich jetzt an die eigene Nase fassen – ich auch.“ Das eigene Angriffsspiel sei „zu langsam“ und „zu lethargisch“ gewesen. Man habe „zu viel gedribbelt“ und „zu wenig gepasst“. Und, so Päch: „Mit dem Kopf durch die Wand geht nicht, wir müssen mehr füreinander spielen.“

Kapitän Josh Young pflichtete seinem Coach bei: „Unsere Ballbewegung muss besser werden.“ Angesprochen auf die sehr hohe Turnover-Quote, ergänzte der US-Guard, der fünf Assists und drei Ballverluste hatte: „Ludwigsburg ist das aggressivste Team der Liga. Es zu wissen, ist eine Sache. Damit umzugehen, eine andere. Man muss bereit dafür sein, und das waren wir nicht.“ Auch Topscorer Philipp Herkenhoff, mit 15 Punkten, sechs Rebounds und einer makellosen Dreier-Bilanz (3/3) einer der wenigen Lichtblicke bei Rasta, haderte mit dem Fehlerfestival in der ersten Halbzeit. „So darf man nicht starten, so können wir einfach nicht auftreten“, sagte der 21-Jährige. Man habe zwar gewusst, wie Ludwigsburg agiert, sei aber „nicht rausgekommen aus dem Druck“.

Peno und Clifford erwischen einen schwarzen Tag

Für Rasta, das auch im siebten Saisonspiel das erste Viertel verlor und beim 30:58 den größten Rückstand verbuchte, kam am Samstagabend erschwerend hinzu, dass in Stefan Peno und Dennis Clifford zwei Fixpunkte einen rabenschwarzen Tag erwischten. Peno bekam die Partie nie unter Kontrolle und schmorte nach einem Fehlstart in die zweite Halbzeit 18 Minuten lang auf der Bank. „Er ist im Moment nicht so klar in seinen Aktionen. Er macht sich zu viel Druck und dann Sachen, die er eigentlich nicht machen soll“, sagte Päch über den von Alba Berlin ausgeliehenen Serben, der bislang die meisten Würfe (65) genommen und dabei die schwächste Trefferquote (29,2 Prozent) aller Rasta-Spieler hat.

Apropos Trefferquote aus dem Feld: Der zuletzt überragende Clifford blieb in Ludwigsburg zwar ohne Fehlwurf und verbesserte seine Saisonquote auf den BBL-Topwert von 81 Prozent (34/42), defensiv war er aber völlig neben der Spur. „Dennis war nicht da“, sagte Päch. Clifford verlor das Center-Duell gegen Harris deutlich. Der frühere Bamberg-Kapitän ließ Rastas Big Man mehrfach alt aussehen und dementierte nach seiner Gala die Spekulationen um einen Wechsel im Januar zum spanischen Champions-League-Team und neuen T.J.-Bray-Klub Saragossa („Es ist nur ein Gerücht“).

„Der MBC ist ein Gegner, den wir schlagen sollten, wenn wir in der Liga bleiben wollen“Philipp Herkenhoff über die nächste Aufgabe am Mittwoch.

Und nun? Am Mittwoch geht's für Rasta zum Mitteldeutschen BC. „Die Spieler müssen verstehen, in welcher Situation wir sind, und was es heißt, da rauszukommen“, sagte Päch. Young mahnte: „Wir dürfen die Köpfe jetzt nicht hängen lassen.“ Vor gut zwei Jahren gab's in Weißenfels nach einem Fehlstart die Wende zum Guten. „Vielleicht ist der MBC ja wieder ein gutes Pflaster für uns“, so Young. Herkenhoff wurde noch deutlicher: „Der MBC ist ein Gegner, den wir schlagen sollten, wenn wir in der Liga bleiben wollen.“

Dass Rastas Neuzugang Ikenna Ugochukwu Iroegbu (25) am Mittwoch sein Debüt feiert, ist angesichts der hiesigen Corona-Regelungen so gut wie ausgeschlossen. Der Nationalspieler Nigerias, der 2018/19 in Jena an der Seite von Rastas Co-Trainer Derrick Allen spielte und nun Vechtas Guard-Rotation erweitern soll, stieg am späten Samstagabend in San Francisco in den Flieger gen Frankfurt. Rastas Fehlerfestival in Ludwigsburg war da gerade beendet.


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