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Fan und Funktionär mit lila-weißem Herzen

Seit seiner Studienzeit ist der gebürtige Lohner Werner Nordlohne Fan des VfL Osnabrück. Heute arbeitet der 35-Jährige für seinen Herzensverein.

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Bindeglied: Werner Nordlohne vermittelt zwischen dem Klub und den Fans. Foto: VfL

Bindeglied: Werner Nordlohne vermittelt zwischen dem Klub und den Fans. Foto: VfL

„Bei uns gibt's nicht so dieses Aalglatte. Da marschiert man nicht einfach kurz vor dem Spiel zu seinem Sitzplatz. Da eckt man unterwegs auch mal an, da wird's auch mal enger.“ Wenn Werner Nordlohne über die Bremer Brücke spricht, schwingt in jeder Silbe die Liebe zum Stadion des VfL Osnabrück mit. „Es ist alles ein bisschen oldschool, mit englischer Atmosphäre. Das hat seinen ganz eigenen Charme, aber natürlich auch seine Herausforderungen. Es ist eben eine Kultstätte des Fußballs“, sagt er über die Heimat des Fußball-Zweitligisten. Über den Ort, „wo das Herz schlägt“, wie es im VfL-Jargon heißt. Das Herz des Klubs, aber auch das Herz von Werner Nordlohne.

Für den 35-Jährigen ist das charmante, etwas in die Jahre gekommene Bauwerk im Stadtteil Schinkel die dritte Heimat. Die erste ist Lohne, das kann man mit diesem Nachnamen schwer leugnen. Hier ist Werner Nordlohne aufgewachsen, hier lebt seine Familie – und deshalb ist er noch regelmäßig vor Ort. Die zweite Heimat liegt ja auch nicht in großer Ferne: Seit 2006 lebt er in Osnabrück, wo er Sozialwissenschaften studiert hat. Und seit September 2017 arbeitet er als hauptamtlicher Fanbeauftragter beim VfL. Da, wo sein Herz schlägt. Schon länger.

Mythos Bremer Brücke: Die Atmosphäre im Stadion des VfL Osnabrück ist einzigartig. Das Herzstück bildet die Ostkurve. Foto: dpa  GentschMythos Bremer Brücke: Die Atmosphäre im Stadion des VfL Osnabrück ist einzigartig. Das Herzstück bildet die Ostkurve. Foto: dpa / Gentsch

„Während des Studiums entstand der Bezug zum VfL, dann wurde ich Fan und Stadiongänger“, erzählt Werner Nordlohne. Fortan stand er bei fast jedem Heimspiel in der Ostkurve, die die treusten Fanseelen ihr Zuhause nennen. Auch auswärts reiste er oft mit. Über seinen „kleinen, aber feinen“ (Nordlohne) Kreisklassen-Klub Concordia Osnabrück, wo er bis vor kurzem als Trainer amtierte und gelegentlich noch mitkickt, verstärkte sich der Kontakt zur organisierten und engagierten Osnabrücker Fanszene.

Engagiert – diese Eigenschaft traf auch immer schon auf Werner Nordlohne zu. Knapp zehn Jahre lang, von 2007 bis 2017, verschrieb sich der Lohner dem Behindertensport, speziell dem Blindenfußball. Vier bis fünf Jahre war er als Betreuer bzw. Offensiv-Coach für die Nationalmannschaft tätig, flog mit zu Lehrgängen nach Tokio und Kairo, zu Europa- und Weltmeisterschaften.

Mit zur Reisegruppe zählte auch immer ein weiterer Lohner: DFB-Kapitän Alexander Fangmann, einer von Deutschlands besten Blindenfußballern – und einer von Werner Nordlohnes besten Freunden. „Wir kennen uns schon seit Kindergartenzeiten“, berichtet der VfLer. Nach der EM 2017 in Berlin musste er sich aus zeitlichen Gründen aus dem Blindenfußball zurückziehen. „Aber ich verfolge es immer noch aufmerksam“, sagt er.

Seit 2017 kommt nach der Familie direkt der VfL

Dennoch: Seit 2017 kommt für den zweifachen Vater nach der Familie direkt der VfL. Und für viel mehr ist im Alltag auch nicht Platz. „Man ist als Fanbetreuer 24/7 im Dienst. Der Fan meldet sich nicht zwischen 10.00 und 17.30 Uhr, sondern dann, wenn er ein Anliegen hat“, erklärt Nordlohne. In diesen Fällen fungiert der Sozialwissenschaftler als erster Ansprechpartner, als eine Art Bindeglied zwischen den Anhängern und dem Klub. Als Fan und Funktionär in Personalunion. Vertrauen sei in vielerlei Hinsicht das Wichtigste, betont der 35-Jährige. Er profitiert bei der Arbeit von seiner eigenen Verwurzelung in der Ostkurve. „Ohne Vorwissen über verschiedene Gruppen und verschiedene Strukturen wäre das sehr schwierig“, bemerkt er.

Zu seinen Aufgabenbereichen zählen gerade an Spieltagen auch die Bewältigung und die Vorbeugung von Konflikten, egal ob an der Bremer Brücke oder auswärts. Das heißt für Werner Nordlohne: reden, reden, reden und zuhören, zuhören, zuhören. In Gesprächen mit Fans, Polizei, Feuerwehr, Behörden, Verbänden und Vereinen.

So einen Freudentaumel wie beim Aufstieg im vergangenen Jahr – für Werner Nordlohne zweifelsohne das absolute Highlight der bisherigen VfL-Berufskarriere – gibt es dabei selten. Oder vielmehr: nie. „Man braucht schon ein dickes Fell“, beschreibt der Fanbeauftragte das Anforderungsprofil für seinen Job. Es ist kein Geheimnis: In so gut wie jedem Klub gibt es hier und da verhärtete Fronten zwischen Fans und Verantwortlichen. Eine von Werner Nordlohnes Aufgaben ist es, diese aufzuweichen, beide Seiten an einen Tisch zu holen.

Das heißeste Thema ist die Zukunft der Bremer Brücke

Das ist zuletzt auch beim heißesten Thema, der Zukunft des Stadions, gelungen. Seit geraumer Zeit schwebt aus Fan-Sicht das Damoklesschwert „Neubau“ über der Bremer Brücke. Baumaßnahmen sind schon allein aufgrund der Auflagen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nötig.

Die Fan-Initiative „Mythos Bremer Brücke“ will den Standort und den Charme erhalten. „Wir haben dafür einen Runden Tisch gegründet“, berichtet Werner Nordlohne. Allen Parteien wäre es am liebsten, wenn der VfL Osnabrück weiterhin mitten in der Wohnsiedlung bleiben kann. Da, wo das Herz schlägt – und wo Aalglätte nichts verloren hat.

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