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Fahndung nach Lutter Urgestein erfolgreich

Außen vor: In einer Serie rückt OM online ehrenamtliche Mitarbeiter heimischer Sportvereine in den Vordergrund. Heute Markus Kühling, Jugendwart des TuS Lutten.

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Nur mal kurz für ein Foto entbehrlich: Der Lutter Markus Kühling auf dem Sportplatz, während seine 1. B-Jugend im Hintergrund eigenständig ihr Aufwärmprogramm absolviert. Foto: Geske

Nur mal kurz für ein Foto entbehrlich: Der Lutter Markus Kühling auf dem Sportplatz, während seine 1. B-Jugend im Hintergrund eigenständig ihr Aufwärmprogramm absolviert. Foto: Geske

Beim Blick auf einige Daten und Fakten könnte der Eindruck entstehen: Auch der TuS Lutten hat einen Claudio Pizarro. Dauerbrenner, in grün-weißer Montur auf dem Platz stehend und ein aktives Karriereende mit 41 Jahren. Hinzu kommt noch, dass der Pizarro aus Lutten über lange Jahre sogar beruflich grün-weiß getragen hat. Zumindest, bis die Umstellung der Dienstbekleidung auf Dunkelblau und Signalgelb erfolgte. Der Claudio Pizarro des TuS Lutten heißt Markus Kühling. Der heute 51-Jährige ist 2. Vorsitzender des TuS, zudem Jugendwart und Trainer der 1. B-Jugend. Und beruflich als Hauptkommissar bei der Bundespolizei tätig.

„Bis ich 41 Jahre alt war, wurde ich in der 1. Herrenmannschaft mehrmals reaktiviert und verabschiedet“, erklärt Markus Kühling. Angefangen in der E-Jugend, erinnert er sich auch noch an sein erstes Spiel: Ein 2:0-Sieg bei BW Langförden, Kühling steuerte den zweiten Treffer bei. „Das vergesse ich nicht“, sagt er. Mittlerweile nimmt ihn die Arbeit als Jugendwart voll ein. Eigentlich sollte er den Job nur übergangsweise ausüben. Vor rund zehn Jahren hieß es aus dem Vereinsvorstand: „Mach du das erst mal.“ Den Posten bekleidet Kühling auch heute noch. 2. Vorsitzender ist er seit 2002. An der Nachfolge wird jedoch schon gearbeitet. „Vielleicht bleibe ich trotzdem noch dabei“, sagt Markus Kühling. Der Jugendwart sei „schon ein schwer zu besetzender Posten“, ergänzt er. Von all seinen Ämtern sei dies der „mit Abstand aufwendigste“.

„Trainer, Betreuer und Eltern haben oft Ideen, die sich leider nicht immer umsetzen lassen“Markus Kühling, 2. Vorsitzender und Jugendwart des TuS Lutten

Aber warum eigentlich? Zum einen sei es nicht so leicht, regelmäßig Jugendbetreuer zu finden, erklärt der Lutter Ehrenamtler. Zum anderen sei die Zusammenstellung der Jugendteams eine dauerhaft große Herausforderung: „Trainer, Betreuer und Eltern haben oft Ideen, die sich leider nicht immer umsetzen lassen“, sagt Markus Kühling. „Da kann man nicht immer allen gerecht werden.“ Ziel sei es, die Kids nicht zu vergraulen, sodass diese daraufhin irgendwann frustriert den Verein verlassen. Das zu vereinbaren mit den vielfachen Wünschen des Nachwuchses und ihrer Eltern, nur mit Freunden zusammenspielen zu wollen oder gewisse Gruppen zusammenzuhalten, „stellt uns jedes Jahr vor schwierigste Entscheidungen“, sagt Markus Kühling. Allerdings habe der Verein in den letzten Jahren kaum Jugendspieler an auswärtige Mannschaften verloren, analysiert Kühling. Möglicherweise ein Beleg dafür, dass Organisation und Entscheidungen in Lutten letztlich immer noch von einem Großteil der Betroffenen mitgetragen werden.

Mit seinen Jungs aus der 1. B-Jugend holte Kühling in der vergangenen Saison 2018/19 das Double: Meisterschaft in der Kreisliga und Pokal auf Kreisebene. Zu dem Zeitpunkt aber noch im Bereich der C-Junioren. „Das war ein Top-Erlebnis“, freut sich Kühling. Und daraus schöpft er auch die Kraft für sein Engagement. „Man hat dann ja auch eine Art Erziehungsauftrag – und wenn man dann die Früchte erntet, ist das schön.“

"Negativer Höhepunkt" aus dem Jahr 2001 ist abgehakt

Zudem blickt er nicht ohne gewissen Stolz auf die Vereinsentwicklung in den letzten Jahren. Nach dem, wie er sagt, „negativen Höhepunkt des Sportlerballs 2001“, hätte sich vieles wieder zum Positiven gewendet. Damals brachen die Ball-Besucherzahlen rapide ein, mittlerweile ist davon unter dem Dach der neuen Sporthalle keine Rede mehr. Auch die Sportanlage wurde sukzessive weiterentwickelt. Als nächstes Großprojekt stehe die Renovierung der Duschen und Umkleiden auf dem Programm, berichtet Kühling. Zudem steht 2021 die 100-Jahr-Feier des TuS Lutten an. Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise hofft Luttens 2. Vorsitzender, „dass wir das sauber über die Bühne kriegen“. Der gebürtige Lutter ist sich aber durchaus bewusst, dass die ganzen Veränderungen ohne die Unterstützung der Gemeinde Goldenstedt kaum möglich gewesen wären. „Da muss man auch mal Danke sagen“, so Kühling.

Etwas traurig blickt er auf die abgesagte Spanien-Fahrt der Jugendabteilung in diesem Jahr, seit einiger Zeit regelmäßiger Bestandteil von Luttens Nachwuchsarbeit. Per Bus ging's dann ins spanische Calella zu einem internationalen Fußballturnier. Bislang fuhr gewöhnlich ein Jugendteam der Lutter in den Süden und wurde mit anderen Vereinen aus Deutschland in einem Bus zusammengewürfelt. Nun hätte der TuS das erste Mal einen eigenen Bus voll besetzt, mit Spielern von der B- bis zur D-Jugend inklusive Eltern. Hätte . . .  Corona eben. Kühling selbst war Organisator der Tour. „Für den Zusammenhalt im Verein war das immer super“, sagt er. Neuer Anlauf dann wohl im nächsten Jahr.

Zugute kommt Markus Kühling bei seinem ehrenamtlichen Einsatz, dass er als Polizeihauptkommissar ein kleines Fahndungsteam leitet und somit Dienstpläne selbst beeinflussen kann. Daher bleibt noch Raum für das Engagement in der Freizeit. Das war's dann aber auch schon mit den Hobbys. „Ich hab ein Motorrad, dafür ist aber der TÜV abgelaufen“, sagt Kühling. „Dafür finde ich gar keine Zeit mehr. Interessenten können sich melden“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Für sein weiteres ehrenamtliches Engagement könnten dagegen seine beruflichen Fähigkeiten behilflich sein: Bei der Fahndung nach guten Spielern und den Schwächen künftiger Gegner.

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